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Thomas Bockelmann – Staatstheater Kassel, Intendant

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2008, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Ein erster Höhepunkt im vergangenen Jahr war für mich, Hildegard Schmahl als Prospero in Shakespeares Sturm. Viel über die dunklen Seiten des Lebens wissend, spielte sie ihn mit größter, warmer Lebensklugheit und einer bestechend souveränen, sparsamen und präzisen Körpersprache. Für mich besonders berührend war der Moment, in dem sie sinngemäß ins Publikum sagte: "Sie haben auch nicht immer alles richtig gemacht im Leben, oder?"

Später dann Die Ratten in Berlin. Kaum je habe ich ein für ein Stück genialeres Bühnenbild gesehen, dass das hervorragende Ensemble in die Hauptmannsche Welt hinein krümmt. Und selten anrührend, wie Konstanze Becker eine Mörderin spielt.

Am eigenen Haus fand ich schon herausragend, wie Agnes Mann als Ilse in Frühlings Erwachen mit ekstatischer Melancholie (ja, das gibt es tatsächlich) versucht, Moritz Stiefel vom Selbstmord abzuhalten.

Und dass der Mensch nur da ganz Mensch ist, wo er spielt, kann man ganz trefflich bei den beiden Schauspielern Uwe Rohbeck und Andreas Beck beobachten, wenn sie in den 39 Stufen nach Hitchchock  gleich ein paar Dutzend Rollen auf einmal fulminant hinlegen.

Zu guter Letzt – und ich sollte es eigentlich gar nicht verraten, damit sie noch lange in Kassel bleibt: Es gibt bei uns in der Kompanie von Johannes Wieland eine junge amerikanische Tänzerin mit Namen Eva Mohn, die auch darstellerisch wirklich Starpotenzial hat.

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