Sewan Latchinian – Neue Bühne Senftenberg, Intendant

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2009, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Neben manchem Bemerkenswertem am eigenen Haus, haben mich in diesem Jahr zwei Erlebnisse in der Hauptstadt besonders beeindruckt, die aus guten Inszenierungen an anderen Theatern noch herausragten. Zum einen: Der sehr inspiriert inszenierte und unaufdringlich aktuelle Afghanistan-Schwank Amanullah Amanullah nach Arnold/Bach, Artaud und Zille in der Regie von Frank Castorf an der Volksbühne. Und zum anderen Jürgen Goschs tragikomische, altersweise, aber blutjunge, großartig performte Inszenierung von Die Möwe, die ich erst kürzlich am Deutschen Theater erleben konnte.

Andreas Beck – Schauspielhaus Wien, Künstlerischer Leiter

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2009, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Christoph Schlingensiefs Mea culpa war für mich rückblickend ein bewegender, und darum der bedeutsamste Theaterabend des zu Ende gehenden Jahres. Warum dem so war, will ich – obwohl ich meine, dass den Leserinnen und Lesern die Hintergründe dieses Theaterabends ebenso wie der Abend selbst bekannt sind – kurz meinem Empfinden nach darstellen: Jede Kunst oder in unserem Fall: jede Theatervorstellung, die uns nicht nur die eigene Vergänglichkeit vorführt, sondern darüber hinaus, ob dieser Tatsache, Trost schenkt, ist bemerkenswert.

Karin Beier – Schauspiel Köln, Intendantin

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2009, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

1. Die Premiere von Kasimir und Karoline in der Inszenierung von Johan Simons und Paul Koek am 25. Juni 2009 auf der Fliegerbasis Soesterberg bei Utrecht. Weil diese Arbeit (hier in flämischer Sprache) weit weg von allen deutsch-österreichischen Horváth-Konventionen angesiedelt war. Weil die Außenspielstätte einen sehr expressiven, dynamischen Spielstil der Schauspieler erforderte. Und weil es ein wunderschöner Sommerabend war, gespielt wurde von der Dämmerung bis zum Einbruch der Dunkelheit, kein Zeppelin, aber Segelflieger flogen beeindruckende Loopings über der Bühne.

Thomas Bockelmann – Staatstheater Kassel, Intendant

Welches war Ihr herausragendstes, schönstes, beeindruckendstes Theatererlebnis im Jahr 2009, am eigenen Haus oder an anderen Häusern? Und warum?

Berührender, komischer, verzweifelter und intelligenter als von Jürgen Gosch am Deutschen Theater kann ich mir Die Möwe kaum vorstellen. Wie sehr es da ein Regisseur, der über Jahrzehnte seinen Weg gegangen ist, vermochte, Schauspieler zugleich zu sich selbst und in das Mark ihrer Rollen zu begleiten, ist einzigartig. Und wie sein langjähriger Ausstatter Johannes Schütz uns ein Ensemble ohne jeden Schnickschnack nahe rückt, lässt uns das Einfache, was schwer zu machen ist, verstehen.