"Am Königsweg" aus dem Deutschen Schauspielhaus Hamburg

23. April 2020. Weil die Theater nicht mehr spielen können, stellt nachtkritik.de einen digitalen Spielplan aus Mitschnitten von Inszenierungen zusammen. Ab 23. April 2020 um 18 Uhr ist hier ein Generalprobenmitschnitt der Uraufführung von Elfriede Jelineks "Am Königsweg" in der Regie von Falk Richter vom Deutschen Schauspielhaus Hamburg zu sehen. Premiere war am 28. Oktober 2017. Die Produktion wurde zum Berliner Theatertreffen 2018 und zu den Mülheimer Theatertagen 2018 eingeladen. Bei der Jahresumrage des Fachmagazins "Theater heute" gewann sie 2018 in mehreren Kategorien (Beste Inszenierung, Bestes Stück, Beste männliche Darstellerleistung: Benny Claessens, Beste Kostüme: Andy Besuch).

 

 

Regisseur Falk Richter, Comedienne Idil Baydar (alias  Jilet Ayşe) und Schauspielerin Anne Müller werden im Live-Chat dabei sein. Der Live-Chat startet um 20 Uhr. Alle, die gemeinsam schauen oder auch mitreden wollen, drücken um 20 Uhr gleichzeitig auf Play. Nachtkritik-Redakteur Christian Rakow zählt als Host des Abends den Countdown an.


Auf der Homepage des Deutschen Schauspielhauses Hamburg heißt es zu dem Stück:

"Achtung, hier kommt der neue König…!" Der Sieger, der Vorkämpfer, der Anführer, der Gewinner, der Vater, der Erlöser, der Gott: Viele Namen trägt der gerade erwählte König, doch wie er wirklich heißt, wird nie direkt ausgesprochen: Donald J. Trump ist Anlass, aber nicht Essenz des neuen Stückes von Elfriede Jelinek. Sie stellt sich grundsätzlichere Fragen wie: Wieso treten Rechtspopulismus und Superkapitalismus stets gemeinsam auf? Bedeutet der Sieg dieses Königs nicht die gespenstische Rückkehr des „Alten“, „historisch Überlieferten, auch wenn damals Millionen daran krepiert sind“? Und wieso steht der Verblendung der neuen Rechten keine Hellsicht der Gegner gegenüber? Wieso sind in diesem Schauspiel alle blind?

Gleich zu Beginn des Stückes: Auftritt der Autorin als blinde Seherin; sie blutet aus den Augen, später auch aus dem Mund. Der König tritt als blinder Ödipus auf. Er bringt die Pest und wird bald ausgestoßen werden, aber noch sitzt er in seinem goldenen Turm auf goldenen Stühlchen, trinkt mit seiner goldigen Familie aus goldenen Bechern. Seine Anhänger und Gegner schlagen derweil aufeinander ein wie Kasperle auf das Krokodil. Wo sind wir hier? In einer Monster Horror Picture Show? Im Unterschichtsfernsehen? Einem schlechten Imperator-Film? In einem Helden-Cartoon? Trumps Selbstinszenierung liefert die perfekte Steilvorlage für Jelineks geniale Parodie. Und doch bleibt Verzweiflung, Ohnmacht und Erschrecken spürbar: über den Hass und die Wut der neuen weißen Rotten, über Nationalismus und Rassismus, die wie monströse Zombies aus alten Gräbern wiederauferstehen.


Hier lesen Sie Falk Schreibers Nachtkritik zur Uraufführung vom 28. Oktober 2017 in Hamburg.

Hier Nikolaus Mercks Besprechung des Theatertreffen-Gastspiels im Mai 2018 in Berlin.

 

Am Königsweg
von Elfriede Jelinek
Uraufführung
Regie: Falk Richter, Bühne: Katrin Hoffmann, Kostüme: Andy Besuch, Komposition und Musik: Matthias Grübel, Video: Michel Auder, Meika Dresenkamp, Licht: Carsten Sander, Dramaturgie: Rita Thiele, Ton: André Bouchekir, Hans-Peter "Shorty" Gerriets, Lukas Koopmann, Videotechnik: Alexander Grasseck, Antje Haubenreisser.
Mit: Idil Baydar, Benny Claessens, Matti Krause, Anne Müller, Ilse Ritter, Tilman Strauß, Julia Wieninger, Frank Willens.
Dauer: 3 Stunden 30 Minuten, eine Pause

www.schauspielhaus.de

 

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