Liebe Künstler, sagt doch auch mal was!

von Sophie Diesselhorst

Berlin, 17. Juni 2018. Worum kann es überhaupt gehen, wenn die Akademie der Künste (AdK) zu einem öffentlichen Kongress zur Zukunft der Berliner Volksbühne einlädt? Unter dem Titel "Vorsicht Volksbühne" diskutierten am Wochenede Intendant*innen, Professor*innen und Theaterkritiker*innen. Nur die künstlerischen Mitarbeiter*innen der Castorf-Volksbühne hätten alle abgesagt, so Mitkurator Thomas Martin, bis 2017 Hausautor der Volksbühne. Der Schmerz, das Trauma sei noch zu groß.

Vorsicht Volksbühne!

Das Theater, die Stadt und das Publikum. Ein Kongress aus gegebenem Anlass

15. / 16./ 18. Juni 2018. Zwei Tage lang stritt man in der Berliner Akademie der Künste auf einem großen Volksbühnen-Kongress über die Bedeutung, den Mythos und die Zukunft des heiß umkämpften Hauses. Wie kann es dort weitergehen nach Chris Dercon? Hier kann man die Aufzeichnung der Beiträge und Diskussionen ansehen, Medienberichte über die Veranstaltung finden – und natürlich in der Kommentarspalte diskutieren.

Im hierarchiefreien Raum

Haiko Pfost im Interview mit Christian Rakow

Berlin, 11. Juni 2018. In zwei Tagen startet die 21. Auflage des Theaterfestivals "Impulse" in Nordrhein-Westfalen. Unter neuer Leitung von Haiko Pfost, der in seiner Laufbahn als Dramaturg und Kurator unter anderem Co-Leiter des internationalen Koproduktionshauses brut Wien war.

Ein populistischer Hühnerhaufen

von Falk Schreiber

8. Juni 2018. Manchmal ist es gut, Gras über eine Sache wachsen zu lassen. Als im Januar 2015 Michel Houellebecqs Roman "Unterwerfung" erschien, konnte man diese Vision eines vom politischen Islam beherrschten Frankreichs als islamophobe Dystopie lesen, als feuchten (Alp-)Traum eines Rechtskonservativen, in dem der Konflikt zwischen französischem Laizismus und orientalischer Religiosität als Kampf auf Leben und Tod geschildert wurde. Und dass einen Tag nach Erscheinen des Buches in Frankreich Islamisten einen Anschlag auf die Pariser Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo verübten, ließ den Autor noch ein Stück weit hellsichtiger erscheinen. Als ein Jahr später Karin Beier den Stoff am Hamburger Schauspielhaus uraufführte, war diese kulturfatalistische Deutung schon wieder überholt: Beier zeigte Houellebecqs Roman vor allem als aasige Satire auf das Duckmäusertum großstädtischer Intellektueller, mit einem beeindruckenden Edgar Selge in der Hauptrolle, der sich mit Lust an der Selbstentblößung in das Stück warf.