Presseschau vom 2. Januar 2012 - Peter Konwitschny verlässt die Oper Leipzig
Das Unterhaltende ist gefragt
Leipzig, 2. Januar 2012. Die Leipziger Kulturlandschaft kommt nicht zur Ruhe. Nach der Ankündigung Sebastian Hartmanns, seine Intendanz des Centraltheaters nicht über die Spielzeit 2012/2013 hinaus zu verlängern, hat nun Peter Konwitschny seinen Posten als Chefregisseur der Oper aufgegeben. Eigentlich galt sein Vertrag bis 2014.
Hintergrund ist die unbefriedigende Leipziger Kulturpolitik. Im Gespräch mit MDR Figaro (27.12.2011) erläuterte Konwitschny, bei seiner Vertragsunterzeichnung hätten ihm sowohl der Oberbürgermeister Burkhard Jung als auch der damalige Kulturdezernent Girardet versichert, dass Alexander von Maravic Intendant werde. "Das war quasi eine Bedingung von mir", sagte Konwitschny. "Doch das ist nicht passiert, es wurde immer länger rausgeschoben. Und dann sahen wir uns in der Oper plötzlich mit einem Intendanten versehen, den wir zwar kannten, aber nicht seine Auffassung, was er mit der Oper machen und ob er unsere Sache fortsetzen will. Ein Oberbürgermeister muss doch einen Intendanten finden, der dazu passt."
Konwitschny habe schon im Sommer gemerkt, dass die Chemie zwischen Intendant Ulf Schirmer und ihm nicht stimme. Schirmer habe den Spielplan 2012/2013 "völlig neu zusammengestellt, ohne mich als Chefregisseur nur ein einziges Mal heranzuziehen", berichtete er. "Jetzt bei der Bauprobe für unsere Uraufführung hat Herr Schirmer sich über das Stück so negativ geäußert, dass ich wusste: Es hat keinen Zweck. So unterschiedliche Auffassungen können nie konform gehen."
Eine Personalie wie andere auch, ein Abgang wegen persönlicher Animositäten, wie es sie öfter gibt im Kulturgeschäft? Der Skandal liege in den Versäumnissen der Leipziger Kulturpolitik, stellt Uwe Friedrich im Deutschlandfunk (29.12.2011) klar: Dass es nicht einfach würde, ausgerechnet Konwitschny und Schirmer zusammenzuspannen, habe von Anfang an auf der Hand gelegen. "Aber in Leipzig ist besonders eklatant, dass die Kulturpolitiker keine Vorstellung mehr davon haben, wie unsere großen Institutionen funktionieren. Da wird abwechselnd gefordert, das Opernhaus müsse internationale Strahlkraft haben, dann wieder, es müsse aber auch Lieschen Müller aus Kleinzschocher gefallen. Dass beides schlecht zusammen geht, ist in Leipzig offenbar noch niemandem aufgefallen."
Überraschend kommt der Weggang Konwitschnys von der Leipziger Oper auch für Wolfgang Schreiber in der Süddeutschen Zeitung (2.1.2012) nicht. "Schon Anfang Dezember hatte er sich krankheitshalber von seinen Aufgaben zurückgezogen und die Premiere der 'Macbeth'-Übernahme in Leipzig neulich nicht mehr selbst betreut." Versagt habe Leipzigs Kulturbehörde, die die Situation herbeigeführt hatte. "Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) begrüßt die Neukonzeption des Hauses durch den Intendanten, im Sinne einer Popularisierung der Oper - Peter Konwitschny bleibt auf der Strecke. Mag sein, dass der Eklat auch einer gesundheitlichen und künstlerischen Krise des Regisseurs geschuldet ist. Fest steht, dass sich die Regietheaterzeiten geändert haben: Das populär Eingängige, Unterhaltende ist gefragt."
(geka)
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es lebe die wahrheit des regietheaters!