Ins Wespennest gepiekst

von Shirin Sojitrawalla

Wiesbaden, 31. August 2018. Es ist Wiesbaden Biennale, und alle schauen hin. Eigentlich undenkbar, in dieser als langweilig geltenden Stadt. Die Biennale ist hervorgegangen aus dem Festival "Neue Stücke aus Europa", mit seinem Amtsantritt hat der Intendant des Hessischen Staatstheaters Uwe Eric Laufenberg sie in die jungen Hände von Maria Magdalena Ludewig und Martin Hammer gelegt.

Schluss mit der dienenden Rolle

von Anna Opel

Berlin, 30. August 2018. Die Königin hat keinen Bock aufs Regieren. Dagmar Manzel nölt wie ein Teenager auf Handyentzug und berlinert, was das Zeug hält. Im Libretto zu den "Perlen der Cleopatra" aus dem Jahr 1923 von Julius Brammer und Alfred Grünwald steht die Genderwelt Kopf. Die Verehrer Silvius und Beladonis geben aufgeblasene Witzfiguren ab, nur Cleopatra und ihre Hofdame Charmian bieten sich qua komplexer Persönlichkeit zur Identifikation an. Und die Cleopatra ist eine Paraderolle für Manzel: komisch, pointensatt, alle Farben zwischen Verzweiflung und Lust. Die Schauspielerin ist der schlagende Beweis gegen das alte Vorurteil, Frauen hätten kein Talent zur Komik.

Gender Gaps

von Anne Peter

23. August 2018. Seit zwei Jahren kann man es wissen: Es herrscht eine krasse Schieflage im Theaterbetrieb, wenn es um die Repräsentanz von Frauen und Männern geht: In Leitungspositonen und im Regie-Fach gibt es sehr viel weniger Frauen als Männer, unter den aufgeführten Schauspielautor*innen sind sie in der Minderzahl, ebenso wie zumeist in den Ensembles. Dazu verdienen sie oft wesentlich schlechter als ihre männlichen Kollegen. Das hat die im Sommer 2016 erschienene Studie "Frauen in Kultur und Medien" vor Augen geführt, die Kulturstaatsministerin Monika Grütters beim Deutschen Kulturrat in Auftrag gegeben hatte und die den Zeitraum von 1994/95 bis 2014/15 untersucht. In der Theateröffentlichkeit wurde sie allerdings erst so richtig diskutiert, als im Oktober 2017 der Verein "Pro Quote Bühne" an die Öffentlichkeit ging und 50 Prozent Frauen in allen künstlerischen Ressorts forderte – wenige Tage nach den ersten Harvey-Weinstein-Enthüllungen, in deren Folge die #MeToo-Bewegung ins Rollen kam.

Große Schuhe

von Valeria Heintges

Basel, 21. August 2018. Benedikt von Peter also. Der, der die Luzerner mit seinem "Raumtheater" begeistert, ihnen die Holz-Box als Kleine Bühne vor das ehrwürdige Theater gesetzt und es in jeder Hinsicht geöffnet hat, der den "Jedermann" auf den Jesuitenplatz platzierte, die Jesuitenkirche gleich mit bespielte, den Biedermann mit seinen Brandstiftern den Zuschauern ins Wohnzimmer schickt und Herbert Fritsch für Ligetis Oper "Le grand Macabre" zurück ins Luzerner Theater holte (wo er schon 2005 als Regisseur arbeitete). Der Benedikt von Peter, der sich mit der Freien Szene zu verbinden weiss, etwa die Off-Bühne Südpol integriert und mit dem Musikfestival B-Sides zusammenarbeitet. Der "sehr beliebte" von Peter, dessen Sozialkompetenz überall gelobt wird. Und der Benedikt von Peter, der keine Scheu hat, das Luxus-Uhrengeschäft Bucherer als Hauptsponsor an Bord zu holen (mit, so munkelt man, einer halbe Million Franken im Gepäck).