Geaechtet2 280 David Baltzer u"Geächtet" in Köln  © David BaltzerKöln, 25. Mai 2017

Kein Entkommen

Ein pakistanischer Anwalt versuchte alles, um in der US-Amerikanischen Gesellschaft anzukommen. Er legt Herkunft und Religion ab, doch am Ende bleibt er Außenseiter. Ayad Akhtars Geächtet ist derzeit ein Dauerbrenner auf den Bühnen. Nun inszeniert auch Stefan Bachmann das Stück am Schauspiel Köln. Sascha Westphal ist hingerissen.

 

Recklinghausen, 25. Mai 2017: Sebastian Hartmanns düstere Adaption von Alfred Döblins Berlin Alexanderplatz war gestern bei den Ruhrfestspielen zu sehen. Hartmut Krug besuchte im letzten Jahr die Premiere am Deutschen Theater Berlin.

Wien, 25. Mai 2017: Mohammad Al Attars Stück Während ich wartete erzählt den syrischen Bürgerkrieg als Familiengeschichte. Omar Abusaad Inszenierung gastierte gestern bei den Wiener Festwochen. Michael Laages sah sie schon letztes Jahr beim Braunschweiger Festival Theaterformen.

Recklinghausen, 25. Mai 2017: Johanna Wehners Inszenierung von Wallace Shawns bitterer Dystopie Evening at the Talk House lief gestern bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen. Sascha Westphal saß vor zwei Wochen in der Premiere.

Berlin, 22. Mai 2017: Auerhaus von Bov Bjerg am Deutschen Theater Berlin

Auerhaus ist so etwas wie ein Theaterstoff der Stunde. Die Geschichte von Frieder, der am Ende auch von seinen Freunden nicht im Leben zu halten war, beschäftigt die Fantasie der Spielemacher. Am Deutschen Theater Berlin hat Nora Schlocker die Erzählstimmen des Romans vervielfacht. Sophie Diesselhorst ist sehr angetan.

Hamburg, 21. Mai 2017: Antú Romero Nunes Version der Odyssee am Thalia Theater

Noch vor der Eröffnung von Theater der Welt hat Antú Romero Nunes am Thalia Theater den Hamburger Eigenbeitrag herausgebracht: Die Odyssee nach Homer im besetzungsmäßigen Taschenformat für nur zwei Spieler. Aus groß machen die Thalia-Menschen klein und aus klein machen sie Riesentheater, Stefan Schmidt berichtet.

Recklinghausen, 21. Mai 2017: Michael Köhlmeiers Das Mädchen mit dem Fingerhut

Weiße Puderschichten auf Gesichtern, Schneeflocken-Licht – mit Verfremdungseffekten verstärkt Regisseur Alexander Riemenschneider die Poesie der Fremdheit, von der Michael Köhlmeier in Das Mädchen mit dem Fingerhut erzählt. Sascha Westphal war bei der Premiere.

Wien, 21. Mai 2017: Michael Thalheimer statuiert Die Perser am Akademietheater

Kann Theater sonstwo sein, wie es will. Bei Michael Thalheimer bleibt alles, wie es war: Stehen, schauen, sprechen, Blut fließt. Jetzt bei Aischylos' Die Perser im Akademietheater, Reinhard Kriechbaum bespricht den Sachverhalt. 

Berlin, 21. Mai 2017: Necati Öziris get deutsch or die tryin' im Gorki Theater

Necati Öziris get deutsch or die tryin' entstand in der Schreibwerkstatt des Maxim Gorki Theaters. Und wird nun von Sebastian Nübling auf der großen Bühne very rich erzählt. Mehr von Wolfgang Behrens.

Zürich, 21. Mai 2017: Barbara Frey adaptiert Jakob von Gunten am Schauspielhaus

"Ich werde eine reizende, kugelrunde Null in meinem späteren Leben sein", hofft Jakob von Gunten im Roman von Robert Walser. Barbara Frey adaptiert den Stoff für das Zürcher Schauspielhaus. Christoph Fellmann berichtet.

Berlin, 21. Mai 2017: Johannes Hoffmanns Anschlag im Heimathafen Neukölln

In seinem Stück Anschlag verhandelt Johannes Hoffmann das Massaker im Pariser Konzertsaal Bataclan. Der Heimathafen Neukölln zeigt nun die Inszenierung von Krzysztof Minkowskis. Elena Philipp war für uns dabei.

Detmold, 20. Mai 2017: Am Strand der weiten Welt von Simon Stephens

Eine glückliche Familie verliert durch einen Unfall einen Sohn im Teenageralter. Das ist die Scheidelinie, an der Simon Stephens sein Stück Am Strand der weiten Welt entwickelt. Am Landestheater Detmold eröffnete Martin Pfaffs Inszenierung des preisgekrönten Familiendramas das NRW-Theatertreffen. Sascha Westphal berichtet.

Bochum, 20. Mai 2017: Roger Vontobels Kampf des N***s und der Hunde

Der Titel des Stücks zeugt vom depperten Exotismus der europäischen Dramatik: Kampf des N***s und der Hunde. Aber gesetzt Afrika war für Bernard-Marie Koltès nur eine Metapher, bekommt das Stück Spielbarkeit zurück. Roger Vontobel hat inszeniert, Gerhard Preußer zugeschaut.

Konstanz, 20. Mai 2017: Anna-Sophie Mahler re-cantaisiert Fellini - Alla Fine del Mare

Anna-Sophie Mahlers Musiktheater Alla Fine Del Mare nimmt Motive von Federico Fellinis "E La Nave Va" auf und spitzt sie für die Gegenwart zu, ein Erlebnis, Elisabeth Maier war am Bodensee.

Bamberg, 20. Mai 2017: Sibylle Broll-Pape präsentiert starke Frauen - Drei Winter

Tena Štivičić' Drama Drei Winter erzählt 70 Jahre kroatischer Geschichte. Sibylle Broll-Pape hat das Frauenstück texttreu im realistischen Bild inszeniert. Andreas Thamm sah die Premiere.

Mülheim/Ruhr, 20. Mai 2017: Deine Liebe ist Feuer des syrischen Collectives Ma’louba

In der Liebe wie im Krieg taucht manchmal die gleiche Frage auf: Gehen oder Bleiben? Darum baut das syrische Collective Ma'louba sein Stück Deine Liebe ist Feuer, das Friederike Felbeck im Theater an der Ruhr begutachtete.

Münster, 19. Mai 2017: Meinhard Zanger mit Das neue Jerusalem von Arna Aley

In den 1530er Jahren radikalisierten sich die Reformatoren in Münster und riefen das Täuffereich aus. Arna Aley hat die Geschichte für das Wolfgang-Borchert-Theater dramatisiert. Dessen Intendant Meinhard Zanger inszeniert nun Das neue Jerusalem. Kai Bremer pilgerte hin.

Wien, 17. Mai 2017: Promised Ends bei den Wiener Festwochen

Und weiter geht's bei den Wiener Festwochen unter dem neuen Chef Tomas Zierhofer-Kin mit einem performativem Großaufegbot. In Promised Ends: The Slow Arrow of Sorrow and Madness zelebrieren Saint Genet ein Grausamkeitsfest. Mit Verausgabung, Schweiß, Übergriffen – und toller Musik. Mitgeschwitzt hat Theresa Luise Gindlstrasser.

Wien, 14. Mai 2017: Ishvara von Tianzhuo Chen bei den Wiener Festwochen

Der neue Festwochen-Chef Tomas Zierhofer-Kin hat bekundet, dass Genregrenzen zwischen Theater, Konzert, Kunst etc. für ihn in die Mottenkiste gehören. Also gibt's zum Start der Wiener Festwochen 2017 gleich mal einen Rave, der Bühnenspiel ist, von einem Bildenden Künstler, der Skulpturen, Sound, Musik mixt sowie Text, den man nicht mitlesen kann. Ishvara von Chinas Shooting Star Tianzhuo Chen sah Martin Thomas Pesl.

Stuttgart, 14. Mai 2017: Stefan Puchers bilderstarker Horváth Kasimir und Karoline

Aufnahmen aus dem Autokino, Luftschiffe über dem Volksfest und sogar ein Hitler-Video. Stefan Pucher fährt gewohnt bilderstark auf für Horváths Kasimir und Karoline. Steffen Becker weiß mehr.

Würzburg, 14. Mai 2017: Brit Bartkowiaks starker Lorca-Abend Bluthochzeit

Hinter der Alltagsfassade hausen Monster, das Jenseits erstreckt sich alptraumhaft ins Diesseits. In diesem Zwilicht siedelt Brit Bartkowiak im Theater Würzburg Frederico Garcia Lorcas Bluthochzeit an. Christian Muggenthaler berichtet.

Saarbrücken, 14.Mai 2017: La Révolution #1 ... von Joël Pommerat

La Révolution #1 - Wir schaffen das schon von Joël Pommerat überreichen Wolfram Apprich, Klaus Gehre, Marcus Lobbes und Christopher Haninger zum Ende der Intendanz Dagmar Schlingmann einen Blumenstrauß der Regiehandschriften. Den Reingart Sauppe entgegennahm.

Köln, 14. Mai 2017: Nuran David Calis' Stückentwicklung Istanbul

Wie ticken die Deutschtürken? Zum Beispiel die, die für Erdoğans Verfassungsreferendum stimmten? Die Frage trieb am Schauspiel Köln Nuran David Calis um. Istanbul heisst der Abend, der dabei herauskam. Und den Tilman Strasser sah.

Düsseldorf, 13. Mai 2017: Rimini Protokolls Gesellschaftsmodell Großbaustelle (Staat 2)

Jede größere Stadt, die was auf sich hält, hat eine Großbaustelle. Die erzeugen zuverlässig Skandale und schlucken sehr viel Geld, worüber sich dann alle gemeinsam aufregen können. Aber wer ist eigentlich schuld? Am Düsseldorfer Schauspielhaus untersuchen Rimini Protokoll das Phänomen – ihre interaktive Installation Gesellschaftsmodell Großbaustelle (Staat 2) durchwanderte Martin Krumbholz.

Basel, 13. Mai 2017: Claudia Bauer bringt Philipp Löhles Schlaraffenland heraus

Was tun, wenn man sich der eigenen Verstrickung in den globalen Kapitalismus bewusst wird? Wie sich Autor Philipp Löhle und Regisseurin Claudia Bauer bei der Uraufführung von Schlaraffenland dieser Frage stellen, weiß Christoph Fellmann.

Berlin, 13. Mai 2017: Stephan Kimming zeigt Corinna Harfouch als Racines Phädra

Corinna Harfouch und Alexander Khuon sind seit Gosch-Zeiten ein bewährtes dramatisches Liebespaar. Jetzt wieder in Jean Racines Phädra, die Stephan Kimmig am Deutschen Theater in die Gegenwart holen will. Mehr von Hartmut Krug.

Bamberg, 13. Mai 2017: Mizgin Bilmen bringt Antigone an die baccahanalische Festtafel

Wenn Antigone auf eine bacchanalische Festtafel steigt, dann geht es dort bald ziemlich blutig zu. Mizgin Bilmens kompakte Sophokles-Inszenierung am E.T.A.-Hoffmann-Theater sah Andreas Thamm.

Trier, 13. Mai 2017: Lothar Kittsteins Provinzstück Happy Hour

Zuerst sollte es ja ein Text über den Fall Tanja Gräff werden, doch nun hat Lothar Kittstein mit Happy Hour ein Kneipenstück über das Klebenbleiben in der Provinz geschrieben. Über die Uraufführung von Alice Buddeberg berichtet Rainer Nolden.

Recklinghausen, 12. Mai 2017: Bombenstimmung von Jan Neumann

Fake News haben für Medienmacher viele Vorteile: Keine Recherche nötig, man ist schneller als die Konkurrenz und kann sie verkaufsfördernd zuschneiden. Jan Neumann hat mit Bombenstimmung eine schrille Medien-Komödie verfasst, die Hasko Weber mit dem Ensemble des Nationaltheaters Weimar bei den Ruhrfestspielen uraufführte – und, Gerhard Preußer?

Linz, 12. Mai 2017: Ferdinand Bruckners Krankheit der Jugend am Theater Phönix

Ferdinand Bruckner hat 1926 mit Krankheit der Jugend eine rabenschwarze, noch immer stimmige Generationenanalyse vorgelegt. Am Theater Phönix hat Christine Eder das Stück nun in rasante Leere getrieben. Reinhard Kriechbaum berichtet.

Wien, 12. Mai 2017. Bara Kolenc/Atej Tutta zeigen Metamorphoses 3°: RETORIKA am brut

Beim Theatertreffen 2016 gewannen sie per Pitch den Werkauftrag des Stückmarkts; nun zeigen Bara Kolenc und Atej Tutta im brut Wien Metamorphoses 3°: RETORIKA, den jüngsten Teil ihrer Verwandlungs-Serie, bei dem es Theresa Luise Gindlstrasser zufolge darum ging nur Bahnhof zu verstehen.

Wien, 10. Mai 2017: Ingrid Lang inszeniert Orgie nach Pier Paolo Pasolini

Altersempfehlung ab 18 Jahren, Orgie von Filmemacher Pier Paolo Pasolini am Wiener Hamakom Theater. Nichts für zart besaitete Gemüter, was Regisseurin Ingrid Lang da veranstaltet. Skandalträchtig womöglich. Aber: Im Wiener Theater ist derzeit nichts von vergleichbarer Intensität zu sehen, sagt Martin Thomas Pesl.

München, 8. Mai 2017: Martin Kušej inszeniert Phädras Nacht

Nachdem Hippolyt sie abgelehnt hat, bringt Phädra sich um, nicht ohne ihn per Abschiedbrief fälschlich beschuldigt zu haben, ihr nachgestellt zu haben. Von Euripides bis Sarah Kane ist diese Geschichte dramatisch weiterverarbeitet worden; jetzt lassen am Residenztheater Martin Kušej und Albert Ostermaier Bibiana Beglau Phädras Nacht beschwören und machen Hippolyt zum afghanischen "Fremden". Mehr von Sabine Leucht.

Halle, 7. Mai 2017: Thirza Bruncken koppelt Bremer Freiheit & Herzog Blaubarts Burg

Die Oper Halle macht schon länger durch Regietheater-Experimente von sich reden – und steht dieser Tage unter Beschuss der lokalen Zeitung, die ihr "Mäßigung und Sparsamkeit" empfiehlt. Nun bringt sie in ihrer neuesten Premiere gleich zwei Stücke heraus, Rainer Werner Fassbinders Bremer Freiheit und Béla Bartóks Herzog Blaubarts Burg. Immerhin benutzt Regisseurin Thirza Bruncken für beide Teile dasselbe Bühnenbild. Mehr von Matthias Schmidt.

Zürich, 7. Mai 2017: Herr Puntila und sein Knecht Matti von Sebastian Baumgarten

Knechte, die immerzu Hering essen müssen, gibt es vermutlich keine mehr, Herr-und-Knecht-Verhältnisse aber immer noch. Am Zürcher Schauspielhaus hat jetzt Sebastian Baumgarten Bertolt Brechts Herr Puntila und sein Knecht Matti aktualisiert. Mit dabei: Valeria Heintges.

München, 6. Mai 2017: Alvis Hermanis mit Insgeheim Lohengrin am Residenztheater

Alvis Hermanis ist zurück – nachdem er sich 2015 mit Anti-Willkommenskultur-Statements unbeliebt gemacht hatte, inszeniert Hermanis jetzt erstmals wieder in einem deutschen Theater, und zwar im Residenztheater München: Insgeheim Lohengrin, eine Stückentwicklung über Wagner-Fans. Die sich – vielleicht vor der Politik – in die Kunst flüchten, schreibt Willibald Spatz.

Zürich, 6. Mai 2017: Tom Schneider inszeniert Faust(In and Out) am Neumarkt

Elfriede Jelineks Sekundärdrama "FaustIn and Out" geistert seit fünf Jahren durch Goethe-Inszenierungen oder an ihnen entlang. Jetzt ist es wieder in Zürich gelandet, in Faust am Theater Neumarkt, inszeniert von Tom Schneider. Zu welchem Ende, Claude Bühler?

St. Pölten, 6. Mai 2017: Die Eroberung des goldenen Apfels von Hakan Savaş Mican

Hakan Savaş Mican und Emre Akal haben in Die Eroberung des goldenen Apfels ein nationalistisches Heldenstück über die türkische Belagerung Wiens zum Anlass genommen, um am Niederösterreichischen Landestheater über gelungene und gescheiterte Integration nachzudenken. Mit dabei: Veronika Krenn.

Recklinghausen, 4. Mai 2017: Robert Wilson mit Der Sandmann

Das berühmteste Automaten-Märchen der Schwarzromantik in den werkfreudigen Händen des wohl größten lebenden Bühnenmaschinisten: also E.T.A. Hoffmanns Der Sandmann in der Regie von Robert Wilson. Dieses Zusammentreffen bei den Ruhrfestspielen dürfte doch wohl Funken schlagen, ach was, gleich ganze Elektrizitätswerke erschüttern. War es so, Andreas Wilink?

Recklinghausen, 3. Mai 2017: Die Guerilla-Folk-Oper Counting Sheep, Ruhrfestspiele

Die Ruhrfestspiele in Recklinghausen sind eröffnet. Heute Abend kommt Robert Wilson. Den Anfang aber machen Mark Marczyk und Marichka Marczyk mit ihrer Guerilla-Folk-Oper Counting Sheep. Ein Lehrstück für die Zuschauer. Die das Chaos des revolutionären Maidan von Kiew am eigenen Leib erfahren. Was als großes geselliges Mahl beginnt, schlägt um in den schmutzigen Krieg  an der Grenze. Sascha Westphal war unter den Schafen, die in die Schlacht geführt wurden.

Luzern, 1. Mai 2017: Der Mensch erscheint im Holozän von Max Frisch + Gustav Mahler

Ein alternder Mann, abgeschnitten von der Außenwelt in einem Tessiner Bergtal: Der Mensch erscheint im Holozän. In Luzern hat Felix Rothenhäusler die späte Erzählung von Max Frisch mit Gustav Mahlers nachgelassener 10. Sinfonie ins Spiel gebracht. Zu welchem Ende, Andreas Klaeui?

Darmstadt 30. April 2017: Ruf der Wildnis Soeren Voima liest Jack London

Aus der Sicht eines Hundes schrieb Jack London seinen Abenteuerroman Ruf der Wildnis. Eine Geschichte über die Härte der Natur und die Rohheit der Menschen. Christian Weise hat nun Soeren Voimas Bearbeitung inszeniert. Mit Schauspieler Samuel Koch im Schneewittchensarg. Was erzählt das? Alexander Jürgs berichtet.

Wien, 30. April 2017: René Pollesch fahndet nach Carol Reed am Burgtheater

Hat Katrin Brack ein Bühnenbild gebaut oder nicht? Um diese und andere Sinn-suchenden Fragen kreist René Polleschs neuer Abend Carol Reed. Eine skurrile Dinnergesellschaft trifft sich, aus der Birgit Minichmayr und Martin Wuttke herausstechen. Der Titel "Carol Reed"? Eine falsche Fährte wie so Vieles. Mehr von Eva Biringer

München, 30. April 2017. Am Freitag begann am Münchner Volkstheater das Festival Radikal jung mit Nathan der Weise in der Regie von Leonie Böhm vom Thalia Theater Hamburg. Alle weiteren Einladungen finden Sie hier.

Essen, 29. April 2017: Forced Entertainment erzählen von Dirty Work auf Pact Zollverein

Die Erzähl-Wettbewerbe von Forced Entertainment sind legendär – immer auf der Suche nach dem Totaltheater und seiner totalen Dekonstruktion. Jetzt haben sich Tim Etchells und Co. wieder eine unmögliche Aufgabe gestellt und fassen die Katastrophe in Worte. Dirty Work (The Late Shift) hatte Premiere im Pact Zollverein, Dorothea Marcus war dabei und bekam Spaß und Kopfschmerzen.

München, 29. April 2017: Christopher Rüping inszeniert Julys Der erste fiese Typ

Mit ihren Short Stories und Filmen ist Miranda July die Ikone des Pop-Feminismus. Ihren ersten Roman hat nun Christopher Rüping auf die Bühne der Kammerspiele gebracht. Miranda Julys Der erste fiese Typ begeisterte Willibald Spatz.

Berlin, 29. April 2017: Falk Richters Verrräter am Maxim Gorki Theater

Sind die schönen Tage in der offenen Gesellschaft nun zu Ende? Fest steht: sie ist unter Druck. In seiner Stückentwicklung Verräter - Die letzten Tage lässt Falk Richter ihre Protagonisten mit der Bedrohung hadern. Und fantasiert einen kommenden Aufstand von rechts. Frauke Adrians berichtet.

Essen, 29. April 2017: Martina Clavadetschers preisgekrönte Umständliche Rettung

2016 gewann Martina Clavadetscher mit Umständliche Rettung die 4. Essener Autorentage "Stück auf!" Jetzt hat Thomas Ladwig das Parabelstück über die biblische Lot-Geschichte daselbst uraufgeführt. Zu welchem Ende, weiß Sascha Westphal.

Chemnitz, 29. April 2017: Azan Garos InnerOuterCity uraufgeführt von Stephan Beer

Der 1985 geborene Azan Garo gewann mit InnerOuterCity den diesjährigen Chemnitzer Preis für Junge Dramatik. Daran ist auch die Uraufführung des Stücks am Theater Chemnitz geknüpft. Stephan Beer inszenierte und Lukas Pohlmann berichtet.

München, 28. April 2017: Oliver Frljić inszeniert Heiner Müllers Mauser am Resi

Wozu das Töten? In seinem Lehrstück Mauser hinterfragt Heiner Müller die Mittel der Revolution. Im Marstall des Münchner Residenztheaters erzählt Regisseur Oliver Frljić das mit Nacktheit und Gewalt. Das gibt fette Bilder zu vollmundigen Dichterworten und einen tollen Schluss. Und was noch, Willibald Spatz?

Berlin, 28. April 2017: Leander Haußmann + Sven Regener mit Die Danksager am BE

Der Abschiedsabend ist gerade, da zwei große Intendanzen enden, ein eigenes Berliner Genre. Leander Haußmann und Sven Regener lassen nun Die Danksager am Berliner Ensemble antreten. Sophie Diesselhorst sah und hörte zu.

Bonn, 28. April 2017: Simon Solbergs Stückentwicklung BND – Big Data is watching you

Was macht eigentlich der Bundesnachrichtendienst? Und wie mitschuldig sind wir selbst an der Datenspionage? Fragen, die Simon Solberg in seiner Stückentwicklung BND – Big Data is watching you stellt. Mit dabei: Gerhard Preußer.

Berlin, 28. April 2017: Laila Solimans Rechercheprojekt Zig Zig im HAU

Es war einmal im Jahr 1919: britische Soldaten überfallen ein ägyptisches Dorf und vergewaltigen die Frauen. Ein historisches Ereignis, das Laila Soliman im HAU mit ihrem neuen Stück Zig Zig exemplarisch umkreist. Mehr von Simone Kaempf.

Dortmund, 24. April 2017: Kay Voges mit Einstein on the Beach von Philipp Glass

"One, two, three, four" singt der Chor, noch 100-mal, aber das Publikum ist längst in Trance. An der Oper Dortmund hat Kay Voges sich Einstein on the Beach angeeignet, die Minimal-Music-Oper von Philip Glass, mit deren Inszenierung Robert Wilson 1976 seine Theaterästhetik begründete. Und Voges hat nun – wie seinerzeit Wilson – einen nahezu perfekten Theaterabend mit hohem Suchtfaktor geschaffen, befindet Martin Krumbholz.

Heidelberg, 24. April 2017: Der blaue Würfel von David Gieselmann uraufgeführt

Eine Wohnungssuche in der Heidelberger Innenstadt (schwierig!) liegt dem neuen Stück von David Gieselmann zugrunde, Der blaue Würfel. Christian Brey hat es in seiner Uraufführungsinszenierung auf Tempo gebracht – kommt man noch mit, Thomas Rothschild?

Hamburg, 23. April 2017: Gernot Grünewald schlägt den Atlas der Angst auf

Alle haben Angst – ob vor Donald Trump oder Kim Jong-uns Raketen, ob vorm Klimawandel oder seiner Leugnung, ob vor rassistischen Übergriffen oder einer Islamisierung des Abendlandes. Wie funktionieren diese Ängste, wie hängen sie zusammen? Armin Smailovic und Dirk Gieselmann haben recherchiert, Gernot Grünewald versammelt ihre Eindrücke am Thalia Theater zu einem Atlas der Angst. Stefan Schmidt hat darin geblättert.

Münster, 23. April 2017: Stefan Otteni inszeniert Revolution #1 von Joël Pommerat

Stefan Otteni verlegt Joël Pommerats derzeit viel gespieltes Stück Revolution #1 – Wir schaffen das schon am Vorabend der französischen Präsidentschaftswahlen in einen Parlamentssaal. Und erntet dafür Standing Ovations, berichtet Kai Bremer.

Dresden, 23. April 2017: Der Scheiterhaufen von György Dragomán, Regie: Armin Petras

Gleich in drei Sprachen inszeniert Armin Petras seine Theaterfassung des Romans Der Scheiterhaufen von György Dragomán. Auf Ungarisch in Budapest, auf Rumänisch in Sibiu, zunächst aber auf Deutsch in Dresden. Dort sah die Inzenierung Kornelius Friz.

Berlin, 23. April 2017: Dagmar Manzel spielt Glückliche Tage am Deutschen Theater

An der Komischen Oper feiert sie Triumphe, jetzt ist die große Schauspielerin Dagmar Manzel an ihr Stammhaus, das Deutsche Theater zurückgekehrt und spielt Beckett. Der Filmregisseur Christian Schwochow hat Glückliche Tage inszeniert, Georg Kasch sah die opening night.

Köln, 22. April 2017: Sprengkörperballade von Magdalena Schrefel uraufgeführt

Drei Frauenpaare lässt die Autorin Magdalena Schrefel in ihrem Stück an Einsamkeit verzweifeln und nennt das Ganze Sprengkörperballade, vielleicht weil es doch noch ein bisschen Hoffnung gibt? Zumindest legt Andrea Imlers Uraufführung am Schauspiel Köln das nah – die Stefan Keim mit einem Sinn für Zwischentöne beeindruckt hat. 

Mülheim an der Ruhr, 22. April 2017: Peur(s) – Angst von Jalila Baccar und Fadhel Jaïbi

Peur(s) - Angst heißt das neue Stück von Jalila Baccar und Fadhel Jaïbi, den international renommierten Theatermacher*innen aus Tunesien. Roberto Ciullis Theater an der Ruhr zeigt das Angststück zum Auftakt seiner Reihe Theaterlandschaft Mittelmeer 2016 / 2017. Sascha Westphal war bei der Premiere.

Graz, 22. April 2017: András Dömötör inszeniert F. Schmalz' Der thermale Widerstand

Der thermale Widerstand, jetzt auch in Österreich. András Dömötör hat das Stück von Ferdinand Schmalz am Schauspiel Graz inszeniert – genial geplanscht oder dumpf verdampft, Reinhard Kriechbaum?

Köln, 22. April 2017: Der siebte Kontinent, eine Müll-Recherche von Jan-Christoph Gockel

Jan-Christoph Gockel ist mit seinem Produktionsteam nach Hawai gereist, zur größten Mülldeponie der Erde. Der siebte Kontinent heißt das Ergebnis, im Theater im Bauturm zu Köln uraufgeführt, Cornelia Fiedler hat es sich angesehen.

Wien, 21. September 2017: Uraufführung von Blei von Ivna Žic am Schauspielhaus

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs ereignete sich an der österreichisch-slowenischen Grenze ein Massaker. Bleiburg heißt der Ort, und Blei das Stück von Ivna Žic, deren Großvater den Schrecken überlebte, aber nie davon erzählte, weshalb Žic die Geschichte recherchiert hat. Das Ergebnis im Schauspielhaus Wien sah Veronika Krenn.

Hamburg, 21. April 2017: Portrait explosiv von Branko Šimić auf Kampnagel

Im fünften Jahr gibt es das Krass-Festival für postmigrantisches Theater nun schon auf Kampnagel, Kurator Branko Šimić hat es dieses Jahr unter das Motto "Gewalt" gestellt und legt zur Eröffnung selbst vor – über Portrait Explosiv: Falk Schreiber.

Wien, 20. April 2017: Ja, EH! von Stefanie Sargnagel

Stefanie Sargnagel ist das Enfant terrible der österreichischen Gegenwartsliteratur. Ihr Kollege Thomas Glavinic warf ihr vor seine Nacktbilder geklaut zu haben und die konservative Kronen Zeitung beschuldigte sie, auf Staatskosten Tiere zu quälen. Ein Stoff, der nach dem Theater schreit: Ja, EH! Aus dem Wiener Gemeindebautheater Rabenhof berichtet Theresa Luise Gindlstrasser.

Basel, 19. April 2017: Träges Herz von Renata Burckhardt an der Kaserne Basel

Lesbos und Idomeni. Bilder aus diesen kleinen Flecken am Rande des Kontinents stellten in den letzten Sommern die humanistische Idee Europa auf die Probe. An der Kaserne Basel reflektieren Lorenz Nufer und Renata Burckhardt mit Träges Herz nun die Rolle der NGOs und Helfer. Maximilian Pahl berichtet.

Stuttgart, 14. April 2017: Robert Borgmann mit Tschechows Kirschgarten in Stuttgart

Der Kirschgarten zeigt eine Gesellschaft im Abgang. Zumindest sehen das viele Inszenierungen so – man kann aber auch einfach mitschwelgen in der traurigen Dekadenz von Ranjewskaja & Co. wie Robert Borgmann, der als Ranjewskaja allerdings auch Astrid Meyerfeldt zur Verfügung hat. Zum melancholischen Vergnügen von Verena Großkreutz.

Düsseldorf, 14. April 2017: Tilmann Köhler inszeniert Dürrenmatts Das Versprechen

}In Friedrich Dürrenmatts Das Versprechen stellt ein Kommissar einem Mörder eine Falle und wartet ein Leben lang vergeblich auf ihn. Tilmann Köhler inszeniert den Roman am Düsseldorfer Schauspielhaus. Martin Krumbholz hat sich keine Sekunde gelangweilt.

Wien, 14. April 2017: Nestroys Liebesgeschichten und Heiratssachen am Burgtheater

Ein Nestroy ab und an muss sein in Wien – und es war mal wieder Zeit, also hat das Burgtheater Liebesgeschichten und Heiratssachen auf den Spielplan gesetzt und Georg Schmiedleitner für die Regie bestellt. Ob er Angst vorm nassen Fetzen haben muss, weiß Martin Pesl.

Kaiserslautern, 14. April 2017: Maria Milisavljevic' Beben uraufgeführt

Maria Milisavljevic setzt in Beben reale Kriegs-, Gewalt- und Verlusterfahrungen neben Versöhnung und Verstehen, und das mit großer Erzählkraft. Ihr beim Heidelberger Stückemarkt 2016 ausgezeichnetes Stück wurde von Fanny Brunner in Kaiserslautern uraufgeführt. Dorothea Marcus ist angetan.

Meiningen, 14. April 2017: Martina Gredler inszeniert Die Reise nach Petuschki

Dieser Stoff scheint der Stoff der Stunde zu sein. Eben erst feierte Wenedikt Jerofejews Die Reise nach Petuschki an der Volksbühne Berlin Premiere. Nun inszeniert Martina Gredler das Säufer-Poem in Meiningen. Henryk Goldberg blieb nüchtern.

Nürnberg, 14. April 2017: Life is Loading von Mariusz Wiecek/Jerzy Wójcicki

Der Dramatiker-Wettbewerb "Talking about Borders" hat vor allem Osteuropa im Blick, im vergangenen Jahr gewann Life is Loading des polnischen Duos Mariusz Wiecek/Jerzy Wójcicki, jetzt uraufgeführt von Julia Prechsl. Dieter Stoll sah auch ein bisschen Mahnmal gegen den virtuellen Super-GAU.