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Autor und Regisseur Thomas Heise verstorben

Autor und Regisseur Thomas Heise (1955–2024) © Inge Zimmermann / Akademie der Künste Berlin

30. Mai 2024. Thomas Heise, Autor und Regisseur für Theater, Film und Hörspiel, ist am 29. Mai 2024 nach kurzer schwerer Krankheit verstorben, teilt die Berliner Akademie der Künste (AdK) mit. Heise war seit 2001 Mitglied der AdK und seit 2018 Direktor der Sektion Film- und Medienkunst.

Heise, geboren 1955 in Ost-Berlin, absolvierte eine Druckerlehre, holte sein Abitur an der Abendschule nach und studierte Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam (ohne Abschluss). Seit 1983 arbeitete er freiberuflich als Autor und Regisseur für Theater, Funk und Film, aber auch als Kinokartenabreißer, Eisverkäufer und Abwäscher.

Ab 1987 wurde er auf Initiative des Dramatikers Heiner Müller Meisterschüler von Gerhard Scheumann an der Akademie der Künste der DDR.

1990 wurde Heise Mitglied des Berliner Ensembles und persönlicher Mitarbeiter Fritz Marquardts. Er realisierte diverse eigene Inszenierungen, unter anderem Bertolt Brechts "Der Brotladen" (1993) und "Joe Fleischhacker" (1998), Heiner Müllers "Zement" (1994) und "Der Bau" (1996) und Michael Wildenhains "Im Schlagschatten des Mondes und Hungrige Herzen" (1995). Heise verließ das BE 1997.

Heise war Professor für Film an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (2007–2013) und Professor für Kunst und Film an der Akademie der bildenden Künste Wien (2013–2022) sowie Honorarprofessur für Cinematography an der Fakultät II der Filmuniversität "Konrad Wolf" (2013–2022).

Regelmäßig liefen Filme von Heise auf der Berlinale. Sein Dokumentarfilm "Material", der Proben von Heiner Müller aus dem Jahr 1988 zeigt ebenso wie Bilder der Berliner Großdemonstration am 4. November 1989, wurde 2009 mit dem Grand Prix des Internationalen Filmfestivals von Marseille ausgezeichnet.

Die Verflilmung seiner eigenen Familiengeschichte "Heimat ist ein Raum aus Zeit" lief 2019 im Forum der Berlinale und wurde in Stuttgart mit dem Hauptpreis des Deutschen Dokumentarfilmpreises ausgezeichnet. Thomas Heise war Sohn der Germanistin Rosemarie Heise und des Philosophen Wolfgang Heise.

2020 erhielt Thomas Heise auf der Berlinale den Preis der deutschen Filmkritik. 2024 wurde er in die Jury des Berlinale Dokumentarfilmpreises bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2024 berufen.

(Akademie der Künste / wikipedia.org / chr)

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