Aber anders

von Dirk Pilz

12. September 2017. "Außer sich", ein Roman. Das erste Kapitel dieser langen Erzählung heißt "Nach Hause", der erste Satz lautet: "Ich weiß nicht, wohin es geht, alle anderen wissen es, ich nicht." Ich, das ist hier auch das Buch selbst: Andere Romane mögen wissen, wohin sie das Erzählen führt, dieser hier weiß es nicht, gottlob. Er verirrt sich in Einzelgeschichten, verliert die Figuren vorsätzlich aus dem Blick, stolpert über seine eigenen Sätze, stammelt, schreit mitunter. Ich weiß nicht, wohin es geht: Das Buch ist schon außer sich, wenn es beginnt.

Lautes Vorlesen in Gruppensituationen

von Thomas Rothschild

7. September 2017. Die Aufführungsanalyse ist, möchte man meinen, Domäne des Theaterkritikers. Neben der Stückanalyse – zumal bei Uraufführungen oder bei vergessenen und wiederentdeckten Werken – und der Bewertung macht sie den Kern einer Theaterkritik aus. Über die wünschenswerte Gewichtung dieser drei Bestandteile sind Kritiker und Redakteure unterschiedlicher Auffassung, wie der regelmäßige Leser von nachtkritik.de ohne große Mühe beobachten kann.

Grenzerfahrungen im Land der Mitte

von Friederike Felbeck

10. August 2017. Dieses Buch lohnt es sich von hinten aufzurollen. Am Ende werden beispielhaft transkulturelle Begegnungen zwischen China und Europa vorgestellt. Das mag der zugleich am weitesten fortgeschrittene, aber auch heikelste Moment eines kulturellen Schulterschlusses sein – reich an Chancen und voller unvorhersehbarer Herausforderungen. In packenden, da aus sehr unterschiedlichen Perspektiven entstandenen Beiträgen werden Recherchereisen, Gastinszenierungen in China wie in Deutschland, Koproduktionen – zum Beispiel zwischen den Münchener Kammerspielen und dem unabhängigen Paper Tiger Studio Beijing – vorgestellt oder, aus der Sicht der Dramatikerin Ulrike Syha, wie eine langjährige Beschäftigung mit China in die eigene künstlerische Arbeit einfließt.

Die Sehnsucht nach dem Tag, an dem das Birchermüsli fehlt

von Michael Wolf

17. Juli 2017. "Du musst dein Leben ändern", flüstert eine Stimme im Hinterkopf. Wir kennen sie von Silvester, runden Geburtstagen, persönlichen Krisen. Rilke setzte sie ans Ende eines Sonetts, Peter Sloterdijk widmete ihr ein vieldiskutiertes Buch. Erstmals hören viele sie an der Schwelle zum Erwachsenenleben: als panische Einsicht, dass die Möglichkeiten des eigenen Lebens weniger werden. An diesem Punkt steht "S." in "Sieben Nächte". Der Autor Simon Strauß, Sohn von Botho Strauß und Theaterredakteur der FAZ, ist wohl nicht ganz zufällig im selben Alter wie sein Erzähler.

Was man braucht

von Thomas Rothschild

24. Mai 2017. Dass bedeutende und prominente Schauspieler auch intelligent sind, kann nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Und dass ein Buch über das Leben einer solchen nicht nur eine spannende Lektüre, sondern durch seine Gestaltung – im Satzspiegel, in der Qualität der Illustrationen – auch ein sinnliches Vergnügen ist, noch weniger. Beides trifft aber auf die Erinnerungen von Hannelore Hoger zu.

Der Kleinschreiber

von Eva Biringer

7. Mai 2017. Im Prinzip steckt das ganze Drama in einer Geste: "Zwei Frischlinge der Schauspielschule tauchten in der sich vor dem Tresen stauenden Menge auf und machten mit Zeige- und Mittelfinger wie auf einen choreografischen Cue hin in meine Richtung ein V. Eventuell hatte dies unter den Jungen eine neue Bedeutung."

Das Internet ist schuld!

von Eva Biringer

21. März 2017. Aufgabe 1a: Erörtern Sie am Beispiel einer fiktiven Schulklasse, wie sich die Digitalisierung auf unsere Gesellschaft auswirkt. Nehmen Sie dabei sowohl männliche als auch weibliche Perspektiven ein. Überlegen Sie, welche Träume, Hoffnungen und Ängste die Jugendlichen beschäftigen, unter Berücksichtigung derer subjektiven Wahrnehmung und familiärer Hintergründe. Ziehen Sie am Ende ein Fazit: Welche Chancen bietet das Internet? Welche Gefahren?

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