Wiederkehr der Schrumpfszenarien

von Michael Bartsch

Mai 2021. In Zittau möchte wohl mancher Theaterfreund die berühmte Blumenuhr anhalten angesichts des Stündleins, das ihre Porzellanglocken dem Gerhart-Hauptmann-Theater schlagen sollen. An der Neiße, weniger auch im Nachbarkreis Bautzen, herrscht derzeit Alarmstimmung ob eines neuerlichen Theatergutachtens, dessen Umsetzung einen massiven Eingriff in die ohnehin auf ein Minimum geschrumpften Theaterstrukturen bedeuten würde.

Beschwörungen im digitalen Exil

von Christian Rakow

Berlin, 13. Mai 2021 | online. Im Garten bei der Burger-Bude ist es noch ein wenig leer. Dort, wo im üblichen Festival-Mai die Theaterfans und Theaterfachmenschen sich mit überteuerten Getränken verköstigen und die Auswahl der "zehn bemerkenswertesten" Inszenierungen der Saison diskutieren, streunen Minuten vor Aufführungsbeginn gerade zehn verlassene Hanseln herum. Avatar-Hanseln. Denn dieser Garten ist eine 3D-Anmitation, gebaut mit Mozilla Hubs, sieht ein bisschen aus wie Computer-Rollenspielwelten Anfang der 2000er (Gothic & Co.).

Verantwortung verteilen, Überforderung vermeiden

12. Mai 2021. Vorwürfe von Rassismus, Sexismus, Diskriminierung an Staatsballett, Volksbühne, Gorki – in Berlin wird die Machtmissbrauchsdebatte am Theater derzeit gleich an mehreren Fällen geführt, die Fragen auch an die Kulturpolitik aufwerfen. Sophie Diesselhorst und Elena Philipp haben mit Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) gesprochen.

Anstand in schweren Zeiten

von Lutz Hübner

Mai 2020. Der Preis der Deutschen Theaterverlage wird im Normalfall an Theater verliehen, die sich durch interessante Konzepte, mutige Spielplanentscheidungen und engagierte Zusammenarbeit mit Autor*innen und Komponist*innen hervorgetan haben. Was den 'Normalfall' zu einer nostalgischen Erinnerung gemacht hat, ist bekannt und damit auch, was aus all den Konzepten und Plänen der Theater und Opernhäuser geworden ist. Um Brecht zu zitieren: Ja mach nur einen Plan, sei nur ein großes Licht und mach dann noch nen zweiten Plan, gehn tun sie beide nicht ... und das hat, was die Kulturszene betrifft, nicht nur mit einem Virus zu tun, sondern auch damit, welchen Stellenwert die Politik der Kultur zumisst, da gehen die Solidaritätsadressen über ein wehmütiges Bedauern oft nicht hinaus, ansonsten sind Kulturverbote ein probates Mittel, Entschlossenheit zu simulieren, wenn man sich nicht traut, den Big Playern der Industrie Vorschriften zu machen.