Medienschau: Standard – Theater & Investigativ-Journalismus

Sinnliche Aufklärung

Sinnliche Aufklärung

15. April 2026. Der Standard spricht mit Wiens Volkstheater-Intendant Jan-Philipp Gloger über die Teilnahme am EU-geförderten Theater- und Investigativ-Journalismus-Projekt "TRUth on STage – Stories, Journalism, Theatre (TRUST)".

"Anders als der rein journalistische Beitrag ist Theater sinnliche Aufklärung", sagt Gloger im Gespräch mit Margarete Affenzeller vom Standard. "Die 'Liveness' von Theater führt auch dazu, dass sich Menschen in einer Gemeinschaft wahrnehmen und in dieser Öffentlichkeit ihre Reaktionen überprüfen können. Die Zeugenschaft eines realen Vorgangs ist dabei ein wichtiger Punkt."

Gloger wendet sich auch gegen Vorwürfe, wie jüngst in der FAZ ausgebreitet, solche Recherchekunst-Projekte seien "linksgerichtet": "Autokratische Strukturen gefährden heute gezielt die Demokratie. Es gibt Kräfte, die versuchen, Meinungsfreiheit und ähnliche Güter zu untergraben. Das auf die Bühne zu bringen oder sich dagegen zu wehren, heißt für mich nicht automatisch, 'links' zu sein. 'Linksgerichtet' klingt für mich ideologisch."

(standard.at / chr)

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  • Über das Projekt ""TRUth on STage – Stories, Journalism, Theatre (TRUST)" lesen Sie in unserer Meldung.
Kommentare  
Medienschau Investigativtheater: Ideologischer Wordsalad
Ich frage mich ob Herr Gloger nicht ganz verstanden hat was der Unterschied zwischen Ideologie; Journalismus und wissenschaftlicher Recherche ist, wenn es hier heißt: "Gloger wendet sich auch gegen Vorwürfe, wie jüngst in der FAZ ausgebreitet, solche Recherchekunst-Projekte seien "linksgerichtet": "Autokratische Strukturen gefährden heute gezielt die Demokratie. Es gibt Kräfte, die versuchen, Meinungsfreiheit und ähnliche Güter zu untergraben. Das auf die Bühne zu bringen oder sich dagegen zu wehren, heißt für mich nicht automatisch, 'links' zu sein. 'Linksgerichtet' klingt für mich ideologisch."

Nein, sorry: Es ist eben doch ideologisch, vorallem wenn just gestern wieder ein Artikel in der Jüdischen Allgemeinen mit der Schlagzeile: "Correctiv: Zu viel Theater, zu wenig Journalismus" erscheint. Zwar wird dort das "Postdamer Geheimtreffen" besprochen, ein direktes Zitat aus dem Artikel: "Die Correctiv-Recherche »Geheimplan gegen Deutschland« ist in Prolog, Epilog und drei Akte eingeteilt und wurde nach ihrer Veröffentlichung als szenische Lesung im Theater aufgeführt. Nun erweist sie sich als Posse. Laut eines am Montag öffentlich gewordenen Urteils des Landgerichts Berlin ist die Kernaussage des Textes »im Wesentlichen unwahr« und darf nicht weiter verbreitet werden"

Es ist schon interessant: hier wird "Journalismus" in den Deckmantel der "Inszenierung" gehüllt, damit am Ende wenn es journalistisch doch nicht mit rechten und Dingen zugeht auf den Verweis der "Kunstfreiheit" rekurriert werden kann. Great Stuff.

Nun ist eine Auseinandersetzung am Schauspiel Köln mit den Fragen des Missbrauchs in der katholischen Kirche eine wichtige Thematik. So wie sie jedoch in Köln vonstattaten gegangen ist lässt es einen doch unbehaglich zurück was die gesamte Machart angeht. Strauß schreibt in der FAZ: " aber nicht irgendwelche Recherchen, sondern nur Recherchen, die „die Demokratie stärken, Desinformation entgegenwirken und Raum für einen kritischen Dialog schaffen“, teilt das Schauspiel Köln mit, das das Ganze zusammen mit der European Theatre Convention organisieren wird."
Aha, soso und Truthful, also wahr soll es nun auch alles sein? Aber hier scheint das Paradoxon der ganzen Unternehmung schon gefunden: es ist Kunst, aber journalistische Kunst, und wenn etwas nicht stimmt an der Journalisten Recherche? Nicht schlimm: ist doch eigentlich eher Kunst und von der Kunstfreiheit gedeckt. Nun: man möge dann doch den Schluss ziehen Journalismus und Kunst, das sind nun doch zwei gänzlich andere Dinge und ihre Funktionen unterschiedlich gelagert. Aber hey alles truthful das Ganze. Sorry aber hier wird nach dem Motto agiert: "Trust me Bro, wird schon stimmen was wir dir hier erzählen! And if not its art, you know, recherche art, great, the people will love it!"
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