Ein Exportschlager

von Simone Kaempf

Berlin, 25. November 2019. Was wäre, wenn Hans-Thies Lehmann seine theaterwissenschaftliche Kampf- und Wissenschrift gar nicht "Postdramatisches Theater" genannt hätte, sondern zum Beispiel "Tendenzen eines neuen Theaters"? Der Erfolg wäre nicht derselbe, das ist heute mehr als klar. Dabei stammte die Bezeichnung gar nicht von ihm. Andrzej Wirth hatte den Begriff zuvor bereits benutzt, das Wort zirkulierte Ende der Neunzigerjahre auch schon unter den Studierenden in Gießen, allerdings noch mit Irritationspotential, vielen blieb damals unklar, was eigentlich gemeint ist.

Das Mutlabor

von Christian Muggenthaler

27. November 2019. Es ist sieben Jahre her, da führte die Regisseurin Kathrin Mädler das Publikum des Theaters Ingolstadt in den Untergrund. In den Kasematten alter Befestigungsanlagen arrangierte sie unter dem Titel Das Monster weint in unheimlicher, stockdunkler Umgebung ein beängstigendes Crossover zweier Texte: "Frankenstein" von Mary Shelley und die "autobiografischen Aufzeichnungen" des KZ-Lagerkommandanten Rudolf Höß. Es ging um jenes Experiment, in dem ein Gelehrter aus totem Material eine lebende Kreatur erschafft – ein zwar grusliges, aber rein literarisches Produkt. Und es ging um jenen schrecklichen Versuch, ganze Volksgruppen durch Massenmord aus dem Menschenkreis zu entfernen – ein Projekt, in dem aus Ideologie widerliche Wirklichkeit wurde.

Alternative Unternehmensführung

von Sebastian Linz

20. November 2019. Während auf den Bühnen die Diskurse und Krisen der Gegenwart verhandelt und darstellbar gemacht werden, regieren dahinter: Prekarisierung, Ungerechtigkeit, Machtmissbrauch, Diskriminierung, Rassismus, Sexismus, Intransparenz, Nicht-Nachhaltigkeit. – Nun gut, dieser Gegensatz mag stark überzeichnet sein. Aber die mitunter große Diskrepanz zwischen künstlerischem und institutionellem Handeln der Theater (und allen anderen Kultureinrichtungen) ist mittlerweile zu Bewusstsein gelangt.

Versteinerte Strukturen?

14. November 2019. Aufrüttelnd sind die Ergebnisse von Thomas Schmidts Studie "Macht und Struktur im Theater": Mehr als die Hälfte der Künstler*innen an deutschsprachigen Theatern hat in ihrem Berufsleben schon verbale Übergriffe oder psychische Bedrohungen erlebt. Überstunden und geringe Bezahlung bei unsicherer Beschäftigung sind vielerorts ihr Alltag. Konflikte zwischen Theaterleitern und ihrer Belegschaft, Diskriminierung und übergriffige Arbeitsweisen sind also nicht nur Einzelfälle, sondern Systemfehler? Dieser Frage widmen sich Susanne Burkhardt und Elena Philipp mit ihren Gesprächspartner*innen in Folge 19 des Theaterpodcast.