Presseschau vom 22. August 2011 - Die Frankfurter Allgemeine stellt dem Berliner Festival Tanz im August ein verheerendes Zeugnis aus
Kinderkram
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Exemplarisch von einer "sektenhaften" Performance des Amerikaners und Wahl-Berliners Jeremy Wade ausgehend, zielt Wiebke Hüster ins Grundsätzliche: In Berlin finde "fast nicht anderes mehr statt als der prozessorientierte Kinderkram von selbstberufenen standardlosen Subventionsempfängern. Nennen wir sie 'Auftreter', denn es sind keine Tänzer, es sind bloß Leute, die es schick finden, auf einer Bühne herumzuhängen. Der angebliche Tanzmarkt existiert außerhalb der Subventionswelt ohnehin nicht. Aber in Berlin ist das Publikum, das selber irgendwelche theaterwissenschaftlichen Seminare absolviert hat und glaubt, Langeweile, schlichteste Konzeptchen und intellektuelle Unterforderung seien konstitutiv für zeitgenössischen Tanz, offenbar zahlreich genug, um die Festivalblase am Leben zu halten."
Hüster stellt sich die Frage, "welche Auffassung von zeitgenössischem Tanz die Festivaldirektoren überhaupt vertreten. Außer dem lapidaren 'Tanzen ist wieder erlaubt' ist gar keine Begriffsbildung zu entdecken, obwohl dieser Anspruch ständig erhoben wird, indem man von 'Positionen' spricht, die gezeigt würden. Es herrscht vollkommene ästhetische Instinktlosigkeit." Das Traurigste an den "Auftretern und Workshop-Schluffis, die hier alljährlich eingeladen werden", sei "ihr vollkommenes Desinteresse an der Tanzkunst, die in den anderen Metropolen Furore macht." Der Artikel gipfelt in der Aufforderung: "'Tanz im August' ist eine Kuratokratie. Schafft sie ab."
(wb)

(Zum Abgleich empfiehlt sich natürlich das Original, das die FAZ bislang nicht online gestellt hat, das aber am Kiosk erworben werden kann. Die Anführungszeichen der Zusammenfassung garantieren immerhin, dass die Zitate wörtlich sind und nicht auf irgendeine Weise frisiert. Im Übrigen teile ich Ihre Auffassung nicht, dass Lieschen Müller als Autorin für Wiebke Hüsters Text in Frage kommt: "Kuratokratie", "Begriffsbildung" und "Instinktlosigkeit" hat Lieschen Müller m.E. nicht in ihrem Wortschatz. wb)