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Aus Eigeninteresse öffnen

23. Mai 2013. In der Süddeutschen Zeitung (23.5.2013) beschäftigt sich Peter Laudenbach anlässlich der Verleihung des Kerr-Darstellerpreises an Julia Häusermann mit behinderten Darstellern im Theater.

So sei eine Szene bei der Preisverleihung stellvertredend gewesen: Als die Preisträgerin sagte, der Alleinjuror Thomas Thieme sei einer ihrer Lieblingskollegen, verbeugten sich beide voreinander. "Denn darum geht es: um Kunst. Nicht um Sozialpädagogik oder eine theatralische Aktion Sorgenkind."

Zu Jérôme Bels Inszenierung Disabled Theater, in der Häusermann spielt, schreibt Laudenbach: "Die Unterstellung, sie [die Darsteller; mw] würden von dem Konzeptchoreografen instrumentalisiert, ist daher nicht frei von Arroganz gegenüber den Künstlern mit Behinderung, denen nebenbei auch noch die Fähigkeit, einen eigenen Willen zu haben und sich entscheiden zu können, abgesprochen wird."

Mit der Einladung zum Theatertreffen würden das Theater Hora und alle anderen Ensembles, in denen Menschen mit und ohne Behinderung miteinander spielen, eine längst überfällige Sichtbarkeit erhalten. Wie die Theatertreffen-Einladung von Nurkan Erpulats Inszenierung Verrücktes Blut "das Theater der Migranten aus der Multi-Kulti-Nische befreit hat", liege auch in der Würdigung für das Theater Hora die große Chance, dass die Stadttheater sich noch weit mehr als bisher für Künstler mit Behinderung öffneten. "Nicht aus Mitleid, sondern aus Eigeninteresse. Und weil ein Theater, das die soziale Exklusion von Minderheiten fortsetzt, sich selber moralisch diskreditiert."

(mw)

 

Mehr zu Jérôme Bels "Disabled Theater": Die Nachtkritik, der Theatertreffen-Shorty und ein Vortrag des Theaterwissenschaftlers Benjamin Wihstutz über die Emanzipation in Bels Inszenierung. Außerdem der Lexikoneintrag zum Inklusionstheater.