Gender Gaps

von Anne Peter

23. August 2018. Seit zwei Jahren kann man es wissen: Es herrscht eine krasse Schieflage im Theaterbetrieb, wenn es um die Repräsentanz von Frauen und Männern geht: In Leitungspositonen und im Regie-Fach gibt es sehr viel weniger Frauen als Männer, unter den aufgeführten Schauspielautor*innen sind sie in der Minderzahl, ebenso wie zumeist in den Ensembles. Dazu verdienen sie oft wesentlich schlechter als ihre männlichen Kollegen. Das hat die im Sommer 2016 erschienene Studie "Frauen in Kultur und Medien" vor Augen geführt, die Kulturstaatsministerin Monika Grütters beim Deutschen Kulturrat in Auftrag gegeben hatte und die den Zeitraum von 1994/95 bis 2014/15 untersucht. In der Theateröffentlichkeit wurde sie allerdings erst so richtig diskutiert, als im Oktober 2017 der Verein "Pro Quote Bühne" an die Öffentlichkeit ging und 50 Prozent Frauen in allen künstlerischen Ressorts forderte – wenige Tage nach den ersten Harvey-Weinstein-Enthüllungen, in deren Folge die #MeToo-Bewegung ins Rollen kam.

Große Schuhe

von Valeria Heintges

Basel, 21. August 2018. Benedikt von Peter also. Der, der die Luzerner mit seinem "Raumtheater" begeistert, ihnen die Holz-Box als Kleine Bühne vor das ehrwürdige Theater gesetzt und es in jeder Hinsicht geöffnet hat, der den "Jedermann" auf den Jesuitenplatz platzierte, die Jesuitenkirche gleich mit bespielte, den Biedermann mit seinen Brandstiftern den Zuschauern ins Wohnzimmer schickt und Herbert Fritsch für Ligetis Oper "Le grand Macabre" zurück ins Luzerner Theater holte (wo er schon 2005 als Regisseur arbeitete). Der Benedikt von Peter, der sich mit der Freien Szene zu verbinden weiss, etwa die Off-Bühne Südpol integriert und mit dem Musikfestival B-Sides zusammenarbeitet. Der "sehr beliebte" von Peter, dessen Sozialkompetenz überall gelobt wird. Und der Benedikt von Peter, der keine Scheu hat, das Luxus-Uhrengeschäft Bucherer als Hauptsponsor an Bord zu holen (mit, so munkelt man, einer halbe Million Franken im Gepäck).

Trendwende oder Eintagsfliege?

von Harald Raab

Mannheim, 2. August 2018. Deutschlands reichhaltige Theaterlandschaft ist als Weltkulturerbe angemeldet. Doch ohne zahlungs- und leidensbereite Städte und ein paar Landkreise gebe es wohl keine Chance für die Bühnen, von der UNESCO überhaupt in die Weltkulturerbe-Liste aufgenommen zu werden. Die Kommunen sind es auch, die die finanzielle und logistische Hauptlast tragen. Und zwar auf beiden Verantwortungsfeldern: dem Stemmen der jährlichen Betriebskosten und der immer dringlicher werdenden Frage: Wer bringt die Millionenbeträge auf, die laufende und dringend anstehende Sanierungsmaßnahmen für die oft maroden Häuser erforderlich machen? Wenn nicht gar ein Neubau unumgänglich wird. Hier geht es bei weitem nicht nur um historische, in der Regel weit über 100 Jahre alte Gebäude. Auch unter den nach dem Zweiten Weltkrieg erbauten Theatern gibt es inzwischen viele Sanierungsfälle.

Blackfacing revisited

von Andrea Geier

1. August 2018. Sollte das Theater auf Blackfacing verzichten? Macht man sich bewusst, dass es sich um eine Darstellungspraxis mit einer langen rassistischen Tradition handelt, lässt sich diese Frage klar beantworten: Ja. Aber ist das die einzig mögliche und sinnvolle Form des Umgangs mit diesem Problem? Wäre es nicht ebenso eine Aufgabe des Theaters, die eigenen ästhetischen Produktionsmechanismen von Schwarz-Weiß-Symboliken kritisch zu reflektieren? Sollte das Theater versuchen, Blackfacing rassismuskritisch zu bearbeiten?