Freitag, 01. August 2014


die nachtkritik

forbidden2 280 sbf stephencummiskey u"The Forbidden Zone" © Stephen CummiskeySalzburg, 31. Juli 2014

Selbstmörderisch protestieren

Oft sind es die Frauenfiguren neben dem Rampenlicht, die die Regisseurin Katie Mitchell interessieren. So auch in The Forbidden Zone: Mitchell nähert sich dem Ersten Weltkrieg durch Frauen an, deren Einfluss in der männlich geprägten Militärgesellschaft stark eingeschränkt war. Wieso manche dieser Frauen deshalb zum Äußersten greifen mussten, berichtet Hartmut Krug.

Eigentlich ist das Scheitern programmiert beim Versuch, Karl Kraus' Die letzten Tage der Menschheit zu inszenieren, diese gut 200 Szenen über die Absurdidät und Unfassbarkeit des Ersten Weltkriegs. Die Frage ist nur, auf welchem Niveau. Bei den Salzburger Festspielen ist Regisseur Georg Schmiedleitner für Ex-Burgtheater-Intendant Matthias Hartmann eingesprungen, Michael Laages hat sich das Ergebnis angeschaut.

800 Gouachen, die ihr Leben, die Flucht ins südfranzösische Exil, den Tod darstellen: das ist Charlotte Salomons Zyklus "Leben? Oder Theater?". Die Arbeiten wurden in den sechziger Jahren wiederentdeckt, ihr Leben verfilmt, auf der Documenta 2012 waren die Gouachen ausgestellt. Für die Salzburger Festspiele hat Marc-André Dalbavie nun die Oper Charlotte Salomon komponiert, Luc Bondy hat den Klang der Bilder inszeniert. Mehr darüber von Thomas Rothschild.

Der Ring des Nibelungen, in Szene gesetzt vom ewigen Volksbühnen-Zampano Frank Castorf, geht bei den Bayreuther Festspielen in seine zweite Saison. "Ein wirkliches Konzept fehlt natürlich nach wie vor", weiß dpa bereits nach dem Auftakt mit "Das Rheingold" zu vermelden, um sich dann darüber zu wundern, dass das Publikum die Aufführung trotzdem feierte. Muss wohl an den Sängern liegen, grummelt die Agentur. Wir wurden auf der Suche nach Konzepten im Vorjahr durchaus fündig. Wolfgang Behrens berichtete von Rheingold, Walküre, Siegfried und Götterdämmerung. Gestern Abend hatte nun "Walküre" seine Zweit-Premiere.

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presseschau

30. Juli 2014

In Krisenzeiten

Die tageszeitung blickt nach Griechenland, wo sich ein vorher so nicht gekannter Rechtspopulismus breit macht. Dagegen wehren sich Theatermacher – mit Inszenierungen und Festivals. Zur Zusammenfassung.

30. Juli 2014: Die Schweriner Volkszeitung mutmaßt über die Nachfolge von Generalintendant Joachim Kümmritz (der in Personalunion gerade auch Neubrandenburg / Neutrelitz leitet). Alle Namen stammen aus dem Haus selbst. Mehr in der Zusammenfassung.

30. Juli 2014: Sommerlochzeit ist Lobbyzeit: In der Neuen Zürcher Zeitung erläutert Schauspieler, Regisseur, Autor und Vorstandsmitglied von art but fair Schweiz e.V. Daniel Ris die Arbeit und erste Erfolge seines Vereins.

Der Kulturbetrieb der Kaserne Basel unter der Leitung von Carena Schlewitt geht in die sechste Spielzeit. Und der Erfolg dieses Orts für die freie Szene mit Theater, Tanz, Performance und innovativer Popmusik hängt ganz klar mit ihr zusammen, lobt die Neue Zürcher Zeitung. Mehr in der Zusammenfassung.

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kritikenrundschau

Zwischen Langeweile, Wut und Milde bewegt sich die Kritik. Wir waren nicht milde.

Deutlich scheiden sich die Geister: Ist Marc-André Dalbavies Musik nun genial oder rückwärtsgewandter Kitsch? Stemmt sich Luc Bondy dagegen oder lässt er sich von der Musik (davon)tragen? Wir waren tendenziell für das Unternehmen.

Die überregionalen Kritiker sind angereist, um die Uraufführung von HK Grubers Oper bei den Bregenzer Festspielen zu begutachten. Alle waren angetan bis begeistert mit nur kleinen Abstrichen. Auch wir hörten eine starke Vertonung.

Die überregionalen Kritiker sind skeptisch. Skeptischer als wir.

Weder der aus Auftrags-Blogtexten prominenter Autoren generierte Stücktext noch seine theatrale Umsetzung vermögen den Zeitungskritiker zu überzeugen – uns schon.

Viel Licht und viel Schatten haben die Feuilletons beim letzten Wormser Nibelungen-Sommerspektakel in der Ära Dieter Wedel gesehen. Wir waren sehr angetan.

Recht unterschiedlich beurteilt die schwäbische Presse die Premiere von Johanna Schalls "Hamlet"-Deutung. Wir beurteilten versehentlich die Voraufführung.

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gemein & nützlich – blog

tannhuser bayreutherfestspieleenriconawrathBiogasanlagendefekt in Bayreuth?
© E. Nawrath
26. Juli 2014

Zuerst hieß es, es sei nur eine Panne. Doch was dann herauskam, hat uns wirklich geschockt.

Was war los bei der Eröffnung der Bayreuther Festspiele? Ein Skandal, so viel ist klar. Horst Seehofer hat über die Geschehnisse anscheinend sogar eine SMS an die abwesende Angela Merkel geschrieben. Was wirklich passierte, steht im Blogeintrag von Matthias Weigel.

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magazinrundschau

collage mrundschau7 richtigDie Theatermagazine im Juli

24. Juli 2014

Wir müssen die Strukturen mit dem Ausland infizieren

In diesem Monat blicken Theater heute und Die deutsche Bühne – Theater der Zeit macht Sommerpause – in die Schweiz, in den Frankfurter Mousonturm, auf die Extrem-Performerin Angélica Liddell und auf ein theaterkritisches Twitter-Experiment. Genaueres in der Magazinrundschau Juli von Wolfgang Behrens.

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Texte der Saison

Whiteboard im Writers Room Dramatikers Zettelkasten 27. Juli 2014

Aufbruch zu neuer Relevanz

Spielzeitpause. Zeit, zurück auf die vergangene Saison zu schauen – auf Überblickstexte und Debattenbeiträge, die wir Ihnen als Sommerlektüre noch einmal ans Herz legen möchten. Heute:

Das Theater braucht Dramatiker, aber auch ein Vorwärts zu neuen Erzählformen, neuen gesellschaftlichen Themen, neuer Relevanz, das beschreibt Autor und Theaterautor Ulf Schmidt, der als Folge einen Writers Room an den Theatern fordert, in dem kollektiv organisiert an Texten gearbeitet wird. Und in seinem Text zum Agilen Theater denkt er darüber nach, wie das zukünftige Theater in der Netzgesellschaft aussehen könnte.

Wem gehört das Theater? Wie sieht das Theater der Zukunft aus? Diesen Fragen stellte sich der Dramaturg und Dramatiker Björn Bicker in einer Rede am Wiener Burgtheater im Oktober 2013. Er beschreibt das aktuelle Theater als eine "Parallelgesellschaft mit Ausschlusscharakter" und plädiert dafür, die Theater zu öffnen und zu einem Raum der konkreten politischen Praxis zu machen.

 

porträt & profil

zentrum fuer pol sch 2 280 ruben neugebauer u"Kindertransporthilfe" – nicht vom Familienministerium, sondern dem Zentrum für Politische Schönheit  © Ruben Neugebauer

15. Juli 2014

"Wir wollten Blut und bekamen Liebe"

Was ist eigentlich aus den 55.000 syrischen Flüchtlingskindern geworden? Die das Familienministerium seit Mai nach Deutschland holen will? Dass hinter der täuschend echt kommunizierten Aktion das Zentrum für Politische Schönheit steckt, ist seit den flächendeckenden Medienberichten bekannt. Aber welche größeren Ziele verfolgt die "Organisation"? Und wie viel Theater will man überhaupt machen? Sophie Diesselhorst porträtiert die Aktionskünstler.

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debatte

Juli 2014

Der Schritt ins Gewichtige

Das Spielzeitende ist da. Und weil man oft vom Ende her die Anfänge besser sieht, lohnt der Blick auf eine Meldung, die jüngst über den Ticker lief – diejenige zur Reform der Autorentheatertage in Berlin: Aus Werkstattinszenierungen sollen Uraufführungen werden, aus Nachwuchsdramatikern etablierte Autoren und aus einem Alleinjuror ein mehrköpfiges Gremium. Was ist das für ein Signal an die Theater und an die neue Dramatik? Simone Kaempf kommentiert.

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bücher

cover junge stuecke22. Juli 2014

Souveränität wegnehmen

Auf den Zeitungsseiten der Literaturkritik gab es jüngst mal wieder eine Welthaltigkeitsdebatte, in der den Werken der jungen Schriftsteller fehlende vorgeworfen wurde. Junge Stücke untersucht nun ein von den Theaterwissenschaftlern Andreas Englhart und Artur Pełka herausgegebener Sammelband nicht nur, aber auch in dieser Hinsicht und kommt zu weniger alarmierenden Schlüssen – und einem Schluss mit Nis-Momme Stockmann, der seine Autorengeneration gewohnt flammend verteidigt. Es las und schreibt Christian Baron.

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der monat

Was bespricht nachtkritik.de?

Alle Premieren, die nachtkritik.de im Juli 2014 bespricht.

Alle Monate der Saison 2013/14:

Vergangene Spielzeiten

 

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