Dokumentartheater

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Begriff Definition
Dokumentartheater

Als Dokumentartheater bezeichnet man ein Theaterformat, das nicht auf der Aufführung einer fiktiven Stückvorlage beruht, sondern tatsächliche historische oder aktuelle Begebenheiten inszeniert. Einer Aufführung gehen oft lange Phasen der Recherche zu einem Thema hinaus, weshalb der Begriff "Recherchetheater" mitunter synonym verwendet wird. Dokumente aller Art wie Reportagen, Reisen, Filme, aber auch Zeugenaussagen oder Akten dienen als Quellen. Oftmals stehen keine Schauspieler*innen, sondern Laien auf der Bühne, die von ihrer eigenen Situation erzählen, oder von einem Ereignis berichten, das sie selbst erlebt haben.

Als bedeutende Akteure des zeitgenössichen Dokumentartheaters gelten u.a. Rimini Protokoll, Boris Nikitin, Milo Rau, Volker Lösch, Andres Veiel und Hans-Werner Krösinger.

Als ihre Vorgänger werden oft Rolf Hochhuth, Heinar Kipphardt oder Peter Weiss genannt, dessen Stück "Die Ermittlung" auf den Protokollen des ersten Ausschwitz-Prozesses beruht. Auch Bertolt Brechts Vorstellung des epischen Theaters gilt als prägend, insofern es nicht um Illusionsbildung, sondern der Auseinandersetzung mit realem Zeitgeschehen geht. Das Dokumentartheater wendet sich oft dezidiert politischen oder sozialen Themen zu. Die ästhetischen Herangehensweisen sind dabei sehr heterogen, auch lehnen viele Theatermacher den Begriff des Dokumentartheaters für die Beschreibung ihrer Arbeiten ab. Gelegentlich wird in der letzten Zeit auch der Begriff "Recherchetheater" verwendet.

Texte und Beiträge zum Dokumentartheater auf nachtkritik.de:

Die Werkschau von Milo Rau in den Berliner Sophiensälen (11/2013)

Versuche über die unbekannte Gegenwart - Podiumsdiskussion über die Wirklichkeit von Dokumentartheater in der Akademie der Künste (12/2013)

Presseschau vom 30. Juni 2015: In der Süddeutschen Zeitung wettert Peter Laudenbach gegen Dokumentartheater

Sophie Diesselhorst stellt in einem Text über aktivistisches Theater Milo Raus Werk vor (12/2015)

Tobias Rausch und die Dramaturgin Ruth Feindel reflektieren die von ihnen kuratierten Recherchetheatertage 2015 am Deutschen Theater Berlin (1/2016)

 

Siehe auch: Clemens Bechtel, Ulrich Greb, Hans-Werner Krösinger, Volker Lösch, Boris Nikitin, Milo Rau, Rimini Protokoll, Andres Veiel