Ich hätte den Posten des Kotzbrockens zu vergeben ....

von Nikolaus Merck

5. Januar 2008. Kaum hat das Jahr mit der Premiere von Rimini Protokolls Breaking News im Berliner Hebbel am Ufer begonnen, wünscht sich ein Kommentator, die Zuschauer möchten mit Tränengas gegen dieses "Bionadebiedermeier der Avantgarde" vorgehen. "Authentisch bin ich selbst", langweilt sich ein anderer.

Auch im Lob angreifbar

von Petra Kohse

Berlin, Januar 2009. Die Nachtkritik ist eine Erfindung der Romantik. Moritz Gottlieb Saphir ergriff diese theaterkritische Sofortmaßnahme 1827 im Berliner Courier, um die nach theatralen Neuigkeiten gierende Leserschaft schneller bedienen zu können als die Konkurrenz. Die Bühne und das Feuilleton waren zu der Zeit die einzigen von der Zensur halbwegs verschonten öffentlichen Foren, und die Theaterkritik war entsprechend populär.

Die nachtkritik-Redaktion empfiehlt



Ding
Speise
Dirk
Pilz

Das Rinderzüchtermesser mit Olivenholzschaft von Laguiole.

Die Kürbissuppe im Wiener Café Central.

Nikolaus Merck

eine Bambuskratzhand aus Laos, wenn es nicht mehr weitergeht beim Nachdenken


Madeira Gelee

Anne
Peter

Zickzackförmiger Zettelhalter "Tabula rasa", hilft bei ausufernder Zettelwirtschaft

Lakritzsorten für jeden Spezialgeschmack im Lakritzfachgeschäft "Kadó" in der Gräfestraße, Berlin


Esther
Slevogt
ein Revolving Bookcase für den allernötigsten Lese- und Arbeitsstoff im Schreibtischnähe
Salzige Heringe (Katjes)

Wolfgang
Behrens

Christbaumkerzen aus echtem Bienenwachs (leider selten geworden)

die idealen Zutaten für ca. 70 Florentiner: 50g Butter, 200g Zucker, 2 x Vanillezucker, 300g Mandelblättchen, 250 ml Sahne, fakultativ Kuvertüre, traditionelle Herstellung


Simone
Kaempf

Knotenbeutel von "Akiko", Hamburg, die mit japanischen Überraschungsgeschenken gefüllt sind

Bisher ohne Zahn: Nr. 136 im Asia-Restaurant "Mao Thai", Berlin


Christian Rakow Spiralblock
Misosuppe





Georg Kasch Überlebenswichtig: die Bialetti-Espressokannen

Die Besten: Nürnberger Elisen-Lebkuchen von Fraunholzer








Trank
Film
Dirk
Pilz

Laphroaig, Whisky von der schottischen Insel Islay

Das weiße Band von Michael Haneke


Nikolaus Merck Auxerrois von Castel Peter


Anne
Peter
Heiße weiße Schokolade im "Molinari" in der Riemannstraße, Berlin-Kreuzberg

alle "Tatort"-Folgen, in denen Theaterschauspieler mitwirken. Das macht das Täterraten zur entspannten Angelegenheit – meistens sind sie die Mörder.


Esther
Slevogt
Römerquelle, prickelnd
"Lebanon" von Samuel Maoz oder der Krieg aus der Perspektive eines Zielfernrohrs im Innern eines Panzers gesehen.

Wolfgang
Behrens
Ein Fläschchen "Soma" aus der gleichnamigen Installation von Carsten Höller im Hamburger Bahnhof zu Berlin; wegen der performenden Rentiere ist die Ausstellung übrigens sehr kinderkompatibel, und der Kaffee bei Sarah Wiener schmeckt auch.
"Carlos" in der höchst kurzweiligen Langfassung (5 1/2 Stunden). Nora von Waldstätten und Alexander Scheer sind natürlich der Hammer, Udo Samel als Bruno Kreisky ist aber auch nicht übel.

Simone
Kaempf

Schweizer Ovo

"Rêves de Babel" über Sidi Larbi Cherkaoui

JibJab-Jahresrückblicke

2010 coming soon!


Christian Rakow
Rostocker Pilsner

Klassisch, aber stets neu: "Super Night Shot" von Gob Squad





Georg Kasch

Berliner Leitungswasser

Moon (Duncan Jones)







CD
Buch
Dirk
Pilz

J.S. Bach: "Goldberg Variations", mit Keith Jarrett; Owen Pallett: "Heartland"

Roberto Bolaño: 2666. Hanser Verlag 2009

 


Nikolaus Merck

David Foster Wallace: Unendlicher Spaß. Kiepenheuer & Witsch 2009


Anne
Peter

Wir sind Helden: "Bring mich nach Hause" (Columbia). Sogar Judith Holofernes besingt jetzt die dramatische Zunft: "In den Bibliotheken städtischer Ballungen /
stapeln sich Bücher über läppische Wallungen /
neben Bänden voller Lieder über Beulen und Schräglagen /
und die Wände hallen wieder von Heulen und Wehklagen".

Felicia Zeller: Einsam lehnen am Bekannten. Kurze Prosa. Lilienfeld Verlag 2008. Dramatikerin Felicia Zeller übers Dramen-Schreiben bzw. Dramen-Nicht-Schreiben, über Schreibblockaden, freischwebendes Schreiberinnen-Dasein und sehr viel Zunixkommen. Außerdem ein Muss für alle Neu-Neuköllner.


Esther
Slevogt

Lyrikstimmen, 100 Jahre und 122 AutorInnen im O-Ton (Der Hörverlag). Wer mal Karl Kraus oder Paul Celan, Johannes R. Becher oder Hugo von Hofmannsthal eigene Texte lesen hören will. Es gibt allerdings einen Fehler! Wer findet ihn?

Christa Wolfs "Stadt der Engel" (Suhrkamp), auch in seinem Scheitern ein Buch des Jahres. Christa Wolf, die so gerne Sulamith wäre, aber erkennen muss, dass sich die Margarete, die sie ist, nicht abschütteln läßt.


Wolfgang
Behrens

Für Opernfreunde: Bejun Mehta, "Ombra Cara" (harmonia mundi).
Für Weihnachtsjunkies: Bob Dylan, "Christmas in the Heart" (Coulumbia).
Für Entdeckungsfreudige: Barbara Sukowa and The X-Patsys, "Devouring Time" (Winter & Winter).

 

Hansjörg Schneider: Hunkeler und die Augen des Ödipus. Diogenes 2010. (Endlich ein Krimi im Regietheatermilieu für Verehrer und Verächter desselben; die geschilderte "Ödipus"-Aufführung würde ich wirklich gerne sehen.)


Simone
Kaempf

"Moonstruck" mit Barbara Buchholz am Theremin

Peter Zadek: Die Wanderjahre. 1980-2009,
Kiepenheuer & Witsch 2010, weil von Kunst hier selten die Rede ist, und sich doch alles um ihre Mittel dreht


Christian Rakow
Arcade Fire: The Suburbs

Immergrün: Wilhelm Raabe: Die Akten des Vogelsangs (1896), bei Reclam für nur 5,60 Euro zu haben.

Und vom Neueren: Wolf Haas/Teresa Präauer: Die Gans im Gegenteil. Hoffmann und Campe 2010. "Von einer Glückssträhne beglückt / wird hier eine Glücksträne verdrückt."






Georg Kasch

Chopin: Sämtliche Nocturnes, von Amir Katz; The Gentleman's Flute, von Stefan Temmingh


Alison Bechdel: Fun Home. Eine Familie von Gezeichneten. Kiepenheuer & Witsch 2008

Die nachtkritik-Redaktion empfiehlt


  Buch   CD
         
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Wolfgang Behrens
 

Hans Neuenfels: Das Bastardbuch,
C. Bertelsmann, München 2011.

  Johannes Brahms: Händel-Variationen op. 24 (+ op. 79, op. 118 und op. 119), Murray Perahia (Klavier), Sony Music 2010.
         
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Sophie Diesselhorst
 

Felix Hartlaub: Kriegsaufzeichnungen aus Paris, Suhrkamp, Berlin 2011.

  Tom Waits: Bad As Me.
         
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Simone Kaempf
 

Rafael Horzon: Das weisse Buch, Suhrkamp, Berlin 2010. Ein lustiges Berlin-Buch für westdeutsche Verwandte.

 

Miles Davis: "1986-1991. The Warner Years", Kraftwerk: "Computerwelt" und auch Blondies 80er-Revival ist nicht so schlecht.

         

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Georg Kasch

 

Wolfgang Herrndorf: Tschick, Rowohlt, Berlin 2010.

  Antony and the Johnsons: The Crying Light (2009).
         
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Nikolaus Merck
 

Esther Slevogt: Wolfgang Langhoff. Ein deutsches Künstlerleben im 20. Jahrhundert, Köln 2011.

 

Immer wieder, immer wieder: Blonde on Blonde von Bob Dylan,
2 CD, 1966.

         
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Anne Peter
 

André Gorz: Brief an D. Geschichte einer Liebe. Rotpunktverlag, Zürich 2007;
Barbara Honigmann: Bilder von A., Carl Hanser Verlag, 2011

 

Auch nach zehn Jahren noch gut für dunkle Tage:
Nick Cave and the Bad Seeds: No More Shall We Part, 2001.

         
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Dirk Pilz
  Inger Christensen: Das Schmetterlingstal. Ein Requiem. Suhrkamp, Berlin 2011.  
Kleist. Ein Lebensmonolog aus den Briefen. 2 CDs. Ulrich Matthes und Hermann Beil. Noanoa Verlag 2006.
         
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Christian Rakow
 

Kein Buch, sondern ein fantastisch erzähltes Computerspiel: The Moment of Silence, Story von Martin Ganteföhr, House of Tales, 2004.

 

Joan As Police Woman: Nervous (Single).

The Strokes: Angles (Album).

         
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Esther Slevogt
  Sybille Lewitscharoff: Blumenberg, Suhrkamp, Berlin 2011.  

Philipp Glass: Violin Concerto No. 2 "The American Four Seasons", Orange Mountain Music, 2010.

         

  DVD/Film   Für Kinder
         
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Wolfgang Behrens
 

Annekatrin Hendel: Vaterlandsverräter (2011). Ein Film über den Schriftsteller, Dramatiker und Stasi-Spitzel Paul Gratzik.

  Wolf Erlbruch: Kinderzimmer-Kalender 2012 (wobei mich der Verdacht beschleicht, dass sich die Erwachsenen diesen Kalender jedes Jahr selbst schenken).
         
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Sophie Diesselhorst
 

DVD: Wendy and Lucy
Kino: Meek's Cutoff
(beide von Kelly Reichardt).

  Blexbolex: Leute, Jacoby & Stuart 2008 (Buch).
         
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Simone Kaempf
 

Lars von Triers: Melancholia. Ein Lichtblick in trüben Wintertagen.

 

Zauberwürfel

         

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Georg Kasch
  Tom Tykwer: Drei (2010).   Andreas Steinhöfel: Rico, Oskar und ... (alle drei Bände, Carlsen Verlag 2008-2011).
         
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Nikolaus Merck
 

George Harrison: Living in the material world, von Martin Scorsese.

 

Der unvergessene Fritz Wunderlich, 5er CD-Box, Deutsche Grammophon zum 80. Geburtstag Wunderlichs 2010.

         
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Anne Peter
 

Wer dem Sog erliegt, kann's in der Weihnachtspause schaffen:
David Lynch: Twin Peaks – Definitive Gold Box Edition (10 DVDs).

 

Was ist das? – Finde die Tiere im Alltag (Memory-Spiel ab 6 Jahren von Antje Damm, MeterMorphosen); Wizard (Kartenspiel ab 10 Jahren von Franz Vohwinkel, Amigo)

         
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Dirk Pilz
 

Kein Film, eine CD:

J. S. Bach: Ich hatte viel Bekümmernis. BWV 21. La Capelle Royal/Collegium Vocale/Philippe Herreweghe. Harmonia Mundi 2002.

  Monika Speck: Es geht ein Bär im Wald herum. Tiergedichte für Kinder. Urachhaus Verlag 2007.
         
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Christian Rakow
  Miranda July: The Future   Radau!, nach dem Hörspiel von Walter Benjamin, Regie: Thomas Fiedler, Theater an der Parkaue.
         
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Esther Slevogt
  Alexander Sokurov: Faust (2011).  

Die Carrerabahn Digital 132.

         

  Für Konservative
  Für Fortschrittliche
         
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Wolfgang Behrens
 

Ein Wahlabonnement im Berliner Ensemble.

  Béla Tarr: A Torinói ló (The Turin Horse; Film, 2011). Vielleicht auch etwas für Konservative, jedenfalls 2011 einer der stärksten Kunsteindrücke überhaupt.
         
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Sophie Diesselhorst
 

Martin Gayford: Man With a Blue Scarf: On Sitting for a Portrait by Lucian Freud, Thames & Hudson 2010 (dt. Piet Meyer Verlag 2011). Da geht es auch ums Konservieren.

 

Wie wär's mit einem schönen Spazierstock?

         
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Simone Kaempf
  Federmäppchen  

Ein ideologischer Befreiungsschlag fürs Leben nördlich der Alpen: Erwin Seitz: Die Verfeinerung der Deutschen. Eine andere Kulturgeschichte, Insel Verlag 2011.

         

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Georg Kasch
  Nordmanntanne mit echten Kerzen.   Die lustige Schrotttanne am Berliner Breitscheidplatz, über die sich alle aufregen.
         
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Nikolaus Merck
 

Ich bin kein Papagei. Gert Voss – Eine Theaterreise, aufgezeichnet von Ursula Voss, Styria Verlag 2011.

 

         
apeter
Anne Peter
 

Die Strick-Seiten von DaWanda

 

Eine Nacht mit Vegard Vinge, Ida Müller und John Gabriel Borkman im Volksbühnen-Prater

         
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Dirk Pilz
  Homer: Ilias. Übersetzt von Johann Heinrich Voß. Artemis & Winkler, 2001   Homer: Ilias. Übertragen von Raoul Schrott. Hanser 2008
         
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Christian Rakow
  Wilhelm Raabe: Die Chronik der Sperlingsgasse. Berlin 1857.   Detlev von Liliencron: Der Mäcen. Leipzig 1889.
         
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Esther Slevogt
  Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Hamburg, 1867.  

Alien (Eau de Parfum von Thierry Mugler).