Freitag, 31. Oktober 2014

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die nachtkritik

kaputt logo 280 volksbuhene"Kaputt" © Volksbühne Berlin

Berlin, 31. Oktober 2014

Kein Kaputt

Es tut uns Leid! Das war gestern wirklich gar nichts mit der heiß ersehnten Premiere von Frank Castorf an der Volksbühne, denn sie hat schlicht und ergreifend nicht stattgefunden. Kaputt nach Kurt Erich Suckert, der sich Curzio Malaparte nannte, musste aufgrund einer Verletzung der Schauspielerin Jeanne Balibar um eine Woche verschoben werden. Sinnigerweise haben wir die entsprechende Nachtkritik gleich mitverschoben.

Was passiert, wenn fünf Frauen auf eine Preisverleihung warten, bei der nur eine gewinnen kann? Richtig: Sie zerfleischen einander. Jedenfalls bei Theresia Walser, komödiengestählte Dramatikerin. Für den Mannheimer Theaterchef Burkhard C. Kosminski hat sie wiederholt Auftragswerke geschrieben, nun also nach bewährtem Strickmuster Herrinnen. Die Uraufführung sah Esther Boldt.

Gerade tourt das palästinensische Ashtar Theatre durch Deutschland: In ihren Gaza-Monologen erzählen Jugendliche vom Alltag zwischen Schule und Terror. Friederike Felbeck ließ sich beeindrucken.

Es ist beileibe nicht die erste Finanzkrisenshow auf deutschen Bühnen, aber es ist eine der unterhaltsamen und zugleich hirnaktivierenden Sorte: Unter dem Titel Gespenster des Kapitals nimmt Hermann Schmidt-Rahmer am Schauspiel Bochum Balzacs Salonkomödie "Mercadet le faiseur" zum Sprungbrett für ein dokumentarisch aufgeladenes, satirisch sprudelndes Horrorspektakel – zur Freude von Stefan Keim.

Eben noch stemmte Sebastian Nübling auf der Suche nach dem Teutonischen eine Nibelungen-Version nach Hebbel ins Berliner Gorki Theater, schon kommt am Thalia Theater Hamburg Antú Romero Nunes um die Ecke, um mit Rheingold / Walküre die erste Hälfte von Wagners Ring-Libretto zu servieren – ohne Musik, aber mit Spaß am Fantasy-Pulp. Wie das ausging, sagt Falk Schreiber.

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presseschau

31. Oktober 2014

Brecht und sein iPad

In der Tageszeitung Welt befasst sich der Schriftsteller Joachim Lottmann mit dem Vorschlag des Berliner Kulturstaatssekretärs Tim Renner, Theaterpremieren per Livestream in den virtuellen Zuschauerraum zu übertragen – mit spitzen Fingern. Die Zusammenfassung.

31. Oktober 2014. Im Interview mit der Wiener Tageszeitung Der Standard erzählt die Schauspielerin Elisabeth Orth, der heute die Burgtheater-Ehrenmitgliedschaft verliehen wird, unter anderem, dass sie Schwierigkeiten mit Elfriede Jelineks Textkaskaden hat und eigentlich gerne mal das Gretchen gespielt hätte.

30. Oktober 2014. Die Frankfurter Rundschau berichtet über einen Kongress zu Energieeffizienz in hessischen Theatern, der neue Erkenntnisse und Forderungen apropos energiesparendes Lichtdesign hervorgebracht hat. Die Zusammenfassung.

30. Oktober 2014. "Die Kultur wird überall an die Seiten gedrängt. Da müssen wir gegenhalten", sagt Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner im Interview mit der "Welt". Berlin könne zum ersten Mal in seiner Geschichte "dauerhaft Vorbild sein". Renner gewährt außerdem Einblicke in seinen Politiker-Alltag und erklärt, warum er eine ironische Distanz dazu für unabdingbar hält. 

"Glauben oder nicht glauben ist eine private Angelegenheit. Das Theater jedoch ist etwas Religiöses", sagt Romeo Castelluci im Gespräch mit Barbara Villiger Heilig von der NZZ. "Nicht wegen der Inhalte. Sondern wegen der Struktur: Menschen versammeln sich vor einem Bild. Diese Begegnung ermöglicht einen Kontakt. Es passiert etwas, was über Worte hinausgeht."

"Schlingensief wühlte in Wunden, aber seine Kunst kam über die Provokation nicht hinaus. Bicker, Jelden und Graessner provozieren nicht. Sie helfen." Und zwar mit dem Hamburger Stadtteilprojekt New Hamburg. Das zumindest schreibt Ulrich Stock in der Zeit, und schildert das Besondere dieses Projekts.

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debatte

anno 1404 280 screenshot2Entdeckt Theater das Digitale wie einst die
Konquistadoren die neuen Kontinente? – hier
im Computerspiel "Anno 1404" (Screenshot)

28. Oktober 2014

Kalifornische Ideologie

Die Dramaturgen ließen sich jüngst auf ihrer Zentraltagung vom Know-How des Silicon Valley predigen, und das Festival Theater der Welt eröffnete mit Hacker-Ikone Jacob Appelbaum. Auch auf nachtkritik.de sprießen Debatten über Live-Gaming, Livestreaming und Tweetups. Zeit, diesen Diskurs auf seine ideologischen Hintergründe zu befragen. Ist die neue Mediengläubigkeit Ausdruck einer Entpolitisierung des Theaters? Fragt der Medien- und Theaterwissenschaftler Ulf Otto.

Vergangene Woche erschien an dieser Stelle in der Artikelserie zur Zukunft des Stadttheaters das Plädoyer von Matthias Weigel "Reißt die Mauern der Tradition ein!", in dem er sich das Stadttheater in seinem gegenwärtigen Zustand vorknöpfte und im selben Atemzug eine Vision für seinen Umbau im Zeichen der Kunstfreiheit entwarf. Heute antwortet der Dortmunder Dramaturg Alexander Kerlin, der Weigels Text in einem wesentlichen Punkt widerspricht.

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gemein & nützlich – blog

screenshot kommentare

29. Oktober 2014

Ihr dummen Kritiker-Honks!

Hier zur Abwechslung mal ein paar Kommentare, die wir im Oktober auf nachtkritik.de NICHT veröffentlicht haben. Damit ihr mal wisst, was ihr so verpasst ...

Jüngst forderte Tim Renner, Berliner Kultur-Staatssekretär für Kultur, dass die großen Sprechtheater und Opern ihre Aufführungen per Live-Streaming übertragen sollen. Einige Theater sind längst schon soweit, das Theater Ulm zum Beispiel hat gestern Abend live gestreamt. Zeit, endlich auch hinzuschauen. Ein Testbericht von Georg Kasch.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier spricht im Berliner Maxim Gorki Theater über die urmythisch deutschen Nibelungen mit postmigrantisch deutschen Theatermachern. Wenn das kein Knüller ist! Zumindest der Ankündigung nach. Esther Slevogt schaute vorbei, machte ein Foto (siehe oben) und sah auch beinahe einen Trikottausch.

Am Sonntag lief ein Tatort, der, glaubt man den begeisterten Tweets, in die Theatergeschichte eingehen müsste: Shakespeare! Tragödie! Inszenierung! Und dann erst die Besetzung mit lauter Theatergesichtern. Aber welches Theaterbild vermittelt eigentlich "Im Schmerz geboren"? Anne Peter macht sich Gedanken.

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kritikenrundschau

Die zahlreich erschienenen Kritiken bemängeln zum nicht kleinen Teil eine gewisse komödiantische Plattheit von Theresia Walsers neuem Stück, andere sprechen hingegen von virtuoser Konstruktion. Wir entdeckten im Witz sogar die Bitterkeit.

Voller Klamauk, aber auch voller Erkenntnisse über die Finanzwirtschaft steckt dieser Abend nach Ansicht der Lokalkritik – die heute hinzukommende überregionale Stimme ist verhältnismäßig skeptisch. Uns begeisterte die scharfe Finanzmarkt-Horror-Show.

Victor Bodós Trashthriller entzückt die österreichischen Kritiker. Wir sagten: Puh!

Da scheint ja eine Menge los zu sein, beim "Ring" ohne Musik am Thalia Theater – aber so viel dann auch wieder nicht, meinen die Kritiker. Und sind damit recht nah bei uns.

Die Kritiker sahen Schrott, Matsch und "geht gar nicht", das Gorki "hat nicht geliefert", schreibt heute die Wochenzeitung. Wir sahen auch nicht mehr.

Die meisten Kritiker bleiben doch eher skeptisch gegenüber Jan Bosses hochkarätig besetzter Inszenierung von "Dantons Tod", heute kommt eine wohlgesonnene Stimme hinzu. Wir sahen den Fatalismus walten.

Intensive Momente entdecken alle regionalen Kritiker in diesem Abend. Für einen ist er ein wenig zu sehr über Bande gespielt. Wir sahen, wie große Politzusammenhänge individuell greifbar gemacht wurden.

Nicht nur die Lokalkritik ist berauscht von Roberto Ciullis Inszenierung. Auch die überrregionale Kritik sieht das Theater durch die Schönheit der Bilder poetisch ins Recht gesetzt. Eine Schönheit, die auch uns begeisterte.

Kafka ja, aber so dann doch bitte nicht!, stöhnen die lokalen Kritiker gequält. Wir waren da ganz anderer Meinung und stöhnten gar nicht.

Schwerer Stoff, nicken die Kritiker anerkennend und sehen zugleich Stück und Inszenierung unter dieser Schwere ächzen. Wir fanden das Kantige rund.

Ein Mordsspaß, mit dem Zeug zum kultigen Dauerbrenner – die Kritiken schwärmen in höchsten Tönen von diesen Erkundungen einer schwülen katholischen Aufklärungsliteratur. Auch unser Daumen ging hoch.

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gemein & nutzlos – diagramme

gun27

28. Oktober 2014

Vom Aussterben bedroht

Für alle halbseidenen Beobachtungen, die in Theaterkritiken aus guten Gründen keinen Platz finden, gibt es auch eine Verwendung: die manchmal gemeinen, aber stets nutzlosen Diagramme, Grafiken und Listen. Heute: Die Wahrheit über aus der Mode gekommene Theatermittel.

Für alle halbseidenen Beobachtungen, die in Theaterkritiken aus guten Gründen keinen Platz finden, gibt es auch eine Verwendung: die manchmal gemeinen, aber stets nutzlosen Diagramme, Grafiken und Listen. Heute: Die Wahrheit über die Dienstperioden deutscher Intendanten.

Für alle halbseidenen Beobachtungen, die in Theaterkritiken aus guten Gründen keinen Platz finden, gibt es auch eine Verwendung: die manchmal gemeinen, aber stets nutzlosen Diagramme, Grafiken und Listen. Heute: Wer im Theater auf den Randplätzen sitzt.

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filme & dvds

spw puls 280 ijb kai miedendorp uDie Schauspielerin Wiebke Puls mit ihrem
Interviewer Matthias Lilienthal
© ijb | Kai Miedendorp

22. Oktober 2014

Was in uns lügt, mordet, stiehlt

Schwindel der Wirklichkeit ist das spartenübergreifende Projekt der Berliner Akademie der Künste überschrieben, das den Taumel untersucht, in dem sich die Künste durch die Digitalisierung befinden: auch das Verständnis, was eigentlich Schauspielkunst (noch) ist. Die Doppel-DVD Spielweisen beleuchtet in Gesprächen mit Schauspielerinnen und Schauspielern zehn Berufsauffassungen. Mehr von Nikolaus Merck.

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bücher

cover gert voss auf der buehne

21. Oktober 2014

Der Logiker im Liegestuhl

Nicht weniger als siebzehn Shakespeare-Rollen verkörperte er im Laufe seines Lebens. Im Juli dieses Jahres starb Gert Voss, der "wahnhafte Figuren-Logiker". Im Buch Gert Voss auf der Bühne nähern sich seine ehemaligen Weggefährten nun seinem Können, versuchen es zu beschreiben, zu erklären. Und verraten, welcher Regisseure Voss am meisten prägten – noch vor Peter Stein und Luc Bondy. Thomas Rothschild berichtet von der Lektüre dieser Werkschau und Würdigung.

Wer auf den Grund von Christoph Marthalers Theater schauen will, muss nur lange genug in ein Bierglas schauen. So ulkte man, als Marthaler mit dem "Wurzelfaust" oder "Kasimir und Karoline" seine großartigen ersten Arbeiten vorlegte, in denen das Sitzen, Schauen, Zeit vergehen lassen eine große Rolle spielte. Aber so leicht ist seiner Arbeit natürlich nicht beizukommen. In dem TdZ-Arbeitsbuch gibt der Regisseur Einblick in seine Denk- und Produktionsweisen. Die Interviews sind begleitet von Materialien aus seinen Arbeitsbüchern, die während der Proben entstehen. Mehr von Simone Kaempf.

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magazinrundschau

collage 10-14

15. Oktober 2014

Das Tourette-Ding der Weißen

In diesem Monat operieren Theater der Zeit und Die deutsche Bühne mit gewichtigen Themensetzungen: Blackfacing hier, Theater und Krieg dort. Theater heute lässt derweil Großintellektuelle wie Diedrich Diederichsen und Günther Rühle zu Wort kommen. Mehr in der Magazinrundschau Oktober von Wolfgang Behrens.

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kommentar

karinbergmann intendantin 280 burgtheater uOffizielles Burgtheaterfoto von Intendantin
Karin Bergmann © Burgtheater

14. Oktober 2014

Es wird weiter gemistet

Nun ist es offiziell: alle Kandidaten, die vorschnell die Pferderl des Intendantenkarussels aufgesattelt hatten, hat die Wiener Kulturpolitik im Galopp wieder abgeworfen. Ernannt wurde Karin Bergmann, seit Matthias Hartmanns Rauswurf Interimsintendantin des krisengeschüttelten Hauses. Sie wird noch bis 2019 die Geschicke dieses Theaters lenken. Und nun? Beginnt jetzt die große Sumpfausheberei? Dirk Pilz kommentiert.

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porträt & profil

evaktuieren1 mainz 280 akira takayama c matthias pees xAkira Takayama inszeniert "Evakuieren"
© Matthias Pees

14. September 2014

Krieg ist die Parole

Ein kolossales Großprojekt hat der japanische Regisseur Akira Takayama zum Saisonstart für die Rhein-Main-Region ersonnen. Evakuieren ist ein Flucht- und Rettungsplan für Alltagsaussteiger mit rund vierzig Stationen in Frankfurt, Darmstadt und Mainz. Einheimische und internationale Künstler bespielen die Fluchtpunkte. In die Verschnittflächen der Großstadt begab sich Esther Boldt.

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