Was aber ist mit all dem Ungesagten?

von Maja Weber

Osnabrück, 6. Dezember 2008. Theater im Dunkeln – nur hören? Die Idee des experimentellen Theaterensembles Limited Blindness fand am 3. September dieses Jahres in Kiel viel Beachtung: der Kieler Matrosenaufstand von 1918 war mit originalen Tagebucheinträgen, Zeitzeugenberichten und Archivmaterial inszeniert und in völliger Dunkelheit im Kieler Flandernbunker aufgeführt worden.

Wir Jury, Du Künstler

Zürich, 23. November 2008


Liebe Damen und Herren vom Festival "Politik im Freien Theater",
Liebe Jury,
Liebe Bundeszentrale für politische Bildung,

Wir gingen immer davon aus, dass dem Festival oder der Behörde diese unscharfe Formulierung mit "der besten" Produktion unabsichtlich geschehen ist und wie gesagt wollen wir mit unserem Rückzug das Profil des tollen Festivals schärfen helfen und wollten auch niemanden persönlich angreifen oder kränken. Die Polemik war in diesem Falle wirklich nicht unser Anliegen. Die Polemik kommt nun aber von Seiten der Jury, die wir ja gar nicht wirklich eingeschlossen haben in die Kritik und deren fachliche Kompetenz und Unabhängigkeit wir auch nie bestritten haben. Wir haben höchstens ihre Funktion in Frage gestellt, aber nie ihre intellektuelle Potenz.

Flughilfe fürs hässliche Entlein

von Christian Rakow

21. November 2008. "Theater muss wie Fußball sein", hieß es einmal vor Jahren anlässlich eines Kritiker-Turniers an der Schaubühne Berlin. Was das bedeuten kann, macht gerade der Bochumer Kulturdezernent Michael Townsend deutlich. Da beobachtet man in Bochum recht gelassen drei Spielzeiten lang den forschen Auftritt eines Aufsteigers aus der Nachbarstadt: des Grillo-Theaters Essen. Und als das eigene Flagschiff, das auf Champions League abonnierte Bochumer Schauspielhaus, droht, aus den oberen Tabellenrängen abzurutschen, schlägt man zu und kauft sich den Spielmacher des Underdogs ein: den Essener Schauspielintendanten Anselm Weber. Der FC-Bayern-Effekt hat das Bochumer Schauspielhaus erfasst.

"Wir sind nicht Dieter Bohlen!"

Köln, 20. November 2008. Der Regisseur Samuel Schwarz hat in einem offenen Brief das Auscheiden der Produktion "Der Bus" seiner Gruppe 400asa aus dem Wettbewerb des Festivals Politik im Freien Theater erklärt. Als Begründung gibt er an, durch den Rückzug von der PR-steigernden Maßnahme der Preisverleihung darauf hinweisen zu wollen, man solle über die Festivalproduktionen inhalts- statt wettbewerbsorientiert diskutieren. Er möchte auf das mediale Ritual einer Preisverleihung verzichten, samt des Jubels und der Hype. Es wird gegen eine Aufteilung der Festivalteilnehmer in Gewinner und Verlierer argumentiert und auf das abschreckende Vorbild trivialer Casting-Formate im Fernsehen verwiesen.