Das Risiko eines anderen Zugangs

Interview: Esther Boldt

6. Juni 2018. Vögel zwitschern durch das offene Fenster, ein kurzer Schauer hat Frische gebracht. Xavier Le Roy scheint bereits angekommen zu sein in seinem Büro im Gießener Institut für Angewandte Theaterwissenschaft – das derzeit in einer alten Villa im Stadtzentrum residiert, während die Waschbetonbauten auf dem Campus saniert werden. Anfang Mai hat der französische Künstler und Choreograph hier als Nachfolger von Heiner Goebbels die Professur "mit Schwerpunkt für Praxis performative Künste" angetreten; bekannt wurde Le Roy Mitte der 1990er Jahre mit Performances, die den Körper und sein Bild fragmentierten und Wahrnehmungsgewohnheiten aufs Spiel setzten.

Service / No Service

1. Juni 2018. Mit einem Paukenschlag endete das diesjährige Berliner Theatertreffen: Fabian Hinrichs, Schauspieler und Alleinjuror des Alfred-Kerr-Darstellerpreises, rechnete in seiner Laudatio mit dem Regietheater ab. Zu viel "Servicepersonal" habe er in den Inszenierungen des Theatertreffens gesehen, kaum eigenständige Schauspiel-Künstler. Ist diese Spezies in ihrem Fortbestand bedroht? Um Hinrichs' Rede geht es in der Mai-Ausgabe von Der Theaterpodcast. Und es geht ein weiteres Mal um Machmissbrauch im Theaterbetrieb: In Köln wurden Mobbing-Vorwürfe laut, in Cottbus hat das Musiktheater-Ensemble mit seinem Protest die Absetzung der Leitungsebene erreicht.

Die Rückkehr der Haie

von Jean Peters

30. Mai 2018. Kennt ihr den Moment, in dem ein Kind voller Elan losrennt, hinfällt, und schreit was das Zeug hält? Zehn Minuten später geht es weiter, hüpft, spielt, es gibt was Neues zu entdecken. Das ist eine der entscheidenden Qualitäten, die Kinder brauchen, um spielen zu können, um sich in Träume zu verwickeln und die Realität zu überprüfen. Erwachsene schreien ganz anders. Würden wir Erwachsene sehen, die plötzlich so schreien wie ein kleines Kind, würden wir uns wundern, ob die Welt nun jeden Moment untergeht. Und doch wundere ich mich gerade, wo unsere Welt, wie wir sie kennen, unterzugehen scheint, warum so wenig geschrien wird, warum wir dieses direkte Zur-Wehr-Setzen gegen den Schmerz des Aufpralls nicht doch in die Erwachsenenwelt übertragen können.

Missionare im Niemandsraum

von Esther Slevogt

Berlin, 23. Mai 2018. Soll man jetzt, im Monat zwei nach dem Abgang von Chris Dercon als Intendant der Berliner Volksbühne überhaupt noch einmal davon anfangen – von der digitalen Spielstätte der Volksbühne 17/18?