Freitag, 27. Januar 2012


die nachtkritik

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Kampfkunst in "Jackpot" © Erich Reismann

Wien, 27. Januar 2012

Allein auf dem Spielplatz

Stücke für ein gut gelauntes Frauenensemble sind rar gesät. Genau so eines will Jackpot von Réjane Desvignes sein, in dem sich vier Freundinnen treffen, allerdings ausgerechnet auf einem Spielplatz. Der stets in die Verbindung von Bühnen- und Filmgeschehen verliebte Regisseur Igor Bauersima hats nun am Wiener Theater in der Josefstadt inszeniert. Mehr darüber weiß Martin Pesl.

Ulm, 27. Januar 2012. Der deutsche Feldzug in Nordafrika hat ihm den Beinamen Wüstenfuchs eingebracht, jenem Feldmarschall Rommel, der von Hitler gefördert wurde, und dessen Verhältnis zum Nationalsozialismus und zur Widerstandsgruppe des 20. Juli bis heute Fragen aufwirft. Stephan Suschke kratzt jetzt in dem Stück Rommel am Theater Ulm an dem Mythos. Steffen Becker war dort.

Am Hamburger Thalia Theater finden bis zum 4. Februar die Lessingtage statt.

Ein Skandal war die Berliner Uraufführung, und fast 50 Jahre ist sie her. Was steckt heute noch in Rolf Hochhuths Stellvertreter, der Anklage gegen die katholische Kirche als um ihre Macht fürchtende Holocaust-Wegguckerin? Am Münchner Volkstheater hat sich Christian Stückl mit einem jungen Ensemble auf Expedition durch die Textmassen begeben – Michael Stadler berichtet.

Vertrauen, das krankheitsbedingt verloren geht: Von einem Tag auf den anderen halten Capgras-Patienten ihre Freunde, Lieben und Verwandten für Betrüger. Never mind – in den Sophiensaelen wird das rätselhafte Syndrom unter der Regie von Sommer Ulrickson umtanzt. Mehr von Nikolaus Merck.

Niederdeutsches Theater gibt es nicht nur bei Ohnesorgs in Hamburg. Auch bei der Fritz-Reuter-Bühne in Schwerin, seit immerhin 80 Jahren. Von Zeit zu Zeit wird dort sogar das Lachen hintangestellt. Wie für die Premiere von Dat Düwelswiew. Michael Laages war dort.

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bücher

pohl brasch

26. Januar 2012

Erlebt und erfunden

Dramatiker war er, Drehbuchautor, Regisseur, DDR-Flüchtling und Freund von Klaus Pohl, der jetzt sein Leben erzählt, in einem Roman, der das Gewesene ins Kleid der Fiktion hüllt. Ein Roman über Thomas Brasch also, unser Buch des Monats. Aber Kinder der Preußischen Wüste ist mehr als eine bloße Biographie-Erzählung, es ist auch Parabel über einen Künstler in einem Land, das Künstlern misstraute, weil sie im Gewand der Fiktion die Wahrheit zu sagen vermögen. Simone Kaempf weiß mehr.

Buchhinweise Januar: Na klar kann man vom Theater was lernen. Es weiß halt nur keiner, was genau. Und keine Frage: Theater ist so oder so immer auch politisch, irgendwie jedenfalls. Oder etwa nicht? Und überhaupt, gibt es nicht genügend Gründe, das Theater zu verachten, zu hassen gar? Solche Fragen zu stellen! Antworten gibt es in den Bücherhinweisen von Rainer Nolden und Dirk Pilz.

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kritikenrundschau

Die ersten Kritiken sehen durchaus eine Dringlichkeit in Christian Stückls Inszenierung und eine unbedingte Ernsthaftigkeit, sich mit dem Stoff auseinanderzusetzen. Wir fanden, dass es mit, durchaus angenehmer, Entschlossenheit um Bildung geht.

Das Spektrum der Pressestimmen zu Barrie Koskys Inszenierung reicht von angewiderter Wut bis zu rückhaltlosem Jubel. Heute kommt – fast zwei Wochen nach Premiere! – noch eine überregionale Begeisterung dazu. Da scheint was los zu sein in Frankfurt! Auch wir sind beeindruckt.

Alles sehr lebensnah und dabei wohltuend diskret inszeniert, so empfinden die Frankfurter Kritiker diese deutschsprachige Erstaufführung des Norén-Stücks durch Alexander Frank. Heute kommt eine überregionale Stimme dazu, die nicht begeistert ist. Wir auch nicht.

Nicht allzu ertragreich finden die Berliner und überregionalen Printkritikerinnen diese zeitgemäß unentschlossene sozialrevolutionäre Besinnung von Jette Steckel. Aus dem Radio und heute in der Welt ist dagegen Lob zu vernehmen. So urteilten wir.

Die dreisätzige Symphonie, die Johan Simons aus drei Sarah Kane-Stücken komponiert hat, begeistert alle Kritiker, wobei der erste Satz ("Gesäubert") noch arg gerupft, das Finale ("Psychose 4.48") aber dann zutiefst bewundert wird. Uns ging es ganz ähnlich.

Zwei von drei Berliner KritikerInnen sind begeistert oder wenigstens angetan von Spielkonzept und Ensembleleistung. Wir prinzipiell auch, aber mit Einwänden.

Vor Ort lobte man eingeschränkt, die überregionalen Kritiker sind kritisch, wir fanden die Unternehmung gut.

Hamburger Kritiker schildern für die überregionale Presse ihre Eindrücke dieses Gastspiels. Ein Salzburger Kritiker hat für uns aus Graz geschrieben.

Ein Kritiker vermisst viel, ein anderer wenig an dieser zweiten Inszenierung von Handkes Text. Wir mögen und vermissen zugleich.

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nachtkritik-krisometer

Wien, 26. Januar 2012

Gemeinsam gegen die Großen

Akut scheint die Krise der Wiener Off-Bühnen nicht zu sein, dennoch haben sich jetzt 19 von ihnen zur Plattform zeitgenössischer Theater- und Tanzhäuser zusammengeschlossen – prophylaktisch. Außerdem wollen sie so ihrer Forderung nach einer Gleichbehandlung mit den großen Bühnen Nachdruck verleihen. Mehr über diese Initiatve von Martin Thomas Pesl.

Halberstadt, 12. Januar 2012. Beim Nordharzer Städtebundtheater hält die Krise an – und der Kampf gegen sie. In ihrer Protestreihe "Text" präsentiert es nun ein Würfelspiel, bei dem vier Intendanten-Spieler gegeneinander antreten. Mehr hier.

Eben noch schien die akute Insolvenz abgewendet, jetzt drohen dem Mecklenburgischen Staatstheater drastische Sparmaßnahmen. Der Aufsichtsrat formulierte fünf Sparvorlagen, die der Generalintendanten jetzt prüfen soll.

Mehr zur finanziellen Situation der Theater

 

presseschau

27. Januar 2012

Am Rand immer groß

Vadim Glowna ist gestorben und in den Medien wird noch einmal daran erinnert, wie er als junger Mann nach Paris abhaute, dann doch zum Schauspielstudium nach Hamburg zurückkam, mit Gründgens, Zadek, Oskar Roehler arbeitete und nicht zuletzt selbst teils großartige Filme drehte. Zur Presseschau.

25. Januar 2012. Warum wechselt jemand aus dem wohlständigen Stuttgart ins finanziell und kulturpolitisch wackelige Weimar? In den Stuttgarter Nachrichten nennt Hasko Weber heute seine Gründe.

Kaum hat sich die letzte große Intendanten-Spekulation in Bonn mit der Absage von Dagmar Schlingmann in Luft aufgelöst, spekuliert man andernorts fröhlich drauf los. Diesmal geht es um das Berliner Maxim Gorki Theater, dessen Chef Armin Petras vor drei Monaten seinen Wechsel ans Staatsschauspiel Stuttgart ankündigte. In der Süddeutschen Zeitung werfen nun Peter Laudenbach und Till Briegleb verschiedene KandidatInnen-Namen für die Intendanz ins Feuilletonrund.

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