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Spannungen aushalten

Dirk Pilz war für die Berliner Zeitung (14.9.) bei der ersten "Früh-Stücke"-Veranstaltung, die Ulrich Khuon vom Hamburger Thalia Theater mit ans Berliner Deutsche Theater geholt hat. Vor der Premiere reden Regisseure, Dramaturgen, Schauspieler jeweils über ihre Arbeit. "Gestern fand diese nette Kundenbindungsmaßnahme erstmals statt" und mit "freundlich warmer, bundespräsidialer Stimme" verkündete Khuon, "dass sein Haus 'Spannungen' lehren und erfahren lassen wolle". Von den "Routinen der Wahrnehmung" sei auch viel die Rede gewesen, "von der Absage an die Ironie, dem Bedürfnis nach Erfahrungstiefe". Aber: "allen fällt es schwer, die Balance zwischen Begriffsgeklapper und harmloser Kaffeehausplauderei zu finden. Indes, sie haben Großes vor am DT, man spürt es in jedem Wort."

Die allererste Premiere habe mit der Früstücks-Matinee schon stattgefunden, so Andreas Schäfer im Tagesspiegel (14.9.), eine "stille, unaufgeregte, aber vielleicht gerade deshalb programmatische Premiere". Irgendwann "steht Ulrich Khuon auf und bittet um finanzielle Unterstützung für das 'Junge DT': 'Damit auch Klassen und Schüler, die es sich eigentlich nicht leisten können, Klassenzimmerstücke an ihre Schule einladen können.' Dann ist – ganz unspektakulär – Schluss. Man kommt eben aus Hamburg. Der Hauptstadt des Understatements."

Ebenfalls im Tagesspiegel (14.9.) ist ein Interview zu lesen, das Rüdiger Schaper mit Ulrich Khuon geführt hat anlässlich seines Starts am DT, aber auch anlässlich der neuen Chefs an so vielen Theater, auf die geschaut wird. "Man braucht diese symbolischen Figuren", so Khuon, "sobald die Saison läuft, lässt diese Fixierung auch wieder nach. Die Öffentlichkeit mag Intendanten gelegentlich überschätzen, aber deren Arbeit wird leicht unterschätzt – einen solchen Betrieb mit all den unterschiedlichen Menschen zusammenzuhalten." Khuon kommt auch auf "Inglourious Basterds" zu sprechen: "Tarantino ist der totale Theaterregisseur, so wie er Szenen entwickelt. Man hört seinen Schauspielern stundenlang zu, es sind ja vor allem Theaterschauspieler und -szenen, bevor die Ballerei losgeht. Diese existenzielle Intensität möchte man auch im Theater haben."