Ein Märchen aus Thüringen

von Nikolaus Merck

Berlin, 8. Oktober 2008. Wir lieben Weimar!

Kaum hat die Stadt das Haus der Frau von Stein (Goethe! Lotte! Werther!) an einen spanischen Kunsthändler verkauft, der dort angeblich Salvador Dali ausstellen will, was zweifelsfrei der Stadt von Klassik, Bauhaus und Buchenwald gerade noch gefehlt hat, kaum also hat sich das geistige Butzenscheibenstädtchen den Zorn der Bildungsbürger links und rechts von Elbe und Ilm zugezogen, stampft es in den nächsten Fettnapf rein.

Agent der Alltagsvernunft

von Nikolaus Merck

Berlin, 26. September 2008. Und dann rumpelte es hinten an der Tür. Doch erst als das Glucksen des Publikums und das Ächzen eines Mannes nicht mehr zu überhören waren, wandten wir uns um und – hielten die Luft an. Haben Sie schon mal versucht, ein Dreisitzersofa alleine durch den schmalen Gang eines Zuschauerraums auf die Bühne zu wuchten?

Die Gattung Mensch an sich

Erfolgreicher Volkstheater-Trash im Kiez. Eine Systemerkundung

von Esther Slevogt

Berlin, Dezember 2006. Die Perücken sind billig und die Outfits schrill. Wichtigstes Bühnenrequisit ist ein gammeliger Dönerspieß aus Pappmachée. Ansonsten wird vorzugsweise vor einer scheußlichen Fototapete gespielt – eine Kulisse, die selbst Schlingensief-Bühnen wie Nachbauten aus dem Schöner-Wohnen-Katalog aussehen lässt.

Aufrechter mit Tendenz zum Bockigsein

von Wolfgang Behrens

15. Juli 2008. Zum ersten Mal habe ich Fritz Marquardt 1990 in Frankfurt am Main gesehen. Marquardts Inszenierung "Germania Tod in Berlin" vom Berliner Ensemble war zu der Heiner-Müller-Werkschau "Experimenta 6" eingeladen worden, und an einem Sonntagnachmittag fand eine dieser meist so fruchtlosen Publikumsdiskussionen statt. Diese jedoch sollte sich einprägen.