Der Penner und seine Gönner

Berlin, 3. März 2011. Wie die Berliner Festspiele mitteilen zeichnet die Stiftung Preußische Seehandlung das Theater-Team Dimiter Gotscheff, Almut Zilcher, Samuel Finzi und Wolfram Koch mit dem Theaterpreis Berlin 2011 aus. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert.

Der Preisjury gehörten in diesem Jahr der Intendant Hasko Weber (Schauspiel Stuttgart), die Regisseurin Konstanze Lauterbach und die Theaterkritikerin Christine Wahl (Theater heute, Tagesspiegel) sowie mit beratender Stimme der Intendant der Berliner Festspiele Joachim Sartorius bzw. die Leiterin des Theatertreffens Iris Laufenberg an.

In der Jurybegründung heißt es: " 'Der Regisseur ist ein Penner, der von den Almosen der Schauspieler lebt.' Mit diesem Zitat seines Lieblingskünstlers Heiner Müller wehrt sich Dimiter Gotscheff gern gegen Lobeshymnen, die seine Inszenierungen allein auf die Regieleistung reduzieren. Und zwar völlig zu Recht! Dennoch steckt in dem Müller-Satz natürlich nur die halbe Wahrheit. Denn wer auf den Proben wen inspiriert, vorantreibt und beflügelt – ob die Schauspieler den Regisseur oder der Regisseur die Schauspieler – das lässt sich bei Dimiter Gotscheff und seinen engsten Mitstreiter/innen Almut Zilcher, Samuel Finzi und Wolfram Koch schlichtweg nicht entscheiden. Epochale Aufführungen wie 'Kampf des Negers und der Hunde', 'Iwanow', 'Die Perser' oder Krankenzimmer Nr. 6, die großes Schauspielertheater mit außergewöhnlichen, klugen Zugriffen auf den Stoff verbinden, wären ohne dieses permanente gegenseitige Aufladen, Geben, Nehmen und Hinterfragen undenkbar.

Deshalb ehrt die Jury des Berliner Theaterpreises in diesem Jahr nicht einen einzelnen Künstler, sondern dieses besondere Künstler-Quartett, das sich treu geblieben ist, ohne stehenzubleiben: Eine Familie, die sich schon seit Jahren, teilweise sogar seit Jahrzehnten, immer wieder neu auf die Suche begibt, aneinander herausfordert und zum Glück der Zuschauer gemeinsam über sich hinauswächst."

Die Preisverleihung findet am Sonntag, dem 8. Mai 2011 um 11.00 Uhr im Deutschen Theater Berlin statt: als Matinee, die Kollegen der Preisträger ausrichten. Alle Theaterfreunde sind herzlich dazu eingeladen. Der Eintritt ist frei; Anmeldungen sind erforderlich.

(Berliner Festspiele/ jnm)

 

Mehr zu den Arbeiten von Dimiter Gotscheff und seiner Theater-Familie im nachtkritik-Lexikon.

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Kommentare

Kommentare  
#1 Theaterpreis für Gotscheff-Familie: GlückwunschHans Uwe Zisch 2011-03-03 21:02
konsequent nach Bendokat im Vorjahr. und unbestreitbar berechtigt.

Glückwunsch.
#2 Theaterpreis für Gotscheff-Familie: langweilige EntscheidungMutti 2011-03-04 12:02
Ich finde das eine langweilige Entscheidung. Die brauchen keine 20 000 € mehr. Die ganze Theaterwelt in Deutschland hat sich darauf geeinigt, dieses Quartett großartig zu finden. Es gibt viele versteckte und unhippe Talente auf Berlins Bühnen, meine Damen und Herr Weber. Aber dazu hätte man ja Neugierde aufbringen müssen...
#3 Preis für Gotscheff-Familie: sind doch schon und zu Recht obenperschach 2011-03-04 13:54
meine Güte . Das geht zu wie im deutschen Fernsehen. Regisseure, Schauspieler. Immer wieder dieselebn Nasen bei Preis und Geldverleihungen.

Allianz- Finzi und die "Famile" müssen nicht weiter ausgezeichnet werden. Sie sind doch schon lange und zu Recht ganz weit oben. Das ist bald sehr nahe dran am Bambi und an der Goldenen Kamera.
#4 Theaterpreis für Gotscheff-Familie: wofür eigentlich?federico 2011-03-04 15:42
Wer kann sich eigentlich an bedeutende Gotscheff-Abende erinnern? Iwanow an der Volksbühne ist noch eine seiner stärksten Inszenierungen und vielleicht die Perser am DT, aber der Rest ist Peinlichkeit. Bei Volpone am DT dominierten Altherrenphantasien und man fragte sich, was einer großen Schauspielerin, wie Almut Zilcher eigentlich zugemutet werden kan; ebenso "Das große Fressen" an der VB oder Wienerwald am DT: Un d immer findet sich eine leere Bühne, ein wenig schlechte Musik, eine Tuba und viel Text...und eine Seifenblase, ein Konfetti oder ein Luftballon von Frau Brack, ein Tuch oder eine Stange von Herrn Lammert,...ein Allerwltszeichne, das alles und nichts bedeuten kann ... . Zuletzt eine veralberte Antigone in Hamburg mit Kreon als Operettenkönig. Man fragt sich dann immer, warum macht man als Regiesseur einen Stoff, zu dem einem nichts einfällt und was wird Gotscheff das nächste mal inszenieren. Die Müllers sind alle durch, die Müllerschen Shakespeare-Bearbeitungen auch, dann bleiben Brecht und Shakespeare, weil Heiner die geliebt hat. Und wann kommt der nächste Preis, das Bundesverdienstkreuz, der Faust oder Nestroy oder Heiner-Müller-Preis?
#5 Theaterpreis für Gotscheff-Familie: unter den SternenBewunderer 2011-03-04 16:14
Als "Bewunderer" kann ich nur bewundern.
Die Gotscheff-Familie sollte immer weiter ausgezeichnet werden.
Und ganz, ganz weit oben, vielleicht gar bei den Sternen
(des universellen Theaterhimmels)
#6 Preis für Gotscheff-Familie: verdientnina 2011-03-04 19:46
gotscheff, finzi, koch und zilcher - ich finds gut! haben sie verdient - immer und immer wieder! viele tolle abende dank ihnen - und nicht nur in berlin.
#7 Preis für Gotscheff-Familie: Interessengemeinschaft123 2011-03-04 21:04
Es gibt keine Theaterfamilien. Das ist eine Illusion derer, die ihre Interessengemeinschaften und ihren Bedarf als etwas anderes tarnen wollen.
#8 Gotscheff-Familie: wirklich verwandtFlohbär 2011-03-05 00:00
Natürlich gibt es Theaterfamilien! Nur ist die Gottscheff-Familie keine, da stimme ich zu, 123. Die Gottscheff-Familie ist nämlich, soweit ich weiß, tatsächlich miteinander verwandt. Es ist also blödsinnig, von einer Theaterfamilie zu sprechen - höchstens würde es Sinn machen , AUCH von einer Theaterfamilie zu sprechen. Nun denn...
#9 Preis an Gotscheff-Familie: Erfolg nicht ohne Bernd Grawert123 2011-03-05 01:43
Darüberhinaus hat Gotscheff seinen Erfolg jemanden zu Danken, der hier nicht auftaucht, denn ohne den Jean und den Woyzeck von Bernd Grawert, wäre er nicht dort, wo er jetzt ist.
#10 Gotscheff-Familie: Dementi123 2011-03-05 02:19
Ich stelle mit Bedauern fest, dass hier wieder jemand unter meinem Namen Einträge fälscht. Die 9 ist jedenfalls nicht von mir.
Flohbär, falls Sie das sein sollten, der sich hier diesen Spaß erlaubt, muss ich Ihnen sagen: Is' nich besonders lustig.
#11 Gotschefffamilie: gerne glaubengeri 2011-03-05 16:13
"nina" lässt mich an gotscheffs "möwe" denken, ganz wundervoll.
der jean und der woyzeck von bernd grawert waren tatsächlich außergewöhnlich.
almut zilcher als "große schauspielerin" - -
das ist hier, glaube ich, das erste mal in die nachtkritik so hineingeschrieben - -
all ihr kritischen geister von nachtkritik-kommentare, sagt mir - bestätigt mir doch, dass sie eine "große schauspielerin" ist,
und ich will es euch gerne glauben. . .
#12 Theaterpreis für Gotscheff-Familie: …, sagte der SchauspielerEknah 2011-03-07 14:53
Für Geld tun die alles.
Die Gotscheff-Familie aber nicht, sagte der Schauspieler.
Alle Schauspieler lügen.
Finzi, Koch und Zilcher aber nicht, sagte der Schauspieler.
Tut Gotscheff für Geld alles? Lügt Gotscheff?
Er lügt nicht, sagte der Schauspieler.
Bewundern kann man zweifellos, wenn man das Dargebotene doch wohl zu recht für nicht banal, nicht beliebig und nicht entbehrlich hält
- die Darbietung an sich.
Ich finde sie alle sehr gut. Den Theaterpreis haben sie verdient, sagte die
Zuschauerin.
#13 Theaterpreis Berlin: Warum nichtIrina 2011-03-07 22:42
Es gibt also keine Theaterfamilien. Das ist also eine Illusion derer, die ihre Interessen-Gemeinschaften und ihren Bedarf als etwas anderes tarnen wollen . . .
Gotscheff und Zilcher sind verheiratet. Gotscheff und Finzi sind Bulgaren und eng befreundet - warum sollte das keine Theaterfamilie ergeben?
#14 Theaterpreis Berlin: andere KandidatenMutti 2011-03-08 00:26
Hilke Altefrohne, Anja Schneider, Peter Kurth, Andreas Döhler, Natali Seelig, Max Hopp (!!!!!! mein Kandidat Nr. 1)- schon mal gesehen? Schnarch- Jury.
#15 Theaterpreis Berlin: alle sind sich einigHoffmann 2011-03-08 07:12
...aber der Rest ist Peinlichkeit... aber noch kein Schweigen!
"Das Große Fressen" - was kann das schon sein?! (wenn man den Film
kennt)
Veralberte Antigone, Hamburg, Kreon als Operettenkönig - klingt nicht gut.
Preise, Preise ...
Gotscheff inszeniert einen Peter Handke in Salzburg dieses Jahr.
Zilcher spielt dort zur Festspielzeit einen Schimmelpfennig.
Die brauchen also keine 2O OOO Euro mehr, oder brauchen sie jetzt
immer mehr? ... und die ganze Theaterwelt in Deutschland ist sich einig diese "Theater-Familie" großartig zu finden.

Jedermann - oder Nichtjedermann? - - und der Rest ist ...
#16 Theaterpreis Berlin: unerklärlich123 2011-03-08 10:01
Mir unerklärlich, wie man so unkritisch mit dem Begriff Familie in Bezug auf Theater umgehen kann.
#17 Theaterpreis Berlin: GlückwunschGott+Chef 2011-03-12 14:44
Was tut man,
wenn man es wie Gotscheff kann?
Man aktiviert und treibt(+ über-treibt) der Tragödie die Komödie wieder aus, die man vielleicht vergeblich in ihr gesucht und nicht wirklich und wahr-hefft-tick in ihr gefunden hat.
Komödie gar besser als Tragödie? - Wenn die menschlich-allzumenschliche Komödie zur D i v i n a C o m e d i a wird, werden kann, dann ja!
Die DIVINA TRAGODIA war mir immer schon zu sehr "Bocks-Gesang"
(Trag-Odia, Trag = Bock, Odia = Gesang) zu Ehren des griech. Gottes
Dionysos, wird der Bock (stellvertretend für den Gott) geschlachtet
g e o p f e r t. Dionysos-Kult, Um-Züge mit Maske + Bocksfell, um etwas über Theater und die "Veralberte Antigone" in Hamburg zu sagen:
Dionysos ist wahrlich der Gott des Rausches, der Gott des Weines,
der Freude, der Fruchtbarkeit und der Ekstase(und des THEATERS!)
Das Gefolge des Dionysos lärmt(viel Lärm auf allen Deutschen Bühnen!), daher wird der Gott auch noch B r o m i o s (Lärmer)
und B a k c h o s (Rufer) genannt - o wie rufen über-laut die Rufer auf, auf den Deutschen Theatern + Bühnen neuerdings, und das schon lange!
Trag-Odia? - der Mensch verfällt der H y b r i s. ER will! Er will durch sein Drama (Handeln), dem ihm (von den Göttern der Neu-Zeit)
v o r-bestimmten Geschick und Schicksal entgehen (wenn er dazu fähig ist!)
Nur zu oft aber wird der heutige moderne Mensch in Unfreiheit+Zwang
in "der Welt der Götter Wissenschaft und Technik" zur hilflosen
Marionette, Puppe (Maschinen-Mensch) und lächerlich in seiner "Hybris" - -
Und zur Preis-Verleihung:
5 Tausend Euro für jeden der 4 (der "Familie") - ist das zu viel? -
einem verdienstvollen Regisseur wie Gotscheff und seinem Team sollte man doch auch etwas gönnen können (sein "Können" hat er längst bewiesen!)...

...versuchtes Schreiben für den "dionysischen Regisseur", der "Bacchantin" Almut Zilcher und Finzi ( Narr,Lustig-tragische Person, Clown (Spass-Macher,Klaun) usw.) und Koch ...
Ich beglückwünsche Sie zu Ihrem Theater-Preis Berlin!

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