Andreas Beck – Schauspielhaus Wien, Künstlerischer Leiter

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2008, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Meine Lieblingstheaterabende 2008… nun, da wäre vor allem Krzysztof Warlikowskis Inszenierung von Angels in America von Tony Kushner, beide Teile, ein Abend. Sechs, sieben Stunden lang Theater, wie im Traum vergangen, die schöne, fremde Sprache kein Thema mehr, sondern eingetaucht in diese kluge, nachhallende Inszenierung. Und so zeigt sich, dass der engagierte, persönliche Zugriff Warlikowskis aus diesem ehemals viel gespielten Zeitstück einen modernen Klassiker unserer Tage macht – abseits polnischer Wirklichkeit. Nicht mehr akut oder aktuell wirkt Kushners Drama, sondern zeitlos. Für mich eine Wiederentdeckung, und was selten genug einem Film widerfährt, nämlich, plötzlich, als "Klassiker", als "Evergreen" betitelt zu werden, wurde hier zur Beschreibung des Stücks: "Angels in America" ist modern, jenseits des Tagesgeschäfts.

Elisabeth Schweeger – Schauspiel Frankfurt, Intendantin

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2008, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Jeder Abend im Theater ist ein Erlebnis, ob er irritiert, einen traurig oder fröhlich stimmt, zum Nachdenken anregt oder tröstet. Er entführt uns in andere Welten und wir blicken danach mit anderen Augen auf uns und unsere Zeit. Was kann es Schöneres geben als diese so kreative, lebenswichtige und soziale Kompetenz fördernde "Zeitverschwendung".
 
Lesen Sie weiter, was Christian Stückl (Münchner Volkstheater) 2008 besonders beeindruckte.
 

Holk Freytag 
– Staatsschauspiel Dresden, Intendant

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2008, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Im Rahmen des israelischen Theaterkongresses IsraDrama 2008 habe ich eine Inszenierung der jungen israelischen Regisseurin und Autorin Yael Ronen gesehen. Unter dem Titel Nutcase schildert sie die Folgen der angespannten politischen Realität im Nahen Osten auf die psychische Entwicklung junger Menschen. Das Stück, das in wochenlanger Probenarbeit zusammen den Schauspielerinnen und Schaupielern entstanden ist, zeigt unter dem Brennglas genauester Beobachtung den psychischen Zustand eines ganzen Landes. Selten habe ich so eine vollkommene Identifikation der Schauspieler mit ihrer Rolle, mit ihrem Anliegen erlebt.

Sewan Latchinian – Neue Bühne Senftenberg, Intendant

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2008, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Neben vielem "Schönsten" am eigenen Haus, der Neuen Bühne Senftenberg, haben mich besonders drei Inszenierungen außer Haus begeistert.