Überwältigende Übergänge

9. November 2018. Ist das "postmigrantische Theater" eine Erfolgsgeschichte? Und wie erlebten jüdische Bühnenkünstler*innen Deutschland nach ihrer Rückkehr aus dem Exil? Im Theaterpodcast #9 schauen Susanne Burkhardt und Elena Philipp auf einschneidende Übergänge und erinnern an den verstorbenen Theaterkritiker und Mitgründer von nachtkritik.de, Dirk Pilz.

 

8. November 2018. Der hier veröffentlichte Text ist ein Auszug aus dem Theaterstück "S", das der Berliner Autor Daniel Tharau verfasste, auf Basis der in Bild und Ton dokumentierten Auftritte von Expert*innen beim Kongress "Vorsicht Volksbühne" in der Berliner Akademie der Künste am 15. und 16. Juni 2018. Verhandelt wurde bei dem Kongress die "Zukunft der Volksbühne" nach dem Scheitern der Intendanz von Chris Dercon. Teilnehmer*innen waren u.a. Klaus Völker, Evelyn Annuß und Thomas Oberender, die in dem Stück unter Akronymen und fiktionalisiert aufteten.
Das vollständige Bühnenstück finden Sie hier als pdf.

von sprachpuppen und fadenspielen. figuren und texturen im drama

von Ferdinand Schmalz

5. November 2018.

das verschnüren der textpakete

erst mal der raum. der dunkle theaterraum. der fensterlose raum. hier fällt nichts zufällig herein. kein licht und auch kein wort und auch kein publikum fällt hier in diesen raum zu-fällig rein. hier kommt nur rein, was man von draußen reingeworfen hat. wie in das neue rathaus, dass sie, die schildbürger, sich bauen haben lassen, dass sie sich dummerweise ohne fenster bauen haben lassen. muss alles hier hereingetragen werden. selbst das licht. hier drinnen ist es seltsam wetterlos. wer hier herinnen aufgewachsen wär, der wüsste nichts von wind und regen und von sonnenschein. und hat man manchmal das gefühl als autor fürs theater, dass man mit diesen schildbürgern verwandt, die kübelweis das sonnenlicht von draußen in ihr dunkles rathaus tragen. stehen da am hauptplatz draußen, da im grellsten sonnenschein, versuchen es mit schaufeln und mit heugabeln da in die kübel, kisten, säcke einzupacken, dieses licht. und könnte man natürlich sagen jetzt, dass das verrückt. das sonnenlicht reintragen, wie soll das gehen? das hat doch niemals da in diesem kübel platz, das sonnenlicht, in diesem kübel, den wir sprache nennen, wie soll das gehen. und packst es ein das sonnenlicht und drinnen im theater kommt nur schatten raus. packst so viel licht hinein in deinen text und kommt nur dunkelheit heraus. und doch ist diese hoffnung, dass wenn es gut genug verpackt, das sonnenlicht, dass dann da im theater drin, da beim entpacken des gut verschnürten textes, dass da ein zweites leuchten dann entsteht, und doch ist diese hoffnung unentbehrlich für das schreiben, das dramatische. denn aus den schnüren, den feinsten fäden eines texts, wird sie geknüpft sein diese soziale plastik, die das eigentliche theatrale werk dann ist. natürlich versteht sich von selbst, dass eine aufführung aus den unterschiedlichsten komponenten besteht, die da in das theater reingetragen werden, nur hält die sprache, dieses geflecht aus feinsten fäden, dieses pilzmyzel, hält all die teile erst zusammen.

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Es schmerzt

von Nikolaus Merck, Christian Rakow und Esther Slevogt

Berlin, 2. November 2018. Er war der jüngste der nachtkritik.de-Gründer*innen und nun ist er in der vergangenen Nacht gestorben. Dirk Pilz 1972–2018 steht in unserer Meldung von heute früh. Wie nüchtern, man klammert sich an Zahlen, an Objektivitäten, aber die Trauer kennt keinen Halt. Wir hatten gehofft, er würde seine Krankheit besiegen. Mit dem ihm eigenen Trotz, der ihn ergreifen konnte, wenn er die geringsten Anflüge von Übergriffigkeit oder Fremdbestimmtheit witterte.