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Ein Traumspiel, was sonst

von Hartmut Krug

Salzburg, 12. August 2011. Leer und düster die Bühne, schwarz die Wände. Ein Mann, den Hocker in der Hand, schafft sich im Erzählen (s)eine erinnerte, gedachte, bedachte Welt. Familiengeschichte und Geschichtsgeschichten fügen sich auf der Bühne zu einer Suchbewegung der Bedeutsamkeit nach einer möglich gewesenen Realität. Doch die Figuren, die sich aus dem Dunkel um den Erzähler, um das Handkesche Ich gruppieren, bebildern sich bis zur Überdeutlichkeit selbst. Sie haben keine Geheimnisse, sind immer nur Erklärungen.

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Jens Harzer                            © Ruth Walz 

Es wird viel geredet und geraunt in dieser Inszenierung, die unendlich lang und langsam ist. Und Jens Harzer kreist denkend und manieriert sprechend immer wieder über die Bühne, in sich und zu Boden gekehrt und dabei doch zugleich immer uns zugewandt. Ein Rampenredner einer neuen Art. Und es wird gespielt, mit Schauspielergesten wie aus alten Zeiten, als die direkte Als-ob-Spielerei noch geholfen haben mag.

Es ist schwer zu beschreiben – zumal gleich in der Nacht nach einem so schwerfällig langen, kompliziert ausgedachten Abend – wie sich die Spielweise der Inszenierung, während Regisseur und Darsteller nach einem eigenen erzählenden Duktus suchen, in der allergewöhnlichsten, tiefgründelnden Oberflächlichkeit verliert.

Prosa als Pose

Man steht, erklärt, bricht aus in Gestik, geht zurück in Verhaltenheit. Was bei Handke in der Sprache geschieht, in einer eigenen, poetisch wunderbar verschrobenen Sprache, und dabei zugleich die Suche der Menschen nach der Bewahrung der eigenen Sprache versinnlicht, das wird von den Darstellern auf der Bühne, obwohl oder gerade weil sie auch zu geheimnisseln suchen, in die überdeutliche Pose überführt.

Vielleicht ist es ein Irrtum, Handkes bei der Lektüre so aufregend offene Prosa in die direkte Versinnlichungsmaschine des Theaters stecken zu wollen. Heraus kommt Prosa als Pose. Da mag Bühnenbildnerin Katrin Brack noch so viel Poesie zu zaubern versuchen, indem sie während der fast fünf Aufführungsstunden aus dem Bühnenlicht im Scheinwerferstrahl unentwegt grüne Papierschnipsel regnen lässt, (und wer mag, kann sich dabei manch metaphorische Bedeutung denken, es aber auch lassen).

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                                                                                                                       © Ruth Walz

 

Schließlich ist die Bühne eingegrünt und fingertief bedeckt, – und der Erzähler rutscht, wie erwartbar, auf dem Schnipselteppich mehrfach und artistisch aus.

Dimiter Gotscheffs Inszenierung von Handkes Erzählung wird, indem sich die Figuren zur geheimnisvoll-geheimnislosen Deutlichkeit verwirklichen, zur reinen Erklärungsmasche und -maschine. Die allzu lang und langsam arbeitet. Man ertappt sich immer wieder dabei, dass man sich im grünen Papierregen meditativ verliert und das langsame Erzählen, Erklären, Erspielen, dieses bedächtig Wichtigtuerische der Figuren, darüber fast vergisst. Dass man sich langweilt und aus der Bühnenerzählung verabschiedet, – wo man doch die Erzählung oder den Roman oder den Traum bei der Lektüre nie verließ.

Zwischen Traum und Trauma

Wenn Handke seine slowenischen Vorfahren, beginnend 1936, durch das vergangene Jahrhundert schickt, indem er sie aus seiner Erinnerung in die (Selbst)Konstruktion holt, dann bleibt sein Text stets leicht, fast schwebend. Wenn Handke beschreibt, wird vor allem gesucht, nach Sprache, nach Erinnerung, nach Möglichkeiten, nach, ja, Wahrheiten. Und nach den Figuren der eigenen Familiengeschichte im Sturm der politischen Ereignisse, in dem man sich verhedderte zwischen Widerstand und Anpassung. Es ist ein komplexes Traum- und Trauma-Spiel, das Handke geschrieben hat.

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                                                  © Ruth Walz

Gotscheff inszeniert viele Gruppenbilder mit Ansage: Wenn in der Bühnenmitte von einem Sohn erzählt wird, der beim Militär ist, marschiert dieser "natürlich" im Hintergrund an der Bühnenseite unterm Stahlhelm auf der Stelle, die Knie fast unters Kinn hebend. Wenn ein Onkel erzählt, was er von den Engländern mitbekommen hat, nämlich die Namen von Fußballklubs, dann tanzt er uns diese begeistert vor, und wenn des Erzählers Mutter als Meisterin des Auslachens bezeichnet wird, führt sie diese Fähigkeit in einer langen Orgie vor.

Schürfen im Grundsätzlichen

Zwei Musiker untermalen, unterstreichen und erklären das Geschehen auf ihre Art und sind dabei so virtuos wie die Schauspieler. Aber auch das hilft dem Abend nicht. So wenig wie der unendliche, durch Geschichte, Welt und Krieg und weiterhin Sturm im Grundsätzlichen schürfende Schlussmonolog, den Jens Harzer in langen Kreisen auf der Bühne und durch den Text mäandern und versickern lässt.

Ein ambitioniert scheiternder Abend, mit vielen guten Schauspielern auf vergeblicher Suche. Mit allzuviel Ehrfurcht vor Handkes Text, der vor allem schauspielerisch nachbebildert wird, diesmal wohl ganz ohne ein Heiner-Müller-Zitat.

Respekt durchaus, das schon.


Immer noch Sturm (UA)
von Peter Handke
Regie: Dimiter Gotscheff, Bühnenbild: Katrin Brack, Kostüme: Ellen Hofmann, Musik: Sandy Lopicic, Licht: Paulus Vogt, Dramaturgie: Beate Heine, Mitarbeit Fassung: Ivan Panteleev.
Mit: Jens Harzer, Oda Thormeyer, Tilo Werner, Hans Löw, Bibiana Beglau, Heiko Raulin, Gabriela Maria Schmeide, Matthias Leja, Musiker: Sandy Lopicic, Matthias Loibner.

www.salzburgfestival.at
www.thalia.de

 

Was sonst noch geschah in Salzburg? Nicolas Stemann zeigte einen totalen Faust, also der Tragödie erster und zweiter Teil. Roland Schimmelpfennig inszenierte die Uraufführung seines Stücks Die vier Himmelsrichtungen.


Kritikenrundschau

Salzburg feiere mit Handkes "Immer noch Sturm", seinem "persönlichsten und zugleich universellsten" Text, die Heimkehr des verlorenen Sohns, schreibt Christopher Schmidt in der Süddeutschen Zeitung (16.8.2011). Das Beglückende der Salzburger Uraufführung durch Dimiter Gotscheff liege darin, "dass sie sich auf die offene, vielstimmige Struktur des Stücks einlässt. Anstatt den Text herunterzubrechen auf einen griffigen szenischen Realismus mit magischen Schaumkronen, hält sie das Spiel spannungsvoll in der Schwebe von Nähe und Ferne, Einfühlung und Kommentar, bei dem ihm allein aus der Sprache Dringlichkeit zuwächst." Bracks Blätterregen mache den "Ahnenkult zur Rutschpartie", die virtuosen Sprachkünstler gäben "alles, damit Gotscheffs Inszenierung nicht in Formalismus einfriert, sondern immer wieder ausbricht in heißen Feuerstößen der Expressivität". Jens Harzers vierzigminütiger Schlussmonolog sei "geradezu signifikant für den Kraftakt der ganzen Aufführung: Sie macht ernst mit dem Spiel. Sie bläst einen Sturm in die Herzen, der falsche Wahrheiten entlaubt und uns zu Partisanen macht des Dichters."

Der Papierschnitzelregen der Salzburger Handke-Uraufführung "Immer noch Sturm" sei zwar "ein hübscher, metaphorisch fruchtbarer Einfall der Bühnenbildnerin Katrin Brack. Doch weil arg überstrapaziert, erzeugt er schließlich nichts als optische Langeweile, schafft einen Schleier der Verunklärung", schreibt Ulrich Weinzierl in der Welt (15.8.2011), um hinzuzusetzen: "Keineswegs das Schlimmste, was da einem der schönsten Handke-Texte nicht nur der letzten Jahre widerfuhr: Gnadenlos, sicher nicht aus Absicht, eher aus Unvermögen, wurde er seines Kunstcharakters beinah zur Gänze beraubt." "Immer noch Sturm" verdanke "seinen Reiz auch und gerade dem Ineinander von privater und allgemeiner Geschichte", und aus dem textlichen "Oszillieren zwischen den Gegensätzen" ergebe sich bei Handke "bezwingende Leichtigkeit, das Schwebende, kurzum: Poesie. Selbst beherzte Striche könnten kaum schaden, wenn der Geist des Ganzen erkannt und bewahrt wird. Werden indes bloß einzelne Passagen herausgegriffen, bleibt plumpes Verlautbarungs- und Sprechblasentheater übrig. (…) Nein, es geht nicht um Textvollständigkeit, sondern um ein Mindestmaß an Verständnis für den von Handke geöffneten Hallraum, um Polyphonie statt tumber Eindimensionalität."

"Immer noch Sturm" sei Handkes "bisher größtes, persönlichstes und ehrlichstes Buch", meint Gerhard Stadelmaier in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (15.8.2011). "Weil er auf einmal wirklich zu wissen scheint, wovon er redet. Die anderen Handke-Bücher taten immer so stimmig. Dieses stimmt." Das Ganze sei ein "Kunststück. In fünf Verdichtungen." Und Handke sei "als 'Ich', das sich zurücknimmt und vor allem zuhört, nicht die Hauptperson, sondern das hauptsächliche Verdichtungsmittel. Keines Dramas." Dass nämlich "Immer noch Sturm" "auch auf die Bühne und nicht ausschließlich in einen lesenden Kopf gehöre", sei ein Missverständnis. Und tatsächlich kapituliere "das Theater völlig vor seinen Möglichkeiten. Und Handkes Verdichtungen, seine Bewusstseins- und Erinnerungsabenteuer" würden "zu Bindfäden, die langweilig aufgedröselt nebeneinander herumliegen." Gotscheff versuche sich hier "an einer Art Erhabenheitsgottesdienst. Absolut textfromm, aber nicht textgescheit. Immer wenn Folterer fromm werden, wird es Kitsch." Jens Harzer wiederum zeige nur die "privaten Launen, gaumigen Schnöseligkeiten und Angefressenheiten des Schauspielers Harzer, der, seit er Dieter Dorns Münchner Ensemble verlassen hat, zu kaum noch einer Abstufung im Ton mehr fähig scheint."

Für Dirk Pilz in der Neuen Zürcher Zeitung (15.8.2011) ist "Immer noch Sturm" "eine Schwarz-Messe, eine Geisterbeschwörung, wieder einmal. Immer rufen Handkes Texte in den Resonanzraum der Geschichte hinein, und was sie verzeichnen, sind Schmerzechos des Verlusts, Kartografien des Verschwundenen, die unerbittlich ihre Schatten auf das Hier und Heute werfen. Das Tragische, das Theaterdramatische ist bei Handke stets in diese Schattenwürfe gebettet, in diesem Stück besonders." In Gotscheffs Inszenierung sei daraus Theater entstanden, "das viele Worte macht und Bilder arrangiert, aber dem Text stets nur hinterherhumpelt. Die Schauspieler wirken wie Seifenblasenhäscher: Jeder Satz zerplatzt, sobald sie ihn zu fassen bekommen. Welch seltsame Leere, welch bleierne Virtuosität." Jens Harzer als "Ich"-Erzähler taste "sich in seine Rolle hinein, jongliert mit ironischen Untertönen, versucht sich in Wut und Zorn, schmeckt den Worten ihre melancholische Tiefe ab – und bleibt vor ihnen doch wie ein Fremdling stehen." Und auch die anderen leisteten nur "schwerste Textverwertungsarbeit, zäh und zahm. Niemand hat der Vorlage etwas entgegenzusetzen, hinzuzufügen."

"Aus einer Dichterseele die ganze Welt schöpfen, aus einem Bewusstsein den Geist einer ganzen Epoche filtrieren, soll das, was bei Goethe, Tschechow und Bob Dylan gelang, in unserer Zeit noch einmal mit Handke gelingen?", fragt Uwe Mattheiss in der tageszeitung (15.8.2011). "Zweifel sind angesagt an der Möglichkeit zum Dichterfürstentum – in Form und Inhalt. Das Marionettenspiel der Ahnen lässt das Individuum im Kollektiv der Sippe versinken, wie die Familienaufstellung, der sie abgeschaut zu sein scheint." Dimiter Gotscheff und sein Ensemble lasse das "ratlos zurück in einer Dissonanz der Spielweisen." "Matte Gedanken" strafe "die Poesie mit schiefen Metaphern und hölzernen Neologismen. Jens Harzer, den wunderbaren denkenden Schauspieler, werfen sie in der letzten halben Stunde fast aus der Bahn."

"Handkes Text ist mehr dialogisches Traum-Spiel als Drama oder Erzählung, nicht kategorisierbar, formal ein Bastard, wie das Ich im Text, das von der slowenischen Mutter mit einem deutschen Soldaten gezeugt wurde." So berichtet Karin Fischer auf Deutschlandfunk (13.8.2011). Alles bleibe "eine große, poetisch durchformte Fantasie in der die slowenische Apfelbaumlandschaft oder die Sprache eine ebenso große Rolle spielen wie die eingestreuten Geschichtssplitter oder politischen Hintergründe". Regisseur Gotscheff setze allerdings auf "Künstlichkeit" und stelle "den Text mehr aus, als dass er ihn spielen ließe", wobei gerade die erste Hälfte "festgewachsen, als frontales Steh- und Erzähltheater" absolviert werde. So "entsteht eine ungute Diskrepanz zwischen der leicht flirrenden Sprach-Welt des Autors und der merkwürdigen Starrheit der Szene." Wo allerdings der Text mit Musikunterstützung zum "Klang-Gedicht" werde, da entdeckt die Rezensentin die Stärken des Abends (und hebt dabei Oda Thormeyer als zweite Schwester und Mutter des Ich-Erzählers hervor). Weniger überzeugend gerate das Finale: "Den Schlussdialog zwischen Gregor und dem Erzähler legt Gotscheff allerdings alleine Jens Harzer in den Mund, wodurch die Inszenierung in schlechtem Pathos endet. Harzer verfehlt damit die klugen geschichtspolitischen Gedanken Handkes und spitzt die Szene zur näselnd-manirierten Abrechnung eines selbstmitleidigen Erzählers zu."

Beeindruckt von Handkes über weite Strecken "höchst impressiv" gehaltenen Text zeigt sich auch Norbert Mayer auf dem Onlineportal der Presse (13.8.2011). Bei ihm kommt allerdings auch Gotscheffs Inszenierung, die den "166 Seiten langen Text bis zur Neige ausgekostet“"habe, besser weg. "Es wird reichlich erzählt und nur sparsam gespielt. (…) Mit List, Sanftheit und auch mit Brutalität weist er acht Schauspieler und zwei Musiker an, in edelster deutscher Sprache das Epos vom tapferen slowenischen Volk in Koroška/Kärnten vor und im Zweiten Weltkrieg zu singen. Keine Show, sondern ein Hochamt." Wenig begeistert ist aber auch Mayer vom finalen Monolog, "der pathetisch kommentiert, was zuvor ohnehin deutlich herausgearbeitet wurde: Österreich ist das Fette, an dem Handke würgt, das schöne Jauntal hingegen ist die verloren gegangene Bleibe, die ihm das Herz zerreißt." Hier scheint es dem Kritiker, als würde der Autor Handke vom Regisseur Gotscheff "ironisch persifliert".

Ein Stück wie "eine therapeutische Familienaufstellung" hat ein gleichfalls sehr angetaner Gerald Heidegger für den ORF (13.8.2011) erlebt: Der "eigentümliche Ich-Erzähler" suche die Nähe zu Personen seines Umkreises, "vor allem zur Mutter, mit der ihn ein magisches, beinahe erotisches Moment verbindet". Hanke vermeide eine "direkte Österreich-Kritik“ in diesem Text. "Die Frage des Politischen löst er in der Grundsatzfrage seiner Kunst auf. Wie sehr erzeugt Sprache Wirklichkeit und welche Relationen zwischen Menschen, Kulturen und damit Identitäten macht sie möglich oder unterläuft sie?" Gotscheffs Inszenierung halte sich "eng an die Vorlage des Handke'schen Texts, fast zu eng – der fast halbstündige Schlussmonolog, bei dem ein mehr als bravouröser Jens Harzer von der Handke'schen Textwucht und Assoziationslust beinahe erdrückt wird, hätte Streichungen vertragen." Als "Glücksfall" eingestuft wird das Bühnenbild von Katrin Brack, "die mit ihrer vor allem von der Lichtführung im dunklen Raum getragenen Umsetzung allen Naturalisierungs-, aber auch Multimedialisierungsversuchen widersteht." Das rieselnde Laub forme den Kreis, in den der Erzähler seine Angehörigen rufe, und besitze auch eine melodische Dimension: "Es stützt den Rhythmus des Handke'schen Texts und landet das gesprochene Wort mitunter sanft im Raum."

"Es war ein Abend voller Sinnlichkeit im Umgang mit Sprache. Und es war ein wichtiger Abend wegen des Umgangs mit einem Thema, dass nur in Kärnten spielt, dass in seiner Wirkung als Stück über Widerstand, über die Verlierer der Geschichte von durchaus universeller Geltung ist." So stimmt Bernhard Flieher in einer Nachtkritik für die Salzburger Nachrichten (13.8.2011) ins Lob ein: Gotscheffs Inszenierung "lässt dem Wort viel Platz", die "Sparsamkeit der Mittel ermöglicht totale Konzentration auf den Text und dessen Sound". Aus dem überzeugenden Ensemble ragten der Protagonist und seiner Alter ego heraus: "Den lautesten Jubel gab's am Ende für die beiden Ichs. Das eine Ich, Peter Handke, das den Text, der kreist und schwebt und trotzdem sicher trifft, geschrieben hat. Und das andere Ich, Jens Harzer, weil er dieses Handke-Ich aus der Textvorlage als Aufgewühlten, Verunsicherten, Zweifelnden, Fragenden und Suchenden auf der Bühne mit vielen Untertönen, mit vielen Feinheiten spielt."

Von begeisterten Publikumsreaktionen berichtet auch Anna Ringle-Brändli für das Onlineportal des Hamburger Abendblatts (13.8.2011) ihren Lesern an Elbe und Alster, wohin das Ensemble koproduzierenden Hamburger Thalia Theaters demnächst zurückkehrt: "Handkes Stück ist textgewaltig – das unterstreicht auch Gotscheff mit seiner Inszenierung." Katrin Bracks Bühnenbild sei "schlicht" und fungiere als "Projektionsebene". "Im Vordergrund stehen die Gedankenwelten der Figuren. Vor allem Jens Harzer in der Rolle des 'Ich' bietet minutenlange Monologe akzentuiert und facettenreiche dar."

Im Rahmen einer reportagehaften Sommerregenreise nach Salzburg gibt Tobias Rüther für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (14.8.2011) auch einige kritische Einschätzungen zur Inszenierung ab: "Das Stück bleibt nah an Handkes Familiengeschichte, ist aber nicht mit ihr identisch, und was der Sache guttut, ist der ironisch-hadernde Unterton Harzers, der seinen heiseren Handkesätzen Fragezeichen nachstellt und so den dichterischen Überton, für den man Handke ja auch leidenschaftlich nicht leiden kann, sabotiert." Harzer, der auf derselben Zeitungsseite auch im Interview vorgestellt wird, könne gleichwohl auch nicht die Längen verhindern, die sich gegen Schluss von Stück und Inszenierung einschlichen: Am "Ende ist da so viel Text, dass sich Jens Harzer in einem halbstündigen Monolog darin verliert, man möchte ihm einen Stuhl und ein Glas Wasser bringen, man möchte den Regisseur fragen, warum nur er seinen großartigen Schauspieler da oben so alleingelassen hat."


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