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Unsere auswahl ist subjektiv

Presseschau vom 4. Februar 2012 – Neuigkeiten aus dem Intendantenkarussell

Panische Fliegen

4. Februar 2012. Manchem wird sofort schwindelig auf dem Intendantenkarussell. Besonders, wenn er unfreiwillig dort hingelangte. Florian Vogel zum Beispiel, den in einem Artikel mit Spekulationen über die Armin-Petras-Nachfolge am Maxim-Gorki-Theater die beiden Journalisten Till Briegleb und Peter Laudenbach in der Süddeutschen Zeitung (19.1.2012) ins Spiel gebracht hatten und dabei auch vermeintliche Vogel-O-Töne kolportierten.

Presseschau vom 25. Januar 2012 – Hasko Weber nennt in den Stuttgarter Nachrichten Gründe für seinen Wechsel nach Weimar

Vertrautheit mit dem Osten

Stuttgart, 25. Januar 2012. Wenige Tage, nachdem seine Berufung in die Intendanz des Nationaltheaters Weimar zur Spielzeit 2013/2014 verkündet wurde (hierzu die Meldung vom 22. Januar 2012), erläutert Hasko Weber im Interview mit Nicole Golombek von den Stuttgarter Nachrichten die Gründe für seinen Weggang aus Stuttgart. Mit zwei kleinen Kindern im Alter von vier Monaten und vier Jahren habe er sich die Frage gestellt, wohin er seinen "Lebensmittelpunkt" verlegen wolle.

Presseschau vom 19. Januar 2012 – Die SZ spekuliert über KandidatInnen für die Intendanz des Berliner Maxim Gorki Theaters

Aus der Berliner Gerüchteküche

Berlin, 19. Januar / 2. Februar 2012. Mit nicht geringer Spekulationslust werfen in der Süddeutschen Zeitung (19.1.2012) Peter Laudenbach und Till Briegleb verschiedene Kandidaten-Namen für die Intendanz am Berliner Maxim Gorki Theater, dessen Chef Armin Petras vor drei Monaten seinen Wechsel ans Staatsschauspiel Stuttgart ankündigte, ins Feuilletonrund. Alle wären ihnen lieber als einer: Florian Vogel, künstlerischer Interimsleiter am Hamburger Schauspielhaus. Er kündige sich seinen gegenüber Mitarbeitern schon als neuer Gorki-Chef an, obwohl er erstmal "nur in der Endrunde der Kandidaten" sei und Gespräche mit Kulturstaatssekretär Schmitz geführt habe (siehe dazu unten). Gegen ihn spreche, dass er "Mitverantwortung für den rapiden Bedeutungsverlust des größten deutschen Sprechtheaters" trage, ein Teil des Hamburger Hauses gegen ihn stehe und seine Spielplanideen hauptsächlich "aus der Nachahmung von Erfolgen anderer" bestünden.

Presseschau vom 13. Januar 2012 – Der Tagesspiegel über die desaströse Kulturpolitik in den Niederlanden

Es wird eng

13. Januar 2012. Die desaströsen kulturpolitischen Entwicklungen in den Niederlanden hat für nachtkritik.de schon Simon van den Berg beschrieben. Jetzt legt Udo Badelt im Berliner Tagesspiegel nach. "Es sind vor allem die Kleinen, die bezahlen sollen", schreibt er: Leuchttürme wie die Oper in Amsterdam, das Rijksmuseum oder die zehn landesweiten Orchester kommen vergleichsweise glimpflich davon.

Presseschau vom 12. Januar 2012 – Der neue Mousonturm-Leiter im Dfunk-Interview

Zum Umbau was auf die Ohren

12. Januar 2012. 23 Jahre nach seiner Gründung bekommt das Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm einen neuen Leiter: Zum Jahreswechsel hat Niels Ewerbeck, bislang Leiter des Zürcher Theaterhauses Gessnerallee die Intendanz von Dieter Buroch übernommen. Weil das Industriedenkmal bis zum Sommer umgebaut, nämlich die Bühne vergrößert und die Publikumssituation verbessert wird, will Ewerbeck die Zeit akustisch überbrücken.

Presseschau vom 12. Januar 2012 – Regisseur Sebastian Baumgarten spricht in der Berliner Morgenpost über das Dschungelcamp

Lustgewinn für viele 

12. Januar 2012. In einem launigen Interview mit Matthias Wulff, Kulturchef der Berliner Morgenpost, outet sich Regisseur Sebastian Baumgarten als "Dschungelcamp"-Gucker. Das TV-Format vergleicht er mit der Theaterform der Groteske: "Was wir sehen, ist dadaistisch, die Dialoge sind sinnlos. Die Sprache an sich funktioniert ja und hat eine Logik, Syntax und Grammatik, man bekommt auch Informationen, Beschreibungen, Interpretationen. Aber 'es wird kommuniziert', wie Jean Baudrillard es gesagt hat."

Presseschau vom 29. Dezember 2011 – Interview mit Andrea Breth in der Zeit

Es wird nicht mehr lange gut gehen

Für die Zeit (29.12.2011) hat Peter Kümmel ein langes Interview mit Andrea Breth geführt, die in Düsseldorf derzeit das "gigantisch gut geschriebene Stück""Marija" von Isaak Babel inszeniert. Ausgehend von der Frage, ob das Stück, das im russischen Bürgerkrieg von 1920 spielt, von unserer Zukunft handele, dreht sich das Gespräch nicht nur um Theater, sondern auch um Breths Wahrnehmung unserer Gesellschaft: "Marija" seit "deutlich ein Stück über die Zeit von 1920. Und dennoch hat es mit uns heute zu tun: Ich habe so ein merkwürdiges Gefühl bezüglich der Zeit, in der wir leben. Ich glaube, es wird nicht mehr lange so gut gehen. (...) Wenn Sie den Fernseher anschalten, sehen Sie, dass die Menschen überall in großer Zahl protestieren." Dabei möchte sie "keine Revolution in diesem Land erleben; ich möchte uns nicht erleben in einer solchen Notlage". Zwar seien die Deutschen "diesbezüglich immer ein bisschen zurückhaltender als andere Völker" gewesen. "Aber dass sich da was zusammenbraut, dessen bin ich mir ziemlich sicher. (...) Wenn das Geld weg ist, verändert sich der Mensch schlagartig. Ich fürchte, dass wir alle dann nicht mehr für unsere Humanität garantieren könnten. (...) Wenn ich nichts zu fressen habe, bleibe ich nicht zu Hause sitzen und warte, dass die Zeiten wieder besser werden." Beängstigend findet sie außerdem, dass wir alle die "Chipkartendespotie" (Kümmel) freiwillig mitmachen: "Wir geben unsere Kreditkarten überallhin. Und begeben uns in die Hand einer Macht, von der wir nicht wissen, in welche Richtung die umschlagen wird." Davor könne man sich auch nirgendwo mehr hin zurückziehen: "Die Orte des Rückzugs haben wir abgeschafft".

Presseschau vom 24. Dezember 2011 – Der Tagesspiegel empfiehlt zum Steuernsparen Theaterbesuche

Verbringe Deine Zeit mit Faust & Figaro!

Weihnachten 2011. Theoretisch seien die Deutschen ja durchaus bereit, Steuern zu zahlen, stellt Frederik Hanssen in der Weihnachtsausgabe des Berliner Tagesspiegels fest. "Nur in der Praxis stellen sie die unmöglichsten Dinge an, um sich einen Teil der vom Finanzamt eingezogenen Summe wieder zurückzuholen. Sie stöbern nach Schlupflöchern in Gesetzestexten, sie beschäftigen Berater (deren Honorare sich wiederum mindernd anrechnen lassen)".

Presseschau vom 22. Dezember 2011 – Die Berliner Zeitung über die fehlgeleitete Verwendung der Gelder des Hauptstadtkulturfonds

Aufforderung zum Schämen

22. Dezember 2011. "Den Kleinen nehmen ... " ist heute ein Artikel im Feuilleton der Berliner Zeitung überschrieben, der sich anhand aktueller Beispiele mit der eingerissenen Praxis des Hauptstadtkulturfonds befassst – nämlich die Budgets der Berliner Staatsoper (42 Millionen Subventionen), der Deutschen Oper (39 Millionen Subventionen), des Preußischen Kulturbesitzes (138 Millionen Euro Fördergelder) oder der Berliner Festspiele zusätzlich zufüllen, falls dort noch etwas fehlt.

Presseschau vom 16. Dezember 2011 – Im Tagesspiegel spricht Joachim Sartorius über 11 Jahre Berliner Festspiel-Intendanz

"Das kann ja nicht alles sein"

16. Dezember 2011. Joachim Sartorius, Poet, Diplomat und noch bis Ende des Monats Intendant der Berliner Festspiele, blickt im Tagesspiegel-Interview mit Frederik Hanssen und Christiane Peitz auf seine 11 Jahre währende Amtszeit zurück. Durchaus selbstbewusst zählt er seine Erfolge auf: "Zum ersten Mal in der Geschichte der Festspiele ein eigenes Theater. Zum ersten Mal ein Ausstellungshaus, ein prächtiges obendrein: der Martin-Gropius-Bau. Und zum ersten Mal in der kompletten finanziellen Obhut des Bundes."

Programmatisch sei die wichtigste Neuerung gewesen, die überlangen Festwochen abzuschaffen und stattdessen das Musikfest Berlin und die Spielzeit Europa zu etablieren. "Letztere wurde ja gegründet, um das große Theater in der Schaperstraße mit seinen 1000 Plätzen über einen längeren Zeitraum zu bespielen, als Stagione-Betrieb mit Gastspielen und Koproduktionen. Das hat hervorragend funktioniert."

Als schwierig empfand Sartorius den "Spagat zwischen den Anforderungen des großen Festspielhauses und den Erwartungen der Politik einerseits – und andererseits meinen Leidenschaften für ungewöhnliche, schräge und damit auch kleinere Produktionen. Bei Pina Bausch, William Forsythe oder Robert Lepage war es immer voll. Aber das kann ja nicht alles sein." Dass "Richard III." mit Kevin Spacey es dennoch nicht nach Berlin schaffte, liegt am Geld: "Wir haben mit rund zehn Millionen Euro Bundeszuschuss für die gesamte Festivalfamilie ein auskömmliches Budget für normale Gastproduktionen. 'Richard III.' hätten wir gerne gezeigt, es gab auch Vorgespräche, aber sollen wir für den Mainstream, der die Kunst nicht vorantreibt, so viele Gelder binden?"

Als Höhepunkte seiner Amtszeit empfindet Sartorius u.a. Schlingensiefs Kirche der Angst vor dem Fremden in mir und Isabelle Huppert in Sarah Kanes "4.48 Psychose".

(geka)

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