Muss Theater sein?

von Tobias Prüwer

18. September 2013. Ein Aufsatzband über die freien darstellenden Künste in Deutschland? Die Autorinnen und Autoren – nicht alle entstammen der Off-Szene – kommen dabei naturgemäß nicht ohne Kritik der Förderstrukturen, der Maßnahmen und Anmaßungen der Kulturpolitik aus. Aber der Widerstreit zwischen Stadt- und freiem Theater hier steht nicht im Mittelpunkt. Vielmehr durchzieht die Beiträge als Erkenntnisinteresse die Frage nach der heutigen Stellung von Theater überhaupt, seinem Vermögen in theaterfernen Zeiten sowie das Verhältnis von Theater und städtischer Gesellschaft und deren Repräsentationsbedürfnis.

Das Theater! Und die Liebe!

von Katrin Ullmann

17. September 2013. "Auch wenn man mit seinen Einfällen nicht einverstanden war, darüber schreiben musste man" – Augustus Baum, ein bedeutender, "mit Prominenz gepanzerter" Theaterregisseur, befindet sich nach einem Schlaganfall im Krankenhaus. Herausgerissen aus den Proben zu Tschechows "Möwe" versucht er zunächst vom Krankenbett aus weiterzuarbeiten. Als seine Assistentin Lydia scheitert, die Schauspieler sich Beleidigungen und Feuerzeuge an Kopf und Hals werfen, inszeniert er das ihn umgebende Personal zu einer Geschichte. Es ist eine Geschichte über die Liebe und ihre unterschiedlichen Erscheinungsformen: ewig, unverbrüchlich, augenblicklich, innig.

So schlecht wie möglich

von Eva Biringer

17. September 2013. Uwe Eric Laufenberg, geboren 1960 in Köln, ist als Regisseur und Schauspieler seit vielen Jahren eine feste Größe im Theater- und Opernbetrieb. Von der Spielzeit 2009/2010 an bis August vergangenen Jahres war er Intendant der Kölner Oper. Nach jahrelangen Unstimmigkeiten zwischen ihm, dem Haus und der Stadt, wurde ihm nach einem umstrittenen Zeitungsinterview fristlos gekündigt.

Tränen in den Augen

von Nikolaus Merck

Berlin, 8. September 2013. "Lontano. Die Schaubühne von Peter Stein" heißt ein 90-Minuten-Film des Dokumentarfilmers Andreas Lewin, der schon die Schauspieler Klaus Kammer und Thomas Holtzmann sowie den Regisseur Fritz Kortner filmisch portraitiert hat. "Lontano" ist italienisch und heißt "fern", als musikalischer terminus technicus bezeichnet es die Musik, die von hinter der Bühne kommt.

Von andersher beleuchtet

Die "Anmerkungen zum Außenseiter", die Botho Strauß Ende Juli mit seinem Essay "Der Plurimi-Faktor" meinte im Spiegel veröffentlichen zu müssen, sind aus einigen wenigen Passagen zusammengesetzt, die es jetzt im Kontext zu lesen gibt, in dem Band "Lichter des Toren" mit dem schönen Untertitel "Der Idiot und seine Zeit". Man mag die Auswahl als Hinweis darauf lesen, was Strauß für heraushebens- und der Leserschaft eines Nachrichtenmagazins für unbedingt mitteilenswert erachtet. Und wichtig scheint ihm zu sein, den "Plurimi-Faktor" als Untergangsbeschleuniger zu skizzieren.

Draußen ist die Wirklichkeit

von Eva Biringer

Juli/August 2013. Wer kennt nicht das Phänomen der Menschen, die gaffend um Unfälle herumstehen? Und woher kommt diese Lust am Ausnahmezustand? Warum richtet humanitäre Hilfe oft mehr Schaden an als Nutzen? Und warum sind Katastrophenfilme für die Kinokasse eine sichere Sache? Fragen wie diese faszinieren die österreichische Schriftstellerin und Dramatikern Kathrin Röggla. Ihr kürzlich erschienenes Buch "besser wäre: keine" bündelt Essays und Stücke, in deren Zentrum die Frage nach der Realität in Abgrenzung zum Ausnahmezustand steht. Weil unsere durchmedialisierte Welt mehr und mehr ins Fiktionale abgleitet, sehnen wir nichts so sehr herbei wie Realität. Und was wäre realer als eine Katastrophe?

Begrabt mich, wo ich scheiterte

von Elena Philipp

Berlin, 13. August 2013. Sieben sind's, die sich Glück und Gold entgegen mühen. Ein Häuflein deutscher Auswanderer in den Weiten des kanadischen Nordens. Zusammengeführt hat sie eine Anzeige: Gegen Bares bietet der Geschäftsmann Wilhelm Laser den Deal, sie vom nördlichsten Bahnhof Kanadas auf der Landroute an den Klondike River zu führen. Dorthin, wo das Goldfieber grassiert. Eine Strapaze, die nur eine Einzige von ihnen durchstehen wird: Emily Meyer, zäh und stoisch, schweigsam, aber handfest.

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