Mit dem Rotstift des Unternehmensberaters

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Die Kulturszene protestiert gegen diese Diskussionsgrundlage. In einer Resolution des Gesamtvorstands der Deutschen Orchestervereinigung (DOV), höchstes Gremium der deutschen Orchester und Rundfunkensembles außerhalb der Delegiertenversammlungen, heißt es: Die Modelle beruhten allesamt "auf der weiterhin unveränderter Festschreibung der Landesmittel von 1994 bis 2020. Dieser Umstand hat bereits in der Vergangenheit bis heute zu massiven Einschnitten und einem Abbau hochwertiger Arbeitsplätze in der Kultur des Landes geführt. Das Einfrieren von Landesmitteln für Theater und Orchester über mehr als ein Vierteljahrhundert ist ein beispielloser Skandal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland."

Bei unveränderter Beschlusslage bis 2020 "würde dann M-V das Bundesland mit dem größten Struktur- und Stellenabbau im Theater- und Orchesterbereich bundesweit sein. Rund 50% der Spielstätten und Arbeitsplätze sowie die Hälfte der Theater- und Konzertangebote wären bis 2020 in 30 Jahren seit der Wiedervereinigung verloren." Einwohnerzahl und Steuerkraft des Landes würde bis 2020 dagegen keineswegs in vergleichbarem Maße gesunken sein. "Das bedeutet, dass schon heute die Theater- und Orchesterstruktur vom Land allein aus politischen Gründen in viel stärkerem Maße beschnitten, verändert und damit letztlich noch mehr beschädigt wird, als dies aus rein ökonomischen Gründen vertretbar wäre", so der DOV, der die Forderung erhebt, eine "Dynamisierung der Landesmittel" deutlich vor 2020 einzuleiten.

In den Norddeutschen Neuesten Nachrichten (online 25.10.2012) antwortet Stefan Rosinski, Geschäftsführer des Volkstheaters Rostock, auf den Ministervorschlag. Er diagnostiziert "einen komplizierten Drift zwischen Form und Inhalt, der zu einer institutionellen Legitimationskrise geführt hat, ohne Theater als Sinn und Kunst zu tangieren." Die "Produktions- und Austauschformen" im Theaterbetrieb hätten sich in den letzten Jahren verändert; entstanden seien "internationale Koproduktionsplattformen, in denen sich künstlerische Kernteams fließend bewegen". "Nichts von einer Wahrnehmung veränderter Arbeitswirklichkeit ist in das Gutachten der Managementfirma Metrum eingeflossen. Dass Form Inhalt folgt, und das sollte mindestens ein Minister für Kultur vertreten. Doch auch für die Debatte über die Theaterlandschaft gilt offenbar: Inhalt folgt Form. Jedenfalls enthält der Beitrag aus der Feder von Herrn Brodkorb keinen einzigen substantiellen Gedanken zur Situation des Theaters als Inhalt. Doch genau das bräuchten wir."

(chr)

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