Die Einheit in der Vielheit

von Marcel Klett

23. Februar 2017. Die Diskussion über die Leitungsform der institutionalisierten Theater hat in den vergangenen Monaten an Intensität zugenommen – und immer wieder entzündet sich die Diskussion an Vorfällen, die zu beweisen scheinen, dass das traditionelle Leitungsmodell fehleranfällig ist. Wenn man nun feststellt, dass die Zahl der Einschläge zunimmt, und wenn gleichzeitig (endlich!) die Arbeitsbedingungen der künstlerisch Beschäftigten an den Theatern in Frage gestellt werden, muss darüber gesprochen werden, ob und wie die Art, Theater zu leiten, reformiert werden sollte.

Und die Nachspielbarkeit?

22. Februar 2017. Heute wurde die Auswahl der sieben Stücke bekannt gegeben, die für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert sind. Schon die Summe von 15.000 Euro, mit denen der Preis dotiert sind, machen ihn zu einem der wichtigsten Stückepreise des deutschsprachigen Gebiets. Aber auch die Aufmerksamkeit, die den Stücken und ihren Inszenierungen in Mülheim zuteil wird. Über die Auswahl, Stückentwicklungen, Nachspielbarkeit sowie das, was fehlt, spricht Georg Kasch in der neuesten Folge unseres Podcasts mit nachtkritik.de-Autorin und Jury-Sprecherin Cornelia Fiedler.

Heimvorteil

von Christian Rakow

9. Februar 2017. Das also soll die Generalmobilmachung des Theaters werden: Schluss mit den stationären Ensembletheatern, Schluss mit dem kostenintensiven Repertoiresystem mit wenigen Aufführungen pro Produktion. Schluss also mit dem traditionsreichen, luxuriösen Stadttheatermodell in deutschsprachigen Landen. Stattdessen Gastspieltheater, tourende Compagnien in Häusern mit einem Minimum an technischem Personal; weniger Produktionsstätten, mehr Aufführungen je Produktion, landauf, landab. So lauten im Kern die Verbesserungsvorschläge, die Dieter Haselbach auf nachtkritik.de mit dem ganzen Stolz des Reißbrett-Strategen der Kulturpolitik unterbreitet. Ein fröhliches back to the roots wäre das: zurück zu den vorshakespeareschen Zeiten der lustigen Wanderbühnen. Und heute drohen nicht einmal die Wegelagerer. Es droht einzig der tagelange Leerstand von Immobilien, wenn die Gaukler weitergezogen sind.

"Theater ist keine top-down-Veranstaltung"

Berlin, 6. Februar 2017. Am 8. Dezember 2016 wurde Klaus Lederer (Die Linke) als Kultursenator der neuen rot-rot-grünen Landesregierung von Berlin vereidigt – da hatte er bereits eine erste heftige Debatte angezettelt, indem er noch vor seiner Vereidigung ankündigte, die Verträge mit dem designierten Volksbühnen-Intendanten Chris Dercon zu überprüfen. Was ist daraus geworden, und wie stellt Klaus Lederer sich eine Kulturpolitik für Berlin vor? Sophie Diesselhorst und Christian Rakow haben mit ihm gesprochen.

Beharrungskräfte und institutioneller Wandel

von Dieter Haselbach

24. Januar 2017. Wie anfangen? Den Sektor Theater und Musik lassen sich die öffentlichen Hände in Deutschland 3,5 Mrd. Euro pro Jahr kosten. Das sind knapp 35 Prozent der öffentlichen Kulturausgaben oder 43 Euro pro EinwohnerIn und Jahr.

Arbeit und Struktur

von Stephanie Gräve und Jonas Zipf

Themen: Krisen des Intendantensystems in Trier und Bern | Künstler-Charisma vs. Unternehmensführung | Gegenbewegungen von unten: das Ensemble-Netzwerk et al. | Erfolgreiche Spartenautonomie in Mannheim und Dortmund Ein zeitgemäßes Alternativmodell: das Direktorium

18. Januar 2017. Zu Jahresbeginn geistert wieder ein Gespenst namens Performer durch die Theaterdebatten auf nachtkritik.de und anderswo, es scheint sich um eine Art Dementor zu handeln, der der Schauspielkunst das Leben aussaugt. Dabei kann doch das Theater beides vereinen, Performance und psychologisches Spiel, und tut es längst. Interessant allerdings ist, dass die Debatte häufig an Personen festgemacht wird: Da wird das Castorf-Theater gegen das Dercon-Theater in Stellung gebracht, da steht Kuratorengott Lilienthal gegen die Phalanx der intendierenden Regiegötter, und hie und da wird die Konfliktlinie der Spielstile kurzerhand gleichgesetzt mit den Konfliktlinien einer Strukturdiskussion, mit der Frage: Alleinherrscher oder Team? Eine Verkürzung, denn warum sollte ausgemacht sein, dass ein Kurator weniger Despot ist als ein Regisseur? Solange die Struktur Machtmissbrauch ermöglicht, kann es zu Machtmissbrauch kommen. Dringlich ist deshalb die Strukturfrage, und auch sie wird gestellt, befeuert durch Konflikte und Verwerfungen von Rostock über Trier bis Bern. Es geht zentral um die Rolle des Intendanten, und womöglich sind genau hier die beiden Debatten miteinander verknüpft: als unterschiedliche Ausprägungen desselben Unbehagens an den Machtstrukturen. Eines wachsenden Unbehagens angesichts der Übermachtposition eines Einzelnen, mit allen möglichen Konsequenzen von Angst und Abhängigkeit.

Quantensprung des Übersetzens

von Henning Bochert

9. Januar 2017. Theaterstücke für ein mehrheitlich deutschsprachiges Publikum werden nicht mehr notwendig auf Deutsch geschrieben. Erfahrene Autor*innen aus anderen Sprachräumen kommen zu uns, im Gepäck ihre Lebensgeschichten, und leben in Deutschland. Zwei Beispiele bereits arrivierter Autoren: Der Syrer Mohammad Al-Attar, dessen Stück Während ich wartete als Produktion des Kunstenfestivaldesarts in Brüssel nach Avignon eingeladen wurde, lebt jetzt in Berlin. Er produziert unter schwierigsten Bedingungen mit seiner syrischen Theatergruppe, deren Mitglieder in der Türkei, in Damaskus, in Ägypten leben. Peca Stefan, einer der bekanntesten rumänischen Theaterautoren, lebt ebenfalls in Neukölln. Er spricht kein Deutsch, schreibt aber für und produziert mit Gruppen unter anderem am Ballhaus Ost.

Theater im Zeichen des Horrorclowns

von Samuel Schwarz

21. Dezember 2016. Immer wieder kann man lesen oder hören, dass der Wahlsieg Donald Trumps ein möglicher Segen für die Kunst sei, weil nun – nach den langweiligen Jahren unter einer zu vernünftigen Obama-Administration – die Kunst wieder ein Feindbild zur Verfügung habe.

Ich stelle mir für diesen Text die Frage: Wie ist das denn für den Regisseur in mir?

Schadensbegrenzung mit Nachwirkungen

von Rainer Nolden

Trier, 15. Dezember 2016. Es war einmal eine beschauliche mittelgroße Stadt, in deren Mauern ein mittelgroßes Theater stand, in das die Menschen gerne gingen, um abgelenkt, zerstreut, unterhalten zu werden. Und dann begab es sich, dass der Chef dieses Theaters in den Ruhestand ging, also musste ein neuer Kopf her. Viele fühlten sich berufen, einer wurde auserwählt. Karl Sibelius versprach ein neues, frisches, ungewöhnliches Theater zu machen. Die neue Ära kam dann auch, aber mit ihr kam dann auch ganz schnell das Ende dieses Märchens.

Eine schlechte Kritik bedeutet ein leeres Haus

30. November 2016. Über die Krisen-Signale wurde bereits im Sommer berichtet. Armin Petras würden die Zuschauer davon laufen, hieß es. Die Auslastung sank binnen zwei Jahren von 145 000 auf 113 000 Besucher in der Spielzeit 2015/16, die Kritik wuchs. Kurzum: Die Chemie zwischen Stuttgart und Petras schien nicht mehr zu stimmen. Im Herbst versprach er noch einen Turnaround, dann wurde bekannt, dass Petras die vereinbarte Vertragsverlängerung bis 2021 doch nicht erfüllt und das Haus frühzeitig verlässt. Aus persönlichen und familiären Gründen, wie es vage hieß. Verena Großkreutz sprach mit ihm.

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