Donnerstag, 20. Juni 2013

Die Top 10 des Theaters

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die nachtkritik

iwanow1 280 mani lotfizadeh u© Mani LotfizadehHannover, 20. Juni 2013

Die Farbe der Revolution

Ahmadinedschad ist nicht mehr im Amt. Doch ob das für den Iran einen Aufbruch bedeutet, kann noch niemand sagen. Ziemlich weit entfernt vom Aufbruch jedenfalls ist Anton Tschechows Lethargieheld Iwanow, den der Regisseur Amir Reza Koohestani in der Eröffnungsinszenierung des Festivals Theaterformen zum Sinnbild einer gesellschaftlichen Diagnose macht. Stephanie Drees hat das überzeugt.

Berlin, 20. Juni 2013. Vier Berliner reisen zum Mond und lassen es dort seitensprünglerisch krachen. So könnte man den Inhalt von Paul Linckes Operette Frau Luna zusammenfassen. Krachen lässt es natürlich auch Herbert Fritsch, bei dem die Sterne fahren Fahrrad fahren und Frau Luna eine Mischung aus Madonna und Rita Hayworth ist. Georg Kasch berichtet.

Oldenburg, 20. Juni 2013. "Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!" Olle Bert Brecht war wirklich ein begnadeter Sprüchemacher. Aber was kroch eigentlich aus welchem Schoß? Marc Becker hat versucht, den Aufhaltsamen Aufstieg des Arturo Ui konsequent Marktwirtschaft-kritisch zu lesen. Was dabei herauskam, sagt Andreas Schnell.

Und zuletzt: die Lange Nacht der Autoren! Traditioneller Abschluss und Höhepunkt der Autorentheatertage am Berliner Deutschen Theater. Sigrid Löffler hatte die Stücke ausgesucht, "Welthaltigkeit" gefordert und Uta Bierbaums Die Schweizer Krankheit, Olivia Wenzels Exzess, mein Liebling und Schwäne des Kapitalismus von Matthias Naumann gefunden. Das DT richtete drei Werkstattinszenierungen aus, André Mumot hat zugeschaut.

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debatte

ursprung 4 280 nik schoelzel uKünstlerische Einbuße? "Ursprung der Welt" am am Theater Augsburg © Nik Schölzel

Augsburg, 19. Juni 2013

Stadttheater – für wen?

Wieso soll ausgerechnet das Theater nachholen (können), was in den letzten 50 Jahren Einwanderungsgeschichte verschlafen wurde; nämlich die Integration zu fördern? Das fragt sich im schwäbischen Augsburg die eine Hälfte, während die andere Hälfte gerade einen "Leitfaden Interkultur" verabschiedet hat. Darin wird zwar nicht konkret eine Migranten-Quote gefordert, doch schon sieht man die guten (deutschen?) Qualitätsstandards absaufen. Willibald Spatz zur Debatte der interkulturellen Öffnung.

Auf der Bühne verhandeln die Theater gern die letzten Fragen rund ums Gute, Schöne und Wahre. Erst kommt die Moral und dann das Fressen. Aber im Betrieb dahinter sieht es in der Regel anders aus: Da dominieren streng hierarchische Strukturen, ungleiche Löhne für Frauen und Männer; es mangelt an demokratischer Partizipation. Zeit, das Wertesystem zu überdenken: Warum wir eine Unternehmensethik für das Theater brauchen, erläutert der Regisseur und Schauspieler Daniel Ris.

Geht es bei der Blackfacing-Debatte um die Verteidigung der Kunstfreiheit? Oder geht es darum, dass man kein Rassist sein muss, um trotzdem rassistisch zu handeln? Nach dem Theatertreffen-Gastspiel von Sebastian Baumgartens Zürcher Brechtinszenierung Die Heilige Johanna der Schlachthöfe kam es zu Protesten, denen jetzt als Nachspiel eine Diskussionsrunde folgte. Ob es zu einer Annäherung der Positionen kam, weiß Esther Slevogt.

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presseschau

18. Juni 2013

In luxuriöser Lage

Bilanz der Intendanz von Luc Bondy und der Programmdirektion von Stefanie Carp bei den Wiener Festwochen im Nachrichtenmagazin Profil, der tageszeitung und im Standard. Stefanie Carp beschwert sich über Wien, ihr gewesener Intendant Luc Bondy antwortet. 

Zum Abschied von Armin Petras vom Berliner Maxim Gorki Theater würdigt heute auch die Süddeutsche Zeitung die Leistungen des Intendanten. Hier die Zusammenfassung.

Die Mitteldeutsche Zeitung betrachtet mit Entsetzen die Kulturpolitik in Sachsen-Anhalt. Und sie nennt Gründe für die Misere.

Die Berliner Zeitungwirft noch einmal einen Blick auf das weiblich dominierte Programm der Autorentheatertage am Deutschen Theater.

Die angekündigte Reduzierung der Landeszuschüsse und die dadurch erzwungene Verkleinerung der Theater- und Orchesterlandschaft von Sachsen-Anhalt hat einen gewaltigen Schock bei Kommunalpolitikern und Theaterleuten ausgelöst. Zumindest wenn man den Berichten der Mitteldeutschen Zeitung aus dem kulturpolitischen Krisengebiet Glauben schenken will.

Die Frankfurter Rundschau bringt ein Gespräch mit dem Intendanten des Nationaltheaters in Ungarn Róbert Alföldi, der demnächst von Attila Vidnyánszky abgelöst werden wird.

Zum Anlass seines Abschiedes aus Berlin gibt es derzeit in Berliner Zeitungen ein Dauergespräch zwischen den Feuilleton-Redakteurinnen und Armin Petras. Heute waren die taz und die Berliner Morgenpost damit befasst.

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porträt & profil

attilavidnyaszky 280 nn-uNeuer Intendant des Nationaltheaters in Budapest: Attila Vidnyánszky

12. Juni 2013

Schlamm der Wirklichkeit

Mit der neuen Spielzeit wird Attila Vidnyánszky Intendant des Budapester Nationaltheaters. Die Entscheidung löste in Ungarn Debatten aus. Denn Vidnyánszky ist zwar ein bedeutender Theater- und Opernregisseur, aber als Berater der Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán auch mächtiger Akteur in den Kulturkämpfen der letzten Jahre. Attila Vidnyánszky im Interview mit Esther Slevogt.

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kritikenrundschau

Die Berliner und die überregionale Kritik begegnet diesem Abend milde bis zaghaft kritisch. Nun auch noch die SZ. Wir waren insgesamt ziemlich begeistert.

Alle Kritiker_innnen beklagen den "grausamen Jux", den Martin Laberenz sich mit dem Stück von Matthias Naumann erlaubt habe. Im Ganzen ist ihr Blick auf dieses Event am DT etwas wohlwollender als unserer.

Die eine Hälfte der Zürcher Großkritik findet dem Neuenfels seine kleine Schreibtischfantasei einen Quark. Die andere Hälfte und der deutsche Kollege sind milder. So sahen und hörten wir es.

Gewogen zeigen sich die Kritiker, nicht hellauf begeistert, ähnlich wie wir.

Geteilter Meinung sind die Kritiker vor Ort über diesen Abend, den wir eher kühl betrachteten.

Von Abschiedsschmerz umflort ist der Blick des Kritikers aus dem benachbarten Verlagshochhaus. Wir fanden die zweite Abschieds-Inszenierungen-Lieferung stärker als die erste.

Ein Old-Schooler jauchzt und frohlockt. Andere Kritikerinnen und Kritiker verhalten sich ruhiger. Verhaltener Jubel bei uns.

Die Wiener Kritik schaut dem Belgischen Performerduo in die Karten und gibt sich etwas desillusioniert. Wir nicht.

Eher gemischt fallen die Stimmen zu diesem Abend aus. Der uns auch nicht sonderlich vom Hocker riss.

Mit überwiegender Zustimmung widmet sich die Kritik der Inszenierung des Frühwerks eines späteren Nazis. Die wir deutlich kühler betrachtet haben.

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theaterbriefe

beirut-iv 560 fritz-engel hExport nach Beirut: "X Apartments" in der libanesischen Hauptstadt. © Fritz Engel

Beirut, 16. Mai 2013

Stadtbeglückung in Nahost

Was macht eigentlich Ex-HAU-Chef Matthias Lilienthal? Ist der nicht in Beirut? Ja, genau. Er unterrichtet und vermengt mit seinen Studenten auch dort Kunst und Leben. Sein Theaterformat "X Wohnungen" hat er als X Apartments Beirut mitgebracht. Der Fotograf und Autor David Baltzer ist mit auf Tour gegangen.

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bücher

beackerwozu theater

Buch des Monats: Mai 2013

Das kann man sich schon fragen: Wozu Theater? Viele fragen ja auch immer wieder. Nur mit den Antworten hapert es meist. Entweder fallen sie zu vage oder zu verstiegen aus. Dirk Baecker, Soziologe von Beruf, hat nun also auch wissen wollen: Wozu Theater? Wer auf eine pfiffige Ach-deshalb-Antwort hofft, wird von seinem Buch allerdings enttäuscht. Warum es sich dennoch lohnt, weiß Ulf Schmidt.

Buchhinweise Mai 2013: Die DVD Kaminski ON AIR mit Der Ring des Nibelungen, Halina Hackerts Studie zu Schleefs Roman Gertrud und Christoph Menkes Philosophie über Die Kraft der Kunst, besprochen von Wolfgang Behrens und Dirk Pilz.

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