Schauspiel ade?

Bonn, 9. November 2010. Wie der Bonner General-Anzeiger (9.11.2010) meldet, plant die schwarz-grüne Stadtregierung drastische Kürzungen des Theateretats. Ab 2013, nach Auslaufen des Generalintendantenvertrags, in dem die städtischen Zuschüsse festgeschrieben sind, sollen jährlich sieben von derzeit 27 Millionen Euro bei Oper und Schauspiel gestrichen werden.

In den kommenden beiden Jahren müsse die Stadt Bonn jeweils 50 Millionen sparen, schreibt der General-Anzeiger. Deshalb sollten künftig auch eine Sportstättengebühr erhoben, weitere Schwimmbäder und Bibliotheken sowie öffentliche Toilettenanlagen geschlossen werden. Außerdem sollten die Personalkosten der Verwaltung gesenkt und Straßenbaumaßnahmen verschoben werden. Dafür würden die Steuern nicht erhöht, Kindergärten ausgebaut, Schulen saniert und 2,2 Millionen Euro für die Renovierung der Beethovenhalle ausgegeben werden.

Schon am 16. Dezember solle der Kämmerer den Haushaltsentwurf im Stadtparlament einbringen; im Januar sollten die Bürger per Internet-Abstimmung befragt werden.

Laut General-Anzeiger hält Generalintendant Klaus Weise die Sparliste für "tendenziös", da offenbar keine andere Kultureinrichtung auf der Sparliste stünden.

In einer Pressemitteilung schreibt das Theater Bonn: Innerhalb der letzten 10 Jahre habe das Bonner Haus bereits Stellen von 200 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gestrichen und Zuschüsse von fast 14 Millionen Euro im Jahr verloren. Die Kürzung um weitere sieben Millionen Euro im Jahr würde bedeuten, dass es ab 2013 in Bonn kein Schauspiel mehr geben werde. 2008 war nach Etatkürzungen bereits die Tanzsparte abgeschafft worden. "Für das prosperierende Bonn und seine kulturinteressierten Bürger eine desaströse Entwicklung", schreibt das Theater knapp.

Laut einem Bericht der Rheinischen Post (11.11.2010) wies Intendant Klaus Weise noch einmal darauf hin, dass sein Theater in den vergangenen zehn Jahren bereits fast 14 Millionen eingespart hat. "Ich hatte eigentlich gedacht, dass die Stadt das anerkennt, statt uns nun schon wieder auf die Streichliste zu setzen", so Weise. Es gäbe schließlich auch andere Kommunen, die an Finanznot litten, aber nicht als erstes ihr Theater zur Disposition stellten.

(Bonner General-Anzeiger/ Theater Bonn/ jnm/ dip)

 

 
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