Golden Goal

29. Mai 2016. Die Mülheimer Theatertage haben den Ruf, das wichtigste Dramatiker-Festival deutscher Sprache zu sein – sicher auch, weil das Preisgeld des Mülheimer Dramatikerpreises stattliche 15.000 Euro beträgt. Eine Besonderheit der Theatertage ist die doppelte Jury – eine Auswahljury aus Theaterkritiker*innen lädt die sieben Texte in ihren (meist Uraufführungs-)Inszenierungen ein, eine Preisjury, in der auch Theaterpraktiker*innen sitzen, diskutiert am Ende ihre Entscheidung für den Sieger oder die Siegerin öffentlich und begründet ihre Entscheidung.

Bühne frei für die Wirklichkeit

von Mely Kiyak

Karlsruhe, 27. Mai 2016.

Sehr geehrte Staatssekretärin Petra Olschowski, lieber Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup, liebe Beata Anna Schmutz, lieber Peter Spuhler, lieber Jan Linders,

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

zunächst einmal scheint es mir wichtig, daran zu erinnern, dass das Theater ein Ort der Kunst ist. Die Kunst, liebes Publikum, ist die Abbildung der Wirklichkeit mit ihren Mitteln. Die Frage jedoch, wer was mit welchen Mitteln abbilden kann, darf oder soll ist eine zutiefst politische Frage.

In München angekommen?

27. April 2016. Seit einer Dreiviertel-Spielzeit leitet Matthias Lilienthal die Münchner Kammerspiele, die unter den Vorgängerintendanzen berühmt waren für ihr exzellentes Ensemble und für Regisseure, die die Klassiker fruchtbar befragten. Lilienthal war in den Neunzigern Chefdramaturg der Berliner Volksbühne und als HAU-Gründungsintendant ein Mann der freien Szene. Seine Kür zum Nachfolger Johan Simons an der Schauspieltheater-Hochburg war eine der aufregendsten Personalien im Theaterbetrieb der letzten Jahre. An den Kammerspielen versucht er jetzt, Protagonisten und Stile der freien Szene mit denen des Stadttheaters produktiv zusammenzuschließen.

Rostock = Krise?

15. April 2016. Wer ans Rostocker Volkstheater denkt, denkt an Krise. Das ist schon lange so. Aber seit Intendant Sewan Latchinian 2014 angetreten ist, um eben diese Krise mit der Kraft der Kunst zu beenden, hat sich der Abstiegskampf des Theaters zu einem regelrechten Drama in vielen Akten ausgeweitet – nachzulesen in der Krisen-Chronik des Volkstheaters.

"Macht uns zum Staatstheater!"

von Georg Kasch

Das Thema: Gelungenes Inklusionstheater: "Volumenjoker", "Prinz von Homburg" | körperbehinderte Schauspieler*innen fest im Ensemble: Staatstheater Darmstadt | Performative Turn durch Jérôme Bel | Star-System | Innovationspotential: experimentell + subversiv | Begriffsfragen: "behindert"?, "inklusiv"? | Schutzraum für geistig behinderte Schauspieler*innen: RambaZamba, Thikwa, Hora | Herausforderung, Macht, Autonomie | Behinderte Schauspieler*innen führen Regie | Fazit + Ausblick

 

7. April 2016. Was ist eigentlich gelungenes Inklusionstheater? Beispiel 1: "Ich bin ein Volumenjoker" von SEE! mit zwei Musikern von Barner 16 aus Hamburg. Da steht das Publikum in einem dunklen Raum. Inmitten der Menschen raschelt, schabt, klackt und wispert es, schwellen die Geräusche zum großen Gesang an. Später wird es heller, man erfährt, wer Publikum ist und wer Performer. Welche der sechs Performer als behindert gelten, erfährt man nicht. Beispiel 2: Prinz Friedrich von Homburg am Staatstheater Darmstadt in der Regie von Juliane Kann. Den Homburg spielt Samuel Koch. Dass Koch im Rollstuhl sitzt, macht Kann zu einem Leitgedanken der Inszenierung. Sein Abstieg durch die Akte, vom Pferd über den Stuhl zum Kerkerboden, wird erst aufgehalten, als er Verantwortung übernimmt und das Todesurteil akzeptiert. Jetzt sitzt er im Rollstuhl – und kann sich zum ersten Mal selbstständig bewegen.

Mehr genutzt als geschadet

31. März 2016. Die User-Kommentare sind ein Dauerbrenner bei nachtkritik.de. Sie gehören seit der Gründung dazu. Immer wieder beschäftigen sie die Leser*innen – und die Redakteur*innen. Unter einer Kritik aus Bern – über die Verwicklungen dort hatten wir vor zwei Wochen gesprochen – flammte die Diskussion in den Kommentaren besonders heftig auf. Zugleich erreichten uns aus der Schweiz verschiedentlich Mails und Anrufe erreichten mit der Bitte, da einzugreifen.

Millionen überm Kassatisch

17. März 2016. Wie war das jetzt noch mal mit dem Wiener Burgtheater? Beim Finanzskandal, der zuerst die Vizedirektorin Silvia Stantejsky mit sich riss, dann Intendant Matthias Hartmann und schließlich auch Georg Springer, Chef der Bundestheaterholding, in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedete, gibt's jetzt neue Erkenntnisse. Und die haben's in sich, bergen politischen Sprengstoff.

(K)Ein normaler Vorgang?

3. März 2016. Wie war das jetzt noch mal mit Bern? Also mit dem Konzert Theater Bern, seinem Intendanten Stephan Märki und der freigestellten Schauspieldirektorin Stephanie Gräve? Wer eine Zusammenfassung braucht oder überhaupt lieber hört als liest, kann sich die Causa noch mal erklären lassen. Die nachtkritik.de-Redakteure Nikolaus Merck (und als solcher Schweiz-Verantwortlicher) und Georg Kasch sprechen über die Hintergründe des zerschlagenen Porzellans – und ob sich daraus etwas lernen lässt.

Bern Stadttheater innen 560 AndreasPraefcke uDer Vorhang zu und alle Fragen offen? Nach unserem Podcast hoffentlich nicht mehr. Innenraum des Berner Stadttheaters © Andreas Praefcke

 

Mehr zum Fall Konzert Theater Bern? Hier eine kurze Chronologie der Ereignisse:

– Meldung vom 16. September 2014: Stephanie Gräve wird Schauspieldirektorin in Bern

– Meldung vom 21. Januar 2016: Berns Schauspieldirektorin Stephanie Gräve mit sofortiger Wirkung freigestellt, dazu Update: Kleine Anfrage und Petition zur Freistellung von Stephanie Gräve in Bern

– Meldung vom 1. März 2016: Berns Stiftungsrats-Präsident stellt sich vor Intendant Märki

– Meldung vom 2. März 2016: Ensemble des Konzert Theaters Bern kritisiert Führungsentscheidungen

Mehr zum Nachhören? Hier alle nachtkritik-Podcasts zum Herunterladen und Abonnieren.

 

"Zum Glück muss ich keine Wahlen gewinnen"

26. Februar 2016. "Welches Land wollen wir sein?" Unter diesem Motto steht die Gesprächsreihe, die der Politologe Alexander Carius und der Sozialpsychologe Harald Welzer initiiert haben. Die Veranstaltungs-Orte sind vor allem Theater. Mit der Debattenoffensive wollen Carius und Welzer die Deutschen wieder miteinander ins Gespräch bringen, wollen mit ihnen zusammen die Fragen nach den Geflüchteten, der offenen Gesellschaft, der derzeitigen politischen Situation verhandeln.

Unwahrscheinliche Begegnungen

von Christian Holtzhauer

28. Januar 2016. 1953 verkündete Kurt Hirschfeld, Chefdramaturg und später Direktor des Zürcher Schauspielhauses, voller Optimismus: "Es beginnt das Zeitalter der Dramaturgie für das Theater!" Er wagte diese Prognose auf einem informellen Treffen von Dramaturginnen und vor allem Dramaturgen (in dieser Zeit war Dramaturgie selbstverständlich noch Männersache) mehrerer deutschsprachiger Theater und Verlage, die sich im damals noch nicht ummauerten West-Berlin versammelt hatten, um sich über ihr weitgefächertes Berufsfeld auszutauschen. Auf das erste Treffen folgten ein zweites und ein drittes, und 1956 wurde aus dem "dramaturgischen Arbeitskreis", wie er von den Teilnehmer*innen genannt wurde, ein eingetragener Verein – die Dramaturgische Gesellschaft (DG).

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