Verzehr unbedenklich

Berlin, 24. Juli 2018. Blut ist ein besonderer Saft. Das gilt nicht zuletzt für Kunstblut, das auf den Bühnen reichlich fließt, aus künstlichen Wunden tropft, von falschen Messern, aus Mündern. Anlass, bei Dominik Langer nachzufragen, einem der drei Geschäftsführer der Berliner Make-Up-Manufaktur Kryolan:

Wie schmeckt Kunstblut?

Die Poesie der Schwerelosigkeit

von Thomas Rothschild

Ludwigsburg, 18. Juli 2018. Der Magier zeigt seine leeren Handflächen. Gleich darauf hält er grüne Karten oder Kugeln hoch, lässt sie verschwinden, bringt sie erneut zum Vorschein. Wir wissen, dass er nicht zaubern kann, dass er lediglich die uralte Kunst des Palmierens beherrscht, die Technik, Gegenstände hinter der Hand zu verbergen. Aber wir lassen uns gerne täuschen, wir erfreuen uns an der Illusion. Das Vergnügen an der Erkenntnis, dass etwas nicht ist, was es zu sein scheint, als radikaler Gegenentwurf zum "Genau-wie-Onkel-Otto-Theater" (Heiner Müller) – es gehört seit je zur Bühnenkunst, zum Kino und eben auch zum Circus.

Der Landneurotiker

von Rainer Nolden

14. Juli 2018. Herbstsonate am Schauspiel Stuttgart, Das Schlangenei am Residenztheater München, Szenen einer Ehe in Stuttgart und am Theater Lübeck, Fanny und Alexander in Leipzig, Aus dem Leben der Marionetten am Wiener Theater in der Josefstadt, "Nach der Probe" am Schauspiel Hannover … Elf Jahre nach Ingmar Bergmans Tod sind seine Stücke immer noch fester Bestandteil vieler Spielpläne nicht nur an deutschsprachigen Theatern. Dabei sind es nicht einmal originäre Theaterstücke, sondern Adaptionen von Filmdrehbüchern, denen namhafte Regisseure und Regisseurinnen – etwa Jan Bosse, Amelie Niermeyer, Luk Perceval – immer wieder ihren Stempel aufdrücken.

"Es ging um meine Glaubwürdigkeit"

Interview: Sarah Heppekausen

11. Juli 2018. Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp steht heftig in der Kritik. Der Dramaturgin und Festivalmacherin wird eine fehlende Haltung gegenüber der israelfeindlichen Bewegung BDS ("Boycott, Divestment, Sanctions") vorgeworfen. Anlass ist die Wiedereinladung der BDS-unterstützenden Pop-Band Young Fathers, nachdem Carp deren für den 18. August geplantes Konzert zunächst abgesagt hatte. Auch von Seiten der nordrhein-westfälischen Landespolitik gibt es Gegenwind. Am vergangenen Montag traf man sich zu einem "konstruktiven Gespräch" mit NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen. Carp veröffentlichte im Anschluss einen Brief an die Mitglieder des Kulturausschusses, in dem sie sich zum Existenzrecht Israels bekennt. Im August beginnt Carps erste Ruhrtriennale-Saison – ein Neustart, der nun schwer belastet ist. Sarah Heppekausen sprach mit Stefanie Carp über den Verlauf des Falls, über Meinungsänderungen und das Eintreten für Grundrechte.