Gekommen um zu bleiben

von Anna Volkland

Berlin, 20. Oktober 2019. Sie ist eine Erfolgsgeschichte: die Geschichte des 2015 an einem Küchentisch in Oldenburg gegründeten ensemble-netzwerks, inzwischen ein gemeinnütziger Verein mit (Stand Freitagabend) 654 offiziellen Mitgliedern. Diejenigen, die das Netzwerk als Teil und Motor einer Theaterreform-Bewegung aufgebaut haben, haben von Anfang an verstanden, dass langfristige Veränderungsprozesse mit einem grundlegenden Bewusstseinswandel beginnen. Ungerechte Verhältnisse werden immer auch ein Stück weit von denen mitgetragen, die unter ihnen zu leiden haben. Wenn Schauspieler*innen, Regisseur*innen, Dramaturg*innen, Assistent*innen über lange Zeit hinweg verinnerlicht haben, dass echte künstlerische Theaterarbeit eine besondere Opferbereitschaft erfordere und "Schmerz zur Selbstverwirklichung" gehöre (wie Ulrich Khuon 2004 in einem Theater Heute-Interview zu den harten Arbeitsbedingungen von Schauspieler*innen sagte), muss ihnen allen zuerst begreifbar gemacht werden, worum es sich hier handelt: um systemstabilisierende Theaterfolklore. Dieses System funktioniert aber längst nicht mehr gut, der Innendruck ist zu hoch, und der Erfolg der Aufklärungsarbeit hängt auch damit zusammen.

ghost matters

22. Oktober 2019. Seine Poetikvorlesung "ghost matters" hielt Thomas Köck am 18. Oktober 2019 an der Theaterakademie der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. nachtkritik.de bringt sie hier in Erstveröffentlichung inklusive Endnoten und dokumentiert den Auftritt im Podcast und im kurzen Videoausschnitt. Die Poetikvorlesung ist eine Veranstaltung der Hamburger Theaterakademie / Hochschule für Musik und Theater. Sie fand in diesem Jahr zum vierten Mal statt. In den beiden vergangenen Jahren wurden die Hamburger Poetikvorlesungen von Wolfram Lotz und Ferdinand Schmalz gehalten.

"Wie auf der Titanic"

22. Oktober 2019. Das Thema "Klimakrise", in den Wissenschaften seit Jahrzehnten Forschungsgegenstand, wurde im Theater wie in der Politik lange Zeit vergleichsweise randständig behandelt. Angestoßen durch die #FridaysforFuture-Bewegung kommt dem Gegenstand nunmehr vertärkt Aufmerksamkeit zu. Zu den dramaturgischen Fragestellungen an die Erzählbarkeit der Klimakrise richtet die Heinrich Böll Stiftung in Kooperation mit nachtkritik.de und weiteren Partnern am 30. Oktober 2019 die Veranstaltung "Klima trifft Theater – Zur theatralen Erzählbarkeit der Klimakrise" aus. Beteiligt sind das Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) Potsdam, der Theaterdiscounter und die Dramaturgische Gesellschaft.

Schauspiele jenseits des Menschen

von Tobias Rausch

16. Oktober 2019. Die Klimakrise bedroht unmittelbar unser aller Zukunft. Wenn das Theater den Anspruch hat, die zentralen Menschheitsfragen zu spiegeln, dann sollte man meinen, dass die Klimakrise geradezu auf die Bühne drängen müsste. Doch ist das Theater überhaupt das geeignete Medium dafür? Ist der Klimawandel nicht ein viel zu abstrakter, nur über statistische Häufungen und naturwissenschaftliche Vermittlungen zu beschreibender Gegenstand, um ihn szenisch anschaulich zu erzählen? Wie kann man Naturphänomene wie zum Beispiel das Artensterben oder Fluten, Dürren und Stürme zum bühnentauglichen Stoff machen?