Holger Schultze – Theater Osnabrück, Intendant

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2008, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Einen tiefen Eindruck hinterließ bei mir der Besuch des Theaterabends Maria Stuart in der Regie von Stefan Kimmig am Hamburger Thalia Theater. Ich erlebte neben hervorragenden schauspielerischen Leistungen eine Inszenierung, in der es der Regie gelungen ist, mit Hilfe der Reduktion den Abend zu einer Diskussion über heutige politische Stimmungen zuzuspitzen.

Vor einigen Tagen hatte ich die Gelegenheit, in Köln das Stück Das goldene Vlies von Grillparzer zu sehen. Besonders hat mich die schauspielerische Leistung des Ensembles, insbesondere von Maria Schrader als Medea, fasziniert. Hier kamen auf höchstem Niveau Schauspiel, Inhalt und ästhetische Form zusammen.

Am eigenen Haus war für uns die deutsche Erstaufführung von Bertolt Brechts Die Judith von Shimoda ein besonderer Höhepunkt. Durch eine hervorragende Ensembleleistung ist es gelungen, den Nachweis zu erbringen, dass dieses Stück bühnentauglich ist und ganz aktuelle Geschichten erzählt, die gesellschaftskritisch hinterfragt werden und die brennende Aktualität des Stoffes zu Tage fördern. Wir sind in der Arbeit mit unseren ästhetischen Mitteln in Bezug zum Inhalt einen Weg gegangen, der die politische und gesellschaftliche Dimension des Stückes widerspiegelt.

Ich habe den Eindruck, dass sich Theater in letzter Zeit wieder verstärkt politischen Themen zuwendet und hierdurch eine große Relevanz erhält.

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