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PEN-Zentrum: Unvereinbarkeit mit AfD beschlossen

22. Juni 2024. Auf der Mitgliederversammlung des PEN-Zentrums Deutschland in der Patriotischen Gesellschaft in Hamburg haben die Mitglieder am gestrigen Freitag eine Resolution verabschiedet, die die Unvereinbarkeit der Doppelmitgliedschaft im PEN und in der Alternative für Deutschland (AfD) festlegt. Das teilt der Schriftsteller*innenverband (PEN = Poets Essayists Novelists) mit.

Die Charta des PEN International verpflichte die Mitglieder des PEN dazu, "jederzeit ihren ganzen Einfluss für das gute Einvernehmen und die gegenseitige Achtung der Nationen einzusetzen. Sie verpflichten sich, mit äußerster Kraft für die Bekämpfung jedweder Form von Hass und für das Ideal einer einigen Welt und einer in Frieden lebenden Menschheit zu wirken." Diese Werte stünden in direktem Widerspruch zu den Zielen und Vorstellungen der AfD. Die "politische Agenda" der Partei ziele "darauf ab, nationale und kulturelle Grenzen zu betonen und oft auch zu verschärfen".

Update vom 23. Juni 2024. Auf der Mitgliederversammlung des PEN-Zentrums Deutschland haben die Mitglieder der Schriftstellervereinigung auch eine "Resolution verabschiedet, in der sich die Autorinnen und Autoren beruhend auf der Charta des PEN International klar gegen jede Form des Antisemitismus aussprechen und zum Existenzrecht Israels bekennen".

(PEN-Zentrum Deutschland / chr)

Kommentare  
PEN-Unvereinbarkeitsbeschluss: Kannibalen und Vegetarier
Ein typischer Fall von leerer Rhetorik zum Zweck des Wohlfühlens. Da die PEN-Charta ihren Mitgliedern ausdrücklich Bedingungen stellt, die zu den Grundsätzen der AfD im Widerspruch stehen, versteht es sich von selbst, dass ein AfD-Mitglied dem PEN nicht angehören kann. Die Resolution ist so aussagekräftig wie das Verbot der Mitgliedschaft eines Kannibalen in einem Vegetarierverein. Typisch daran ist das Bekennertum unter Gleichgesinnten, wo es nichts kostet.
PEN-Unvereinbarkeitsbeschluss: Keine Panikmache
@ 1: Es gibt viele Gründe - und keiner davon ist gut -, warum jemand in einen Verein eintritt, dessen Charta er tatsächlich nicht unterstützt. Aber wenn ein solcher Unvereinbarkeits-Beschluss besteht, kann ein Mitglied, das auch AfD Mitglied ist oder wird, ausgeschlossen werden, d.h. eine Unterwanderung des PEN wird schwieriger - und: Nein, das ist keine Panikmache, das ist Erfahrung! Siehe z.B. https://de.wikipedia.org/wiki/Olaf_Kappelt
PEN-Unvereinbarkeitsbeschluss: Eine Wette
Ein Antrag zum Ausschluss Kappelts aus dem PEN lag bereits vor Jahren vor. Dass er keinen Erfolg hatte, schuldet sich nicht dem Fehlen eines Unvereinbarkeitsbeschlusses. Die Vorstellung, dass jemand, gar eine mehrheitsfähige Gruppe diesen PEN unterwandern wollte, erscheint mir komisch. Aber wenn es so wäre: es gehört zum Wesen der Unterwanderung, dass man sie nicht bemerkt. Wer seine Mitgliedschaft in der AfD oder gar, dass sie oder er so denkt wie die AfD, verheimlichen will, dürfte leichtes Spiel haben. In Österreich ist die Doppelmitgliedschaft im PEN und in der Grazer Autorinnen Autorenversammlung seit Jahrzehnten "verboten". Dennoch gibt es Doppelmitglieder. Ich bleibe dabei: das ist Rhetorik ohne Konsequenzen. Der PEN krankt an anderem als an den AfD-Mitgliedern. Die Literaturpolitik findet anderswo statt. Dort allerdings werden sich die AfD-Sympathisanten sehr schnell zu erkennen geben, sobald die AfD Posten und Gelder zu verteilen hat. Wetten?
PEN-Unvereinbarkeitsbeschluss: Keine verbotene Partei
Die AfD ist keine verbotene Partei. Und sie wird demnächst Wahlen gewinnen. Was soll das also hier? Können Sie mal ernsthaft werden?!
PEN-Unvereinbarkeitsbeschluss: Warum überhaupt?
Zwar kenne ich mich nicht so aus in diesen und jeglichen Vereinigungen, weil sich für mich Charta - gleich welchen Inhaltes - und Kunstfreiheit in der Literatur irgendwie prinzipiell widersprechen, aber mich würde interessieren, ob denn jemand Günter Grass oder Erwin Strittmatter ausgeschlossen hatte, nachdem - spät aber immerhin - offenbar wurde, dass beide einst durchaus nicht unglühend bei der SS gewesen waren??? - Und das ist wohl noch mehr als eine Nummer gewalt-iger als eine AfD-Mitgliedschaft. Warum geht jemand überhaupt in eine - egal welche - politische Partei, der Literatur macht??? Ergreift der nicht beruflich per se als Einzelner Partei für den Menschen und das Menschliche im Allgemeinen??? - Ich frag ja nur...
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