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Der Regisseur Alexander Lang ist tot

31. Mai 2024. Der Schauspieler und Regisseur Alexander Lang ist tot. Das wurde aus seinem persönlichen Umfeld bekannt. Lang gehörte zu den bedeutendsten Schauspielern seiner Generation und war ein prägender Regisseur des DDR-Theaters. Besonders seine Regiearbeiten für das Deutsche Theater in Berlin schrieben in den 1970er und 80er Jahren Theatergeschichte.

1941 in Erfurt geboren, absolvierte Lang zunächst eine Lehre als Plakat- und Schriftmaler und arbeitete als Bühnentechniker am Theater Erfurt. Von 1963 bis 1966 studierte er Schauspiel an der Staatlichen Schauspielschule in Berlin, der heutigen Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch: gemeinsam mit später so berühmten Kolleg*innen wie Jenny Gröllmann, Renate Krößner und Hermann Beyer. Ab 1967 gehörte er als Schauspieler erst dem Maxim Gorki Theater an, wechselte kurz darauf ans Berliner Ensemble und war dann ab 1969 einer der herausragenden Spieler im Ensemble des Deutschen Theaters. 

Eine der berühmtesten Rollen, die er dort gespielt hat, war die Titelrolle in Adolf Dresens epochalem Kleist-Abend "Der Prinz von Homburg" aus dem Jahr 1975: ein preußischer Held mit gebrochenen Flügeln. Als Dresen nach der Ausbürgerung von Wolf Biermann in den Westen ging, nahm Alexander Lang als Regisseur dessen Faden auf und untersuchte in seinen Inszenierungen die Geschichte seit 1789, die zum Glück zu wenden nicht gelungen war.

Es war eine fast neoexpressionistisch übersteigerte Spielart des Epischen Theaters, das Lang zwischen 1978 und 1986 am Deutschen Theater entwickelte – gemeinsam mit einer Gruppe von Schauspieler*innen, zu deren Kern Christian Grashof, Michael Gwisdek, Katja Paryla, Dieter Montag, Roman Kaminski und Margit Bendokat gehörten. In Konrad Wolfs letztem Film, "Solo Sunny" (1980), spielte Lang an der Seite von Renate Krößner (Sunny) seine berühmteste Filmrolle, den Philosophen Ralph. Seit 1986 gehörte er der Akademie der Künste an. 

Kurz vor der Wende verließ Alexander Lang die DDR. Als Regisseur arbeitete an Häusern wie den Münchner Kammerspielen, dem Hamburger Thalia Theater und der Pariser Comédie Française. Nach1989 kehrte er nach Berlin zurück und gehörte dann bis kurz vor dessen Schließung zum Leitungsteam des Berliner Schillertheaters. Für einige Zeit kehrte er auch noch einmal ans Deutsche Theater zurück. In den Jahren nach 2000 war Alexander Lang gelegentlich wieder als Schauspieler auf der Bühne zu sehen. Eine schwere Erkrankung hatte seinen völligen Rückzug aus der Öffentlichkeit zur Folge. 2020 wurde er mit dem Konrad-Wolf-Preis der Akademie der Künste ausgezeichnet. Heute Morgen ist Alexander Lang in seiner Berliner Wohnung im Alter von 82 Jahren gestorben.

(sle)

Kommentare  
Alexander Lang: Ruhe in Frieden, großer Mann
Es wäre so schön, wenn Nachtkritik nocheinmal " Rundköpfe Spitzköpfe" oder eine andere Inszenierung von ihm zeigen könnte.
Ruhe in Frieden, großer Mann
Alexander Lang: 2007/2008 am HeStaWI
Werde nie seine freundlich-humorvolle Inszenierungsweise betreffenden Sternheim‘s vergessen. Definitiv eine meiner liebsten Produktionen an denen ich das seltene Glück hatte teilnehmen zu dürfen. Glaube ich sehe das nicht alleine so und denke er inszeniert/spielt jetzt in einer ganz anderen Liga,- wenn nicht, so möge er in seinem verdienten Frieden ruhen. Und vielleicht meinen Vater Peter Randel-Randt vom „schlechtesten Schauspieler der Welt“ (Zitat Dietrich Hilsdorf) grüßen. T. Randel
Alexander Lang: Prägend
Es ist einfach traurig, wie man in der Gesellschaft Menschen vergisst. Die Achtung vor der Leistung einer Generation ist uns abhanden gekommen.
Einer der ganz besonderen Menschen ist von uns gegangen. Da muss man nicht immer und immer wieder erwähnen, dass er prägend im DDR-Theater war. Nein, war er nicht! Er hat das Theater dieses Landes, das sich Deutschland nennt, geprägt. DANKE, lieber Alexander Lang, für dein Meckern, Lachen und Husten. Der Himmel wird für dich bestimmt nicht eine DDR-Ecke finden. Und wenn, dann weilen dort auch Brecht, Müller & Co und jüngst auch Heise. Und das wäre ein guter Ort. Viel später wäre ich auch gern dort.
Alexander Lang: Schutzengel der Klassiker
Ach, hochverehrter Meister, wie schwer fällt mir der Abschied - und wie gewissermaßen doch auch unbeschwert, wenn auch noch bitter, denn fast jede Ihrer Inszenierungen ist für mich unvergessen und erinnerungskonserviert.
So poetisch, fantasievoll, ja zeitlos ewig, dass keine Mauer, kein kalter Krieg, Sie aufhalten konnte, ja die Reibung noch mehr Wärme erzeugte, als das heute noch möglich wäre.
Ihre Ästhetik und der Schalk hielten gefühlt einen kreativen und intensiven Anschluss an den großen Zeitstrom des Theaters seit der Antike, Shakespeare, seit Piscator und Max Reinhardt und Brecht und Dresen. Sie waren ein Schutzengel der deutschen Klassiker.Egal ob DDR oder BRD, weil Deutschland .
Selbst Gegenwartstücke wie Ihr „Die wahre Geschichte des Ah Q“ habe ich über ein Dutzendmal gesehen.
Warum durften Sie nicht Intendant des DT werden, oder des Potsdamer Theaters? Sie waren zu groß für die kleingeistigen Entscheider. Aber schade, ich hätte das gerne erlebt.
Dennoch bin ich glücklich und dankbar, Sie als Schauspieler und Regisseur erlebt zu haben - es wäre schön, hier einen Unvergessbarkeitsbutton drücken zu können.
Aber für mehrere Millionen Theaterfans, wie mich ist das nicht nötig!
Alexander Lang: Rundköpfe und Spitzköpfe
Herzlichstes Beileid an seine Familie und Freunde. "Rundköpfe & Spitzköpfe" am DT haben mich in meinem Studium begleitet-heute noch Szenen und Bilder im Kopf. so oft an der Abendkasse angestanden und noch Ticket ergattert. Eine legendäre Inszenierung. Und das in der spannenden politischen Zeit in Berlin damals. Nachtkritik hatte es einmal im Stream. Leider verpasst. vielleicht jetzt noch einmal ein Stream möglich als Nachruf und Erinnerung ? das wäre großartig.
Alexander Lang: Meister des Schauspiels
Lieber Alex,

Du bist nicht mehr und dennoch wirst du immer in Erinnerung bleiben. Ich danke dir für alles, was du mir beigebracht hast.
Du warst ein Meister der Schauspielkunst! Und vermitteln konntest du diese Kunst wie kein anderer! Ich habe so gerne bei dir gearbeitet. Eine letzte gute Reise mein Freund!
Alexander Lang: Staatstheater Wiesbaden 2007
Er war eine meiner größten, positiven Überraschungen am Subventionstheater, gesegnet mit wunderbarer Nonchalance und Selbstironie die ihresgleichen sucht. So etwas vergisst man sein Leben lang nicht und sucht es andernorts vergeblich. Ich war sogar auf Proben zugegen in denen ich gar nicht bestellt oder dran war.Wer hätte das gedacht?! Wünschte er wäre noch da mit seinem Humor und seiner Nachgiebigkeit, seinem Verständnis, seiner Nachsicht wenn’s mal nicht berlinerisch genug war, -oder nicht mal ansatzweise. Zweifelsohne einer der großen deutschen Theatermacher was auch meine Väter Karl und Peter Randel-Randt nicht anders gesehen hätten. Er Ruhe in Frieden, oder möge jetzt in einer noch ganz anderen Liga spielen/inszenieren! Tobias Randel
Alexander Lang: Trauer um Verlorenes
Seit 1974 habe ich das Deutsche Theater geliebt, weil es Alexander Lang gab.
Die Insel - eine der ersten Begegnungen, hinter dem Eisernen Vorhang - ein Stück mit Christian Grashof.
Philoktet, Caliban in Der Sturm, Der zerbrochene Krug, Prinz von Homburg….. und dann die wundervollen Inszenierungen, mit Katja Paryla, Christian Grashof und vielen anderen verehrten Schauspielern.
Wie glücklich können wir uns schätzen, das erlebt zu haben.
Dann der Abschied, nach Solo Sunny war ein Weggang nach dem anderen zu erleben.
Ich trauere um die verlorenen Inszenierungen und Darstellungen von Alexander Lang, um die Ignoranz und Arroganz, die heute das Deutsche Theater für mich zu einem fremden Ort gemacht hat.
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