Unsern Shakespeare gib uns heute

von Rainer Nolden

19. April 2014. Ein literarisches Weltengenie. Nein, eine Nummer kleiner geht es wirklich nicht. Er hat sie alle in den Schatten geschrieben, seine Vorgänger, die Zeitgenossen sowieso. Und die Nachfolgenden hatten es schwer, aus eben diesem Schatten zu treten und selbst zu leuchten. Ein Leuchtturm, der bis in die unmittelbare Gegenwart hineinreicht – und alles, was nach ihm kam, vor große Herausforderungen gestellt hat. "Nach Shakespeare hätte keiner mehr ein Theaterstück schreiben müssen", seufzte einst Tennessee Williams.

Geerdet, handfest, klar

von Georg Kasch

9. April 2014. Sie war nie ein Star, und doch gehört sie zu den festen Säulen der (ost-)deutschen Theaterszene: Ursula Werner war die Mascha in Thomas Langhoffs legendärer "Drei Schwestern"-Inszenierung von 1979 am Berliner Maxim-Gorki-Theater, die Uraufführungs-Charlie in "Die neuen Leiden des jungen W." in Halle, und Rudi Strahl schrieb ihr die Eva der Erfolgskomödie "In Sachen Adam und Eva" auf den Leib.

Das Erzählen stockt

von Sophie Diesselhorst

24. März 2014. Das Titelbild: Man guckt von oben auf einen Koala-Bären, der um den ihn bezeichnenden Titel herum in blassgrün ertrinkt. Oder ist er schon längst tot und in Formaldehyd konserviert?

Demokratiemangel vorrechnen

von Dirk Pilz

20. März 2014. Die Moskauer Prozesse von Milo Rau bleiben ein ungemein cleveres, streitbares Kunststück. Theater, das zu einer Form von politischer Installationskunst findet, mit der die Bühne keine moralische, sondern eine im besten Sinne intellektuelle Anstalt wird, weil sie die Teilnehmer wie die Zuschauer als Selbstdenker ernst nimmt, nicht zu bloßen Botschaftsempfängern erniedrigt, nicht zu Schulbankhockern macht.

Was sich nicht ereignet

von Kai Bremer

18. März 2014. Auch wenn das Nachdenken über Ereignisse nicht neu ist – man denke nur an Heidegger –, so gibt es doch seit einigen Jahren einen regelrechten Boom der Forschungen, die sich Ereignissen und Ereignishaftem widmen – zu nennen sind beispielsweise Hans Ulrich Gumbrechts Überlegungen zur Präsenz und Dieter Merschs Arbeiten. Anna Häuslers Buch, das dem Untertitel nach "Ereignis-Lektüren" bieten möchte, ist allein schon deswegen bemerkenswert, weil es sich zu all diesen Überlegungen entweder gar nicht (die genannten Herren haben nicht einmal den Weg ins Literaturverzeichnis gefunden) oder nur sehr knapp verhält. Das ist – vorsichtig formuliert – selbstbewusst.

Königinnen in Oklahoma

von Georg Kasch

6. März 2014. Es ist die Landschaft, die verblüfft. Wenn man schon einige Versionen von Tracy Letts' Stück "August: Osage County" auf der Bühne gesehen hat, fällt diese Weite besonders auf, die sich im Osage County in Oklahoma öffnet: endlose Horizonte, garniert mit Hügel, Vieh und Strohballen, darüber ein Himmel, der alle Farben kennt. Ziemlich winzig wirkt da der Mensch, und einmal, zu Beginn, sagt Barbara sinngemäß: Für dieses elende Land haben wir all die Indianer abgemurkst?

Wir haben ein Problem

von Dirk Pilz

Berlin, 19. Februar 2014. Das Ende der großen Erzählungen ist längst vorbei. Noch immer gilt zwar den meisten als ausgemacht, dass nicht länger gegeben ist, was lange den Menschen Heimat und Geborgenheit verschaffte, sie aber auch einengte und ängstigte, wenn nicht entmündigte, nämlich eine verbindende, Gemeinsamkeit stiftende, die Unterschiede und Individualitäten überwölbende Welt-, Fremd- und Selbstwahrnehmungssicht. Mit den Göttern starb auch die Gemeinschaft der Seelen. Wir haben keine gemeinsame Großerzählung mehr, wir sind Verwickelte in einem Netz von Einzelgeschichten.

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