Frank Baumbauer – Münchner Kammerspiele, Intendant

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2008, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Ich gestehe offen, dass ich einige Neuinszenierungen am eigenen Theater sehr bemerkenswert fand und finde, picke aber nur eine davon beispielhaft aus der guten Ernte 2008 heraus. Zuvor aber muss und will ich meinen Hut ziehen vor einem Erlebnis, das ich am Deutschen Theater in Berlin haben durfte: die Aufführung von Tschechows Onkel Wanja in der klugen und behutsamen Regie von Jürgen Gosch. Selten war ich so gebannt von dem subtilen Spiel, mit dem mich die Schauspieler, beinahe alle, mit geringsten und feinsten Mitteln das Theater und sein Publikum gänzlich vergessen machten und die Wünsche und Nöte dieser Tschechow-Menschen so unmittelbar spüren ließen.

Christoph Nix – Theater Konstanz, Intendant

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2008, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Ich möchte zu Martin Nimz Inszenierung Im Morgengrauen ist es noch still schreiben, es war an meinem Haus, ich komme nicht viel weg, aber es gehört zu den Arbeiten, die ich sehr mag und die mich schmerzen.

Uwe Eric Laufenberg – Hans-Otto-Theater Potsdam, Intendant

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2008, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Auswärts: Waves, eine Inszenierung von Katie Mitchell im National Theatre London – basierend auf dem gleichnamigen Roman von Virginia Woolf. Die bewegende, psychologisch präzise und mit aberwitzigen Details erzählte Geschichte einer ganzen Generation. Kreativ genutzte Video-Technik, wie man sie noch nicht gesehen hat!

Thomas Ostermeier – Schaubühne Berlin, Künstlerischer Leiter

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2008, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Das Beeindruckendste aus meinem eigenen Theater in diesem Jahr für mich war, als wir diesen Sommer mit Hamlet in Avignon waren. Es ist sowieso immer beeindruckend, im Papstpalast unter freiem Himmel vor zweitausendzweihundert Menschen zu spielen. Aber dann hatten wir für die französischen Zuschauer den Carla-Bruni-Song "L'Amour" eingebaut, den Judith Rosmair (in der Rolle der Gertrud) als Liebeslied für Claudius sang. Judith Rosmair begann das Lied zu singen, und als die Franzosen es erkannten, ging ein ungläubiges Wispern durch die Reihen, und am Ende gab es Szenenapplaus. Das hat mich sehr beeindruckt, denn das hatte ich nicht erwartet, dass dieses Lied in diesem Kontext so direkt zu ihnen spricht. Das gibt es ja kaum in Frankreich, dieses unmittelbare Reagieren von Theater auf aktuelle Vorgänge.