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Einzigartige Erzählerin

21. Juni 2021. Die Romanautorin, Dramatikerin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga erhält den diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Das gibt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels auf seiner Webseite bekannt.

In der Begründung des Stiftungsrats, der für die Auswahl der Preisträgerin verantwortlich ist, heißt es, Dangarembga verbinde in ihrem künstlerischen Werk ein einzigartiges Erzählen mit einem universellen Blick. "Ihre Botschaften richten sich erfolgreich an ein breites Publikum sowohl in Simbabwe als auch in den Nachbarländern. Begleitet wird ihr künstlerisches Schaffen von dem jahrelangen Engagement, die Kultur in ihrem Land zu fördern – und diese insbesondere für Frauen zu öffnen. Gleichzeitig kämpft sie für Freiheitsrechte und politische Veränderungen in Simbabwe. Gegenwärtig richtet sich ihr friedlicher Protest gegen Korruption, für den Tsitsi Dangarembga auch in Kauf nimmt, von der Regierung gerichtlich verfolgt zu werden."

Tsitsi Dangarembga wurde 1959 in Mutoko im damaligen Rhodesien (heute Simbabwe) geboren und gehört zu den wichtigsten Schriftsteller*innen, Dramatiker*innen und Filmemacher*innen ihres Landes. An der University of Zimbabwe studierte sie in den 1980er Jahren Psychologie und schrieb ihre ersten Theaterstücke. 1988 erschien ihr Debüt-Roman "Nervous Conditions" als erster Teil einer autobiografisch geprägten Trilogie. 2006 wurde der zweite Teil, "The Book of Not", veröffentlicht, Tsitsi DangarembgaTsitsi Dangarembga © Mateusz Żaboklicki2018 folgte "This Mournable Body". Die drei international erfolgreichen Bücher erzählen vom Aufwachsen und Leben einer nach Selbstbestimmung strebenden Frau in Simbabwe und veranschaulichen dabei die komplexen Unterdrückungsmechanismen von Gender, Kolonialismus und Rassismus. "Nervous Conditions" (dt. "Aufbrechen", 2019) wurde 1989 mit dem Commonwealth Writers’ Prize ausgezeichnet und 2018 von der BBC in die Liste der 100 wichtigsten Bücher aufgenommen, die die Welt geprägt haben. "This Mournable Body" (erscheint im September 2021 unter dem Titel "Überleben" auf Deutsch) wurde 2020 auf die Shortlist des Booker Prize gesetzt.

In den 1990er Jahren wandte sich Tsitsi Dangarembga dem Medium Film zu. An der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin studierte sie von 1989 bis 1996 Filmregie. 1992 gründete sie die Filmproduktionsfirma Nyerai Films in Harare, die sie bis heute leitet. Außerdem schreibt sie Drehbücher und führt Regie bei Spiel- und Dokumentarfilmen wie z.B. "Neria" (1993). Im Jahr 2000 kehrte sie endgültig nach Simbabwe zurück. Als Initiatorin des African Women Filmmakers Hub und Gründungsdirektorin des Institute of Creative Arts for Progress in Africa stärkt sie die nachhaltige Kreativwirtschaft auf dem afrikanischen Kontinent und fördert insbesondere Frauen.

Tsitsi Dangarembga engagiert sich seit vielen Jahren als Aktivistin für feministische Anliegen und politische Veränderung in Simbabwe. Nachdem sie im Juli 2020 zur Teilnahme an einer Anti-Korruptions-Demonstration aufrief, wurde sie für kurze Zeit inhaftiert und auf Bewährung wieder freigelassen. 2021 erhielt sie den PEN Pinter Prize sowie den PEN International Award for Freedom of Expression, mit dem Autor*innen ausgezeichnet werden, die trotz Verfolgung ihr Schreiben fortführen. Tsitsi Dangarembga lebt mit ihrem Ehemann Olaf Koschke in Harare.

Die Verleihung des Friedenspreises findet am Sonntag, den 24. Oktober 2021, unter den zu diesem Zeitpunkt geltenden Gesundheitsbestimmungen in der Frankfurter Paulskirche statt. Der Friedenspreis wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert.

Dem Stiftungsrat gehören Klaus Brinkbäumer, Prof. Dr. Peter Dabrock, Prof. Dr. Raphael Gross, Prof. Dr. Moritz Helmstaedter, Dr. Nadja Kneissler, Felicitas von Lovenberg, Prof. Dr. Ethel Matala de Mazza, Prof. Bascha Mika sowie Karin Schmidt-Friderichs an.

(Börsenverein des Deutschen Buchhandels / miwo)