Den Umbruch fühlen

Antje Boetius im Interview mit Elena Philipp und Christian Rakow

29. November 2019. Mit der ökologischen Jugendbewegung Fridays for Future ist die Klimaforschung so breitenwirksam geworden wie selten zuvor ein wissenschaftliches Forschungsfeld. "Hört nicht auf mich, hört auf die Wissenschaften", ruft Greta Thunberg, die Gallionsfigur des globalen Klima-Aktivismus, der Politik zu.

Die klägliche Klage der Ohnmacht

von Nikolaus Merck

28. November 2019. In den Städten errichten sie jetzt die Weihnachtsbäume. Dreimannshoch ragt der in Rudolstadt auf, noch höher der Tannenstolz in Bautzen, überwipfeln sie den Jahresendtaumel zwischen Konsumlust und Gottesfurcht. Von Rebellion keine Spur. Anders als am selben Wochenende in Paris, wo die Ladenbesitzer*innen aus Furcht vor den Gelbwesten ihre Geschäfte lieber geschlossen halten. Bei uns dagegen geht's friedlich dahin, werden die auf Umsturz schielenden Völkischen 25 Prozent stark in die Parlamente gewählt und die Demokratie demokratisch abgeschafft.

Ein Exportschlager

von Simone Kaempf

Berlin, 25. November 2019. Was wäre, wenn Hans-Thies Lehmann seine theaterwissenschaftliche Kampf- und Wissenschrift gar nicht "Postdramatisches Theater" genannt hätte, sondern zum Beispiel "Tendenzen eines neuen Theaters"? Der Erfolg wäre nicht derselbe, das ist heute mehr als klar. Dabei stammte die Bezeichnung gar nicht von ihm. Andrzej Wirth hatte den Begriff zuvor bereits benutzt, das Wort zirkulierte Ende der Neunzigerjahre auch schon unter den Studierenden in Gießen, allerdings noch mit Irritationspotential, vielen blieb damals unklar, was eigentlich gemeint ist.

Das Mutlabor

von Christian Muggenthaler

27. November 2019. Es ist sieben Jahre her, da führte die Regisseurin Kathrin Mädler das Publikum des Theaters Ingolstadt in den Untergrund. In den Kasematten alter Befestigungsanlagen arrangierte sie unter dem Titel Das Monster weint in unheimlicher, stockdunkler Umgebung ein beängstigendes Crossover zweier Texte: "Frankenstein" von Mary Shelley und die "autobiografischen Aufzeichnungen" des KZ-Lagerkommandanten Rudolf Höß. Es ging um jenes Experiment, in dem ein Gelehrter aus totem Material eine lebende Kreatur erschafft – ein zwar grusliges, aber rein literarisches Produkt. Und es ging um jenen schrecklichen Versuch, ganze Volksgruppen durch Massenmord aus dem Menschenkreis zu entfernen – ein Projekt, in dem aus Ideologie widerliche Wirklichkeit wurde.