Presseschau vom 4. Juli 2011 - Andreas Rossmann über die Sparpläne in Bonn und den erklärten Rückzug des Intendanten Klaus Weise
Doppelter Affront
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Rossmann sieht in der Sparvorgabe einen "doppelten Affront": Erstens, weil Weise seit seinem Antritt schon vierzehn Millionen Euro eingespart, sich von Tanzsparte und Bonner Biennale verabschiedet hat; zweitens, "weil sie abstrakt gesetzt wird, ohne dass sich die Politik oder auch nur der Kulturdezernent überlegt hätten, welche Konsequenzen sie für die Struktur und Qualität des Theaters hat". Dabei habe Weise die Sparpläne keineswegs "kampflos hingenommen", sondern der Stadt einen konkrete Alternativrechnung vorlegt, "was, nicht ohne Verluste und Risiken, doch bei Wahrung der Kernsubstanz möglich wäre", nämlich Mehreinnahmen von einer halben Million Euro durch höhere Eintrittspreise sowie Kürzungen beim Sachetat um 340.000, beim Produktionsetat um 500.000 Euro (das wären drei Inszenierungen weniger im Jahr). Außerdem würden durch Mitarbeiter, die 2014 und 2015 in den Ruhestand gehen, ebenfalls fast zwei Millionen Euro gespart. So müsste niemandem gekündigt werden, alle Spielstätten könnten erhalten bleiben.
Auf dieses von Weise vorgeschlagene Szenario hat laut Rossmann jedoch "weder die Politik noch die Verwaltung reagiert". Der Bonner Stadtrat wird am 14. Juli über die Kürzungsvorgaben entscheiden.
(ape)
