Geschichte als Beute

von Janis El-Bira

22. September 2020. Man soll ja nicht gleich mit Shakespeare kommen, aber dieser Satz ist natürlich zu schön: Dass die ganze Welt eine Bühne sei und alle Menschen bloße Spieler. Also fängt man doch mit Shakespeare an. Lieber jedenfalls als mit einem Wortungetüm wie "Inszenierungsgesellschaft", obwohl diese Kolumne der Theoriebildung rund um Theatralität und Performativität immer mal wieder die Stichworte verdanken wird. Aber eigentlich will ich mich bloß umschauen, tatsächlich oder virtuell, und mich mit Ihnen, liebe Leser*innen, einigen Orten und Situationen aussetzen, die starke Behauptungen vor sich hertragen. Denn aus Behauptungen ist das Theater schließlich gezimmert. Aus der Behauptung zum Beispiel, ein*e Andere*r zu sein oder ganz man selbst, weit weg oder im Hier und Jetzt, alles neu zu machen oder einer Tradition dienen zu wollen. Die Lagerkämpfe, die entlang dieser Behauptungen regelmäßig aufwallen (etwa rund um den Begriff der Authentizität), interessieren mich weniger.