Donnerstag, 17. Mai 2012

Die Top 10 des Theaters

Jeden Mittwoch NEU!

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die nachtkritik

aranjuez1 280 ruthwaltz u"Die schönen Tage von Aranjuez" © Ruth Walz

Wien, 16. Mai 2012

Rabenschwarze Diagnose

Eine Frau, ein Mann und Worte, nichts als Worte – das ist die Konstellation in Peter Handkes neuem Text Die schönen Tage von Aranjuez. Uraufgeführt hat die Meditation über das Entschwinden der Liebe jetzt Luc Bondy in Starbesetzung am Wiener Burgtheater als einen der wesentlichen österreichischen Beiträge zu den Wiener Festwochen. Reinhard Kriechbaum war dabei.

Berlin, 16. Mai 2012. Bei der Bonner Premiere hatten wir Lukas Langhoffs Inzenierung von Henrik Ibsens Demokratiebefragung Ein Volksfeind nicht auf dem Schirm, jetzt liefern wir nach: Ist da mehr als Kabarett und dicker Pinsel? Wolfgang Behrens hat eine Antwort.

Stefan Pucher goes Musiktheater. Eingeladen vom Theater Basel inszeniert der große Bilderzauberer zum ersten Mal eine Oper. Seelenverwandter Weise hat er sich ein barockes, sinnenfreudiges Werk ausgesucht: Ariodante von Georg Friedrich Händel. Von Liebeswirren, Leid, Intrigen, Ritterkämpfen, einem echten Gottesurteil und überhaupt von einem durch und durch fabulösen ästhetischen Ereignis berichtet Charles Linsmayer.

In Melancolia y manifestaciones erzählt die Argentinierin Lola Arias von ihrer Mutter und deren Leben zwischen Depression und Aufbegehren. Die Wiener Festwochen eröffnen damit ihren Lateinamerika-Schwerpunkt. Reinhard Kriechbaum war bei der Premiere.

Ende der siebziger Jahre ließ Botho Strauß die in Scheidung lebende Lotte nicht nur durch ein ganzes Land reisen, sondern auch durch eine Zeit mit ihren Sehnsüchten und Unhaglichkeiten, der ansonsten materiell nichts zu fehlen schien. Nun hat Martin Crimp Groß und klein neu übersetzt, Benedict Andrews hat das Stück in Sydney inszeniert und Cate Blanchett erfindet diese Rolle großartig neu. Christian Desrues hat sie bei den Wiener Festwochen gesehen.

Eine Republik entdeckt die Elternschaft neu, so scheint's, und mit ihr die Theater. Jetzt legt Katrin Röggla am Residenztheater mit Kinderkriegen ein Mütter-Musical vor, von Pollyester begleitet und von Tina Lanik uraufgeführt. Von seiner Reise in den Geburtskanal berichtet Michael Stadler.

Der Titel verheißt Anspielungen an christliche Motive, aber tatsächlich geht es in Dennis Kellys neuem Stück Die Opferung von Gorge Mastromas vor allem um die schwierige Sache mit der Moral heute, um Entscheidungen, die uns die Gegenwart abverlangt und für die der Mensch gar nicht gemacht ist. Christoph Mehler hat das Stück uraufgeführt. Mehr von Sarah Heppekausen.

Oscar Wildes Einakter Salome war war mal ein Skandal. In einer "Anything goes"-Welt wie der unsren muss man das Befremdliche des Textes erst wieder entdecken. Ob's Claudia Bauer mit Torstenschlacht und Kunstblut gelingt, weiß Ute Grundmann.

Mehr Nachtkritiken hier

 

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nachtkritik-charts

krieg und frieden 024 280 rolf arnold u"Krieg und Frieden" bei den Ruhrfestspielen
© Rolf Arnold
16. Mai 2012

Die Top 10 des Theaters

Alles neu macht der Mai: Gleich drei neue Produktionen stürmen diese Woche an die Spitze der Charts. Allen voran Sebastian Hartmanns Tolstoj-Auslotung Krieg und Frieden bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen. Aber auch Schwerin hat es in die Charts geschafft. Auf welche Position? Und überhaupt: Für welche Arbeiten sollte man mal in den Zug steigen? Es steht wie jeden Mittwoch in den nachtkritik-Charts.

 

theatertreffen 2012

michel decar 280 hans goedecke uStückemarkt-Sieger Michel Decar
© Hans Gödecke

Berlin, 16. Mai 2012

To be continued

Hier gibt's die Theatertreffen-Übersichtvon nachtkritik.de: mit Premieren-Kritiken zu neun der zehn eingeladenen Arbeiten, Shorties, die Eindrücke von den Gastspielen schildern, Kritikenrundschauen und Berichten vom Stückemarkt.

Berlin, 16. Mai 2012. Bei der Bonner Premiere hatten wir Lukas Langhoffs Inzenierung von Henrik Ibsens Demokratiebefragung Ein Volksfeind nicht auf dem Schirm, jetzt liefern wir nach: Ist da mehr als Kabarett und dicker Pinsel? Wolfgang Behrens hat eine Antwort.

Die Preise des diesjährigen Stückemarkts sind vergeben. Und zwar an Michel Decar, Pamela Carter und Wolfram Höll. Zu recht, wie Georg Kasch findet, der die letzte Lieferung des Stückemarkts begutachtet hat, und im Zuge dessen auch die Darbietung des neugegründeten Projektlabors durchlitt.

Mehr zum Theatertreffen 2012

 
 
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kritikenrundschau

Im wesentlichen begeistert zeigt sich die Kritik vor Ort. Nur eine Stimme bemängelt die Selbstverliebtheit nicht immer entschlüsselbarer Arrangements. Wir lobten ziemlich einschränkungslos.

Faszination breitet sich in der Kritikerschar aus, wobei die Meinungen auseinander gehen, ob dies vornehmlich auf Sebalds Text oder auf Mitchells Inszenierung rückführbar ist. Wir priesen den Text, weniger die Inszenierung.

Hin- und hergerissen zeigt sich die Kritik in Wien und anderswo: Ist das nun banal, dilettantisch, poetisch oder klug? Uns kam das ganze nett aber etwas biedermeierlich vor.

Stürmische Begeisterung für die Hollywood-Schauspielerin bei der bundesdeutschen, etwas gedämpfter bei der Wiener Theaterkritik. Bei uns schrieb ein Wiener, sehr begeistert.

Mit diesem Text von Kathrin Röggla hätte es was werden können, meint ein Kritiker. Aber Tina Larik hat's bei der Uraufführung nicht gepackt, darin ist er sich mit seinem Kollegen einig. Wir ließen uns die Chose gefallen.

Dennis Kelly hat mal wieder alles richtig gemacht, also existenziell zwingend, poetisch und politisch, und Uraufführungsregisseur Christoph Mehler hat nichts falsch gemacht. In der Summe verließen die Kritiker die Uraufführung bei den Ruhrfestspielen also ziemlich begeistert. So wie wir.

Wohlwollend spricht die lokale Kritik. Wir waren genauso wohlwollend, fast angetan, hatten aber Bedenken.

Intelligent und sehr zeitgemäß finden die Mecklenburger Kritiker diesen Dürrenmatt-Abend am Schweriner Staatstheater. Ganz so wie wir.

Eine erlesene, intelligente kleine Kunstanstrengung beschreiben die hessischen Kritikerinnen. Auch uns behagte diese elegante Petitisse.

Nur eingeschränkt kann der Kritiker aus der Nachbarstadt die Inszenierung von Pedro Martins Beja empfehlen. Wir auch.

Mehr Kritikenrundschauen hier

 

nachtkritik-krisometer

16. Mai 2012

Kahlschlag in Bachs Geburtsstadt

Dem Landestheater Eisenach droht weiterhin das Aus. Die Stadt Eisenach kann ihren jährlichen Finanzierungsanteil von zwei Millionen Euro nicht aufbringen. Deshalb ruft das Theater zum Online-Protest auf.

Der Görlitzer Kreistag hat das geplante Konsolidierungkonzept für das Gerhart-Hauptmann-Theater beschlossen. Das bedeutet, dass an dem Mehrspartenhaus, das vor zwei Jahren aus der Fusion von Görlitzer Musiktheater und Zittauer Schauspiel entstanden war, nun 30 Stellen abgebaut werden – die meisten wohl in Zittau. Mehr hier.

Mehr zur finanziellen Situation der Theater

 
 

presseschau

Ins Gorki schrumpfen?

15. Mai 2012: Wollte die Berliner Kulturverwaltung nicht bis Ende April den neuen Intendanten küren. Ein Berliner Kritiker kommt nach Nicolas Stemanns Faustmarathon beim Berliner Theatertreffen ins Grübeln. Mehr hier.

Die Neigung der Berliner Kulturpolitik, die Theater-Dinge laufen zu lassen, kritisiert die Süddeutsche Zeitung.

Für die Süddeutsche Zeitung hat Jürgen Berger den Mainzer Intendanten Matthias Fontheim gesprochen und ihn gefragt, warum er nicht in Mainz bleiben will.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung wagt einen Ausblick auf die künftige Kulturpolitik Frankreichs unter François Hollande.

Renè Pollesch hat Sophie Rois die Laudatio zur Verleihung des Berliner Theaterpreises gehalten. Der Freitag druckt sie ab, wir geben eine Abbreviatur.

Die Süddeutsche Zeitung referiert noch einmal den Ärger um den Neubau der Berliner Schule für Schauspielkunst "Ernst Busch" und bringt die Rede dann auf den vielleicht wahren Grund für den Widerstand des Finanzsenators: das Filetgrundstück in Mitte.

Uwe Eric Laufenberg will vorzeitig die Intendanz der Kölner Oper niederlegen. Aber dabei haben die Stadtoberen auch ein Wörtchen mitzureden. Wie der Dauerstreit in Köln gerade eskaliert, berichten verschiedene Rheinische Medien. Hier ein kurzer Abriss des neuesten Zwischenstands.

In der taz - die tageszeitung gibt es ein Gespräch mit Nancy Nkusi, die als Kind aus Ruanda fliehen musste und jetzt in Hate Radio eine Täterin des Völkermords spielt.

Die Süddeutsche Zeitung bringt eine lange Reportage aus Greifswald. Darin wird geschildet, wie es sich für einen der am Theater Vorpommern gekündigten Schauspieler anfühlt, bald ohne Job, mit schlechten Aussichten und wenig Geld dazustehen und nicht enmal weggehen zu können, weil die eigene Frau im Ballett des Theaters ihre Arbeit behält.

Mehr Presseschauen hier

 

bücher

boateng9. Mai 2012

Buch des Monats

In welchem Land leben wir eigentlich? In keinem Land der deutschen (oder österreichischen oder schweizerischen) weißen Mehrheit. Sondern in einem Land, das von Migranten und Migrationsgeschichten geprägt ist. Das weiß man. Aber will man es auch wissen? Und was bedeutet das überhaupt, zum Beispiel für die Theater? Michael Horeni hat jetzt ein Buch über drei Fußballer geschrieben, Die Brüder Boateng, das sich mit genau dieser Frage beschäftigt: Was heißt es, in Deutschland groß zu werden und nicht weißer Hautfarbe zu sein? Nikolaus Merck hat das Buch gelesen und an die Debatte um Blackfacing und das postmigrantische Theater gedacht.

Buchhinweise Mai: Wie man Dramen lesen kann oder soll? Es gibt Unmengen Bücher darüber, jetzt aber eines, das sich durchaus zu lesen lohnt, weil es das Bekannte ein bisschen anders aussehen lässt. Und sonst? Gedichte lesen! Die von Tadeusz Różewicz, der ganz und gar zu Unrecht viel zu wenig gelesen wird. Und einen in Schweden lebenden Dichter lesen, Ulrich Schacht mit Namen, dessen eben erschienenen Notate genügend Stoff bieten zum Widerspruch, zum Nachdenken und Innehalten. Mehr dazu in den Buchhinweisen von Christian Baron und Dirk Pilz.

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