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Wie ein versteinerter Traum

von Otto Paul Burkhardt

Salzburg, 28. Juli 2013. Fast den ganzen Abend – macht also nahezu 2 ¼ Stunden nonstop – steht sie äußerlich reglos an der Rampe. Ganz in weiß gewandet, aber mit Schwert, später mit schwarzer Kriegsbemalung im Gesicht, noch später voll mit Blut bespritzt. Kathleen Morgeneyer ist Johanna, die "Jungfrau von Orleans". Sie rührt sich nicht vom Fleck, schaut fast durchweg nach vorne, in die Weite, in die göttliche Verheißung. Ist das Theater? Zumindest wirkt es "radikal", wie es ein Reporter noch live beim Schlussbeifall berichtete, in den sich auch ein mittlerer Buhsturm mischte.

Totale Reduktion

Ja, es ist Theater. Aber eher ein Theater der gesprochenen, vergegenwärtigten, herbeibeschworenen Träume. Doch vielleicht geht es bei Schiller ja um Träume. Und weniger um Schlachtenlärm, Nationalpathos und solche Dinge. Michael Thalheimer hat bei den Salzburger Festspielen – in Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin – Schillers "Jungfrau von Orleans" inszeniert. Oder besser gesagt: verdichtet, eingedampft, gekürzt, essentialisiert. Das macht er immer, aber diesmal war's die totale Reduktion. Fast nur Sprechtheater, so gut wie keine Requisiten, kein Schlachtenlärm, keine Himmelserscheinungen. Eine düstere Skizzenfolge ist es geworden. Gut möglich, so suggeriert Thalheimer, dass "der Menschheit große Gegenstände", die Schiller vorgeblich verhandelt, eben letztlich aus Träumen entspringen.

jungfrau von orleans2 560 arnodeclair uIm Lichtkegel: Kathleen Morgeneyer als Johanna mit Almut Zilcher als Königin Isabeau, Peter Moltzen als Philipp der Gute, Alexander Khuon als Lionel, Markus Graf als Talbot (von links)
© Arno Declair

Eine eigenwillige Sichtweise, sicher. Und dieses Thalheimersche Sprechtheater war einem Teil der Festspielgemeinde dann doch zu karg, vor allem jenen, die sich schon in Sven-Eric Bechtolfs nicht unbedingt regietheater-verdächtiger, auf edle Wertarbeit gestylter Schauspiel-Programmatik wohlzufühlen begannen.

Im Angst-Raum

Die Regie lässt zudem die ganze "romantische" Tragödie in einem schwarzen, zappendusteren, hohen, höhlenartigen Irgendwo spielen. Einem Angst-Raum sozusagen, denn hier herrscht nicht das Licht der Aufklärung, sondern absolute Dunkelheit. Nur ein einziger Leuchtstrahl von oben erhellt diese Höhle, und darin steht sie: Johanna, die Lichtgestalt. Kathleen Morgeneyer zeigt, wie Johanna sich entwickelt – vom zagen, scheuen, kindlichen Hirtenmädchen, das sich leise stockend von seinen geliebten Schafherden in Domrémy verabschiedet, zur brüllenden Mordmaschine, die als von Gott berufene Kriegerin die schwächelnden Franzosen wieder das Siegen gegen die Engländer lehrt.

Wie gesagt, totale Reduktion. So beginnt der Schillersche Text, der, mit Realien unterfüttert, leicht ins Lächerliche geraten kann, bei Thalheimer zu leben, zu schwingen, davon zu fliegen. Rüstungen? Kaum, nur ein paar Kettenhauben und Schwerter als atmo-stiftende Anmutungen. Schlachten? Nichts dergleichen. Die Krieger, gleichwohl blutverschmiert, kommen alle aus der Tiefe des Raumes, prallen gleichsam an der wie angewurzelt stehenden Johanna ab und verschwinden wieder nach hinten. Wie wird gestorben? Stilisiert und doch krass. Das gespuckte Blut befleckt das tugendreine Gewand Johannas. Ja, manchmal wirkt Johanna wie ein Denkmal ihrer selbst. Wie ein versteinerter Traum. Wie eine erstarrte Ikone. Eine zum Töten fähige, 17-jährige Bauerntochter, die mit eiserner Stimme chauvinistische Schmähungen und Propagandalügen ins Publikum schmettert, von "Niedermähen", "Schmach" und "der Führer Mut" schwadroniert, wie es ein männerdominierter, kriegstreiberischer Medienapparat kaum besser könnte. Eine Frau, die ihr Keuschheitsgelübde wie einen Überlebensschutz nutzt. Und die alles zu verlieren glaubt, weil sie ihren Blick in das Gesicht des englischen Heerführers Lionel (Alexander Khuon) als Bruch ihres Askeseversprechens interpretiert.

jungfrau von orleans1 280h arnodeclair uHirtin und Kriegerin: Kathleen Morgeneyer
als Johanna, Alexander Khuon als Lionel zu
ihren Füßen © Arno Declair

"Ring' um jeden Fußbreit Erde!"

Ihr König Karl? Der ist bei Christoph Franken auch so ein Traumwandler. Ein eher häuslicher Monarch, ein Phrasendrescher mit Krone und schwarzem Pelzmantel, der seine Hände, mit Ringen bepatzt, stets auftrittsgewohnt in Szene setzen kann. Bei schlechten Nachrichten vom Schlachtfeld fällt er um, krabbelt hilflos wie ein Käfer auf dem Bauch herum und ruft kläglich nach seiner Geliebten Agnes. Die wiederum, bei Meike Droste ganz coole Society-Dame, empfiehlt ihm in eleganter Abendrobe: "Ring' um jeden Fußbreit Erde!" Klar, dass sich diese Figuren ganz nach vorne an die Rampe drängeln, so dass Johanna zeitweise völlig von diesen Wichtigtuern verdeckt wird. Später wird auch Karls Mutter auftreten und über diese "hirnverrückte" Welt nachdenken, eine skurrile Frau, der Almut Zilcher die Aura einer zwielichtigen Magierin mitgibt. Einzig Markus Grafs Talbot durchschaut dieses Dickicht aus politisch-religiösen Durchhalteparolen, in dem er aufzählt, was bleibt: "nur die Einsicht in das Nichts und herzliche Verachtung alles dessen, was uns erhaben schien und wünschenswert." Und nein, es sind dies bei Thalheimer keine Karikaturen, nur eben Schiller-Figuren, schräg angerissen, ohne rhetorisches Beiwerk, oft verwesentlicht.

Auf dem Weg ins Bühnenweihfestspiel?

Im Grunde ist die gespielte Fassung der "Jungfrau" (von Thalheimer und Sonja Anders) ein Konzentrat, eine Verdichtung, eine schauspielerische Versuchsanordnung auch. Dass die Regie mit wohlfeilen Stadttheater-Verweisen auf Syrien und auf Deutschland als Kriegswaffen-Lieferant (oder mit Parallelen zu Gotteskriegern neueren Datums) nichts am Hut haben würde, war vorhersehbar. Doch Thalheimers Regie ist bei dieser "Jungfrau" nicht frei von Manierismen. Sein Sprechtheater schrammt stellenweise nur knapp an einer dunkel zelebrierten Schiller-Weihestunde vorbei. Thalheimer auf dem Weg zum "Bühnenweihfestspiel"? Nein, denn dazu bewegt sich diese Studie dann doch zu sehr im säkular-philosophischen Dilemma zwischen gesetzten Idealen und einer aus den Fugen geratenen Wirklichkeit.

Übrigens: Ganz zum Schluss deutet Thalheimer eine Lösung des Rätsels an, warum Kathleen Morgeneyers Johanna fast durchweg so still dasteht und warum sie am Ende immer mehr zittert, jammert, stöhnt und wimmert. Vielleicht, legt die Regie nahe, steht Johanna auf dem Scheiterhaufen und hat "von diesen Königen und Kriegestaten nur geträumt". So integriert Thalheimer – anders als der verklärende Schiller, der Johanna in eine letzte Schlacht ziehen lässt – auch die Realhistorie: die Verbrennung der Freiheitsheldin als Hexe. Thalheimers "Jungfrau von Orleans" erzählt, so gesehen, vom Traum Johannas auf dem Scheiterhaufen.


Die Jungfrau von Orleans
Romantische Tragödie von Friedrich Schiller
Fassung von Sonja Anders und Michael Thalheimer
Regie: Michael Thalheimer, Bühne: Olaf Altmann, Kostüme: Nehle Balkhausen, Musik: Bert Wrede, Dramaturgie: Sonja Anders, Licht: Robert Grauel.
Mit: Michael Gerber, Kathleen Morgeneyer, Christoph Franken, Meike Droste, Andreas Döhler, Henning Vogt, Jürgen Huth, Almut Zilcher, Peter Moltzen, Markus Graf, Alexander Khuon.
Dauer: 2 Stunden 15 Minuten, keine Pause

www.salzburgerfestspiele.at
www.deutschestheater.de

 

Kritikenrundschau

Die Berliner Premiere am Deutschen Theater sah Rüdiger Schaper (Tagesspiegel, 29.9.2013) und schreibt: "Dieser Schiller fühlt sich an wie ein Unentschieden, das man als Niederlage empfindet. Oder doch nicht? Es berührt, es ist ein kraftvolles Bild, wie Kathleen Morgeneyer da steht, im Lichtstrahl, der von links oben schräg vom Himmel auf sie fällt, ein überirdischer Fingerzeig." Morgeneyers Jeanne D'Arc ist im DT jedoch zur Statue erfroren, von Anfang an stecke sie bereits in der Schlussszene, "schweigend, betäubt vom Gebrüll der penetranten Krieger". Und die Männer? Sehen einfach nicht gut aus, "derart mittelalterlich heraus- und heruntergeputzt über die Bretter zu stapfen, und dann knarzen bei dem einen oder anderen auch noch die Stiefel. Und es wird geschrien wie auf dem Exerzierhof. Langweilig."

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (30.7.2013) schreibt Gerhard Stadelmaier unter dem Titel "Die Schreifrau von Orleans": "Die ganze Inszenierung besteht aus nichts anderem als aus dem Hin- und Herwerfen von Sprachbrocken. Als Brüllbrocken." Wobei Thalheimer mit dem Zeigefinger hinter jedem Wort herdeute. Die Figur der Johanna sei "nach fünf Minuten fertigerklärt und -inszeniert. Da sie dies zweieinviertel Stunden ist, wirkt diese Johanna dann doch ziemlich lange weilend. Sie hat hier keine Geschichte. Sie hat hier eine trotzige, unbewegliche Dauerbehauptung." Immhin sei die Schauspielerin Kathleen Morgeneyer, "die in der Vergangenheit alle ihre Mädchenfiguren (...) in eine hysterisch gackerflatternde Verrücktehuhnhaftigkeit hineinkieksen ließ", als Johanna "von einer durchaus beeindruckenden Herbheit und Klarheit." Doch am Ende sei es der langweiligste Johanna-Fall. "Man kann ihn erklären: eine arme kranke Frau. Man wird mit ihr fertig. Der tollste Johanna-Fall wäre der poetische: eine wunderbare Frau. Man kann sie nicht erklären."

In der Süddeutschen Zeitung (30.7.2013) schlägt Christine Dössel folgende Interpretation vor: "All das Gezeigte: eine Imagination der auf dem Scheiterhaufen verbrennenden Johanna – so macht im Rückblick Thalheimers karge, alle Sinnlichkeit des theatralischen Erlebens verweigernde Dunkelkammerversion des Stücks am ehesten Sinn. " Aus dem Stück eine "reine Kopfgeburt" zu machen, sei doch ein wenig dünn. Außerdem komme diese Auflösung spät, "bis dahin hat man sich an diesem zähen Abend des expliziten Sprech-Theaters doch etliche Male gewundert, warum die Inszenierung gar so intellektuell-konzeptuell starr und streng bleiben muss." Trotz der beeindrucken Johanna wirkten die Figuren manchmal "wie Modellfiguren aus der Playmobil-Ritterburg, hin- und hergeschoben von einem Regisseur, der im Auftrag eines höheren Plans schon mal ein paar Bauernopfer bringt. Dass diese Ritter, um in der statischen Versuchsanordnung des Abends die Dramatik des Kriegs zu beschwören, sich zum Teil in ein furchtbares – auch: pathetisch-deklamatorisches – Theatergeschrei ergeben müssen, gehört (...) zu den Kollateralschäden des Regiekonzepts."

Thalheimer interessiere sich "für den reinen Mechanismus eines Gottesauftrags" und lasse "das Premierenpublikum daran in Form eines exquisiten Deklamationstheaters teilhaben", schreibt Margarete Affenzeller im Standard (30.7.2013). Damit "scheitert" er. Denn umfängt "einen anfangs noch anregende Befremdung, so geht das überwiegend stoische Deklamieren alsbald ins Leere" (wiewohl Morgeneyers Stimme "der Höhepunkt des Abends" sei). Der Regisseur "lässt nicht interagieren, sondern verschiebt die Schauspieler umstandslos wie Figuren eines Brettspiels; es handeln keine Menschen, vielmehr Prinzipien."

Kathleen Morgeneyer würden "durch das strenge Regiekonzept, das die Darsteller als Einzelkämpfer vorführt, sämtliche schauspielerischen Mittel entzogen", schreibt Petra Paterno in der Wiener Zeitung (online 29.7.2013). "Wie eine Zinn-Soldatin steht ihre Johanna nahezu die gesamte Spielzeit über wie angewurzelt im Rampenlicht. Ihr einzig verbliebenes Ausdrucksmittel, Stimme und Sprache, setzt sie gekonnt ein – und changiert effektvoll zwischen verwirrtem Kind und Domina. Dennoch bleibt die Figur Abziehbild, wird selten lebendig. Daran laboriert der Abend: Der strenge Formwille treibt dem Stück seinen Atem aus. Das durchaus ambitionierte Konzept erstarrt in einstudierten Gesten."

"Thalheimers allzu äußerlich angelegte Inszenierung lässt kaum leise Töne oder direktes Spiel zu, die Szenen wirken statisch", schreibt Julia Danielczyk in den Salzburger Nachrichten (online 29.7.2013). „Damit finden die Konflikte zwar bildgewaltige Entsprechungen im Raum, Beziehungen entwickeln die Figuren aber keine. Thalheimer behauptet die Geschichte dieser sonderbaren Frau, er erzählt sie nicht. Dieses kalte Kunsthandwerk fand nur bedingt Zustimmung, viele Buhrufe trafen den viel beschäftigten Regisseur. Kathleen Morgeneyer aber überzeugte mit Präsenz und Sprachpräzision als Titelheldin, ihr galt der Jubel bei der Premiere."

Von einem "wenig erhellenden Abend" berichtet Frederik Hanssen im Berliner Tagesspiegel (30.7.2013). Mit der Figur der Jeanne d'Arc könne der Regisseur "wenig anfangen. Er respektiert ihren Glauben – weil er sich im Gegensatz zum Wissen nicht widerlegen lässt. Aber er hält Abstand. Er stellt seine Titelfigur aus, im abstrakten Nicht-Raum, lässt sie reglos rezitieren in ihrem einsamen Rampenlicht." Dabei gestatte sich Kathleen Morgeneyer nie "den hohen Ton, der Schillers Versen innewohnt", sondern changiere zwischen einer natürlichen "Mädchenstimme" und dem "Donnerwort Mariens, zu deren Sprachrohr, ja, zu deren Megafon sie ungewollt geworden ist. Denn die Muttergottes hat das Organ einer Berliner Hauswartsfrau. Durch Morgeneyers Mund dröhnt sie ihre Botschaften heraus, prollig, patzig und vulgär, als wär' die irdische Welt ihr Hinterhof."

In einer "runtergekühlten Sprechtheater-Version" des Schillerdramas, in der alles von Johannas "Omnipräsenz überschattet" werde, fand sich K. Erik Franzen für die Berliner Zeitung (30.7.2013) wieder. "Alle anderen Figuren agieren im Dunklen, sie bekommen nur dann ein paar Lichtstrahlen zugeteilt, wenn sie sich der Johanna nähern. Sie sprechen, selbst wenn sie an der Rampe stehen, ohne Unterstützung der Schweinwerfer. Schnell ist also klar, dass hier nicht der Außenraum, sondern Johannas Innensicht gezeigt wird." Thalheimer zeichne immer wieder "mit wenigen Strichen einprägsame Schlachtgemälde eines Seelenkrieges, der ein existentielles Verwundetsein spiegelt. Schillers massentaugliches Drama wird also Thalheimer-typisch eingekocht, wenig ist zu erkennen vom politischen und ideologischen Radikalismus der Französischen Revolution und ihren Folgen. Auch die Transformation ins Heute fehlt."

Armselig falle "das Sprach-, Gesten- und Bewegungs-Repertoire aus, das Michael Thalheimer den anderen Figuren zugesteht", sagt Karin Fischer in der Sendung "Kultur heute" auf Deutschlandfunk (30.7.2013). "Alle scheinen schimpfend zu rufen oder rufend zu schimpfen, wobei man sie praktisch nicht sieht, denn der Rest der Bühne ist stockdunkel." Dabei bleibe mit den Schauspielern auch "jede Idee für das Drama im Dunkeln." Fazit: "Wenn Thalheimer mit seiner 'Johanna' eine neue Radikalität im Ausdruck gesucht hat, ist ihm das gelungen. Nur hat er die Vieldimensionalität von Schillers Drama damit auch radikal verfehlt."

"Kathleen Morgeneyer ist in der Inszenierung eine Frau, die alles in übergrossem Ernst, in bitterbösester Konsequenz nimmt", schreibt Dirk Pilz in der Neuen Zürcher Zeitung (6.8.2013). Michael Thalheimer und seine Dramaturgin "haben Schillers klug eingekürzten Dramentext konzeptionell auf Johanna als überragende Hauptfigur zugespitzt. Und sie haben mit Kathleen Morgeneyer die passgenaue Schauspielerin." Alle Stücklinien führe die großartige Augenspielerin Morgeneyer in ihre Johanna-Blicke zusammen, alle Widersprüche, alle Unvereinbarkeiten.

Johannas ungeheure Wirkung, die sie bei Gegnern und Verbündeten hinterlässt, habe in Thalheimers Inszenierung keinerlei dramatische Kraft, findet Peter Kümmel in der Zeit (8.8.2013). "Um seine tiefere Wirkung wird das Stück hier betrogen: nämlich um den Raum, der sich auftut zwischen den Deutungsmöglichkeiten." Fazit: "Schon bei vielen Thalheimer-Inszenierungen hatte man den Eindruck, man betrachte eine Nachwelt, und Tote rekapitulierten ihr Leben und spielten es auf der Bühne bis in alle Ewigkeit. Auch in
Salzburg gilt: Was Johanna uns sagt, ist längst vergangen, Johanna ist schon gefallen."

In der Welt (10.8.2013) schreibt Manuel Brug: "Die strenge Zurichtung von Schillers heute kaum spielbarer "romantischer Tragödie" durch Michael Thalheimer und das Deutsche Theater Berlin gefiel nicht wirklich." Statt Schlachtgetümmel, Ritterraunen, Intrigengespinst und Engelseinflüstereien gebe es hier unter einer kaum sichtbaren Kuppel im scharf geschnittenen, durch ein Loch fallenden Scheinwerferkegel nur eine herb-schlichte Jungfrau (Kathleen Morgeneyer) und ein fett greinendes Königskind im Pelzrock (Christoph Franken) zu bestaunen, die stundenlang an einem Fleck verharrten und monoton deklamierten. "Das braucht viel Gedankenarbeit und Sitzfleisch im Halbdunkel." Dafür werde man aber immerhin belohnt mit einer wie gemeißelten Textexegese. "'Die Jungfrau von Orleans' als Aufmerksamkeit förmlich erzwingendes Albtraumspiel einer Säulenheiligen."