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Unsere auswahl ist subjektiv

Presseschau vom 13. September 2018 – Peter Kümmel beklagt in der ZEIT das Verschwinden der Verwandlungskunst im Schauspiel

Szenische Putztruppen

13. September 2018. In der Wochenzeitung "Die Zeit" (13.9.2018) diagnostiziert Theaterkritiker Peter Kümmel im Anschluss an die Theatertreffen-Reden von Schauspieler Fabian Hinrichs und von Regisseur Milo Rau eine Krise der Schauspielkunst, genauer: des Verwandlungsschauspiels. "Viele Inszenierungen, die ich in den letzten Jahren sah, wirkten so, als sei der Darsteller auf der Bühne dazu da, uns vor dem Stück, der Aufführungstradition und dem toten Autor zu beschützen. Er steht an der Rampe wie ein Mediator."

Presseschau vom 4. Juli 2018 – Der Berliner Tagesspiegel spricht mit dem Intendaten der Berliner Festspiele Thomas Oberender über das große Immersions-Projekt "Dau"

Unguter Einfluss oder Hilfe zur Heilung?

7. September 2018. Im Berliner Tagesspiegel führt der Co-Feuilleton-Chef Rüdiger Schaper ein kritisches Interview mit dem Intendanten der Berliner Festspiele Thomas Oberender. Das Thema: Das für Oktober geplante, große Immersionsprojekt "Dau", für das vier Wochen lang zwischen Staatsoper Unter den Linden und Schlossplatz ein Areal mit einer Replika der Berliner Mauer umgeben werden soll. In dieser Zeit sollen 13 Filme des russischen Filmemachers Ilya Khrzhanovsky uraufgeführt werden, die in den letzten Jahren in der Ukraine entstanden sind. Für die Filme hatten Hundert Spieler*innen "für mehrere Jahre in der fiktiven Welt eines wissenschaftlichen Instituts" in der Sowjetunion "ganz real zusammengelebt" und sich dabei filmen lassen.

Presseschau vom 3. September 2018 – Der Tagesspiegel zweifelt am DAU-Großprojekt der Berliner Festspiele

"Russischer Finanz- und Kunstkomplex"

3. September 2018. Unter Thomas Oberenders Leitung haben sich die Berliner Festspiele "der Immersion verschrieben", schreibt Rüdiger Schaper im Tagesspiegel. Allerdings sei durch die bisherigen Aktivitäten der Festspiele nicht klar geworden, "was 'Immersion' eigentlich bedeutet. Oder so viel: Das Immersive lebt von Vernebelung." Und habe etwas Autoritäres. "Immersion als inszenierte Vereinnahmung – mit oder ohne 3D-Brille, aber mit Ansage", so Schaper. "Nicht wenige Konsumenten finden das schick, verwechseln Gängelung mit Teilhabe. Das immersive, partizipative Spiel ist abgekartet und oft banal."

Presseschau vom 2. September 2018 – Streit um die gesunkenen Einnahmen der Wiener Festwochen

Weniger Programm, weniger Einnahmen

Wien, 2. September 2018. In Wien ist ein Streit um die Einnahmensituation der Wiener Festwochen ausgebrochen. Auf Anfrage der liberalen Neo-Fraktion veröffentlichte Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler die Bilanz der Festwochen, die der Wiener Kurier wiedergibt: Von 1,5 Millionen Euro Kartenerlösen im Jahr 2014 seien die Einnahmen schon unter Intendant Markus Hinterhäuser auf 887.840 Euro im Jahr 2016 abgesunken. Unter Tomas Zierhofer-Kin lagen die Zahlen 2017 bei 807.382 Euro, 2018 wurden 583.025 Euro erlöst. "Es ist unfassbar, wie die Wiener Festwochen in den letzten Jahren herabgewirtschaftet wurden“, kommentiert Neo-Cheffin Beate Meinl-Reisinger im Kurier.

Presseschau vom 27. August 2018 – In der Süddeutschen Zeitung beklagt Dorion Weickmann Geschlechterungerechtigkeit im Tanzbetrieb

Es braucht Gärtnerinnen

27. August 2018. Mit Blick auf Führungswechsel (weiblich --> männlich) in Wuppertal und Trier stellt Dorion Weickmann in der Süddeutschen Zeitung fest, dass im Tanzbetrieb auf der Leitungsebene eine grobe Geschlechterungerechtigkeit herrscht. Im Tanz hätten immer noch traditionell die Herren das Sagen, "getreu der Devise, die der Choreograf George Balanchine vor Jahrzehnten ausgab: 'Das Ballett ist eine rein weibliche Angelegenheit', nämlich 'ein Garten voller schöner Blumen, und der Mann ist der Gärtner'", so Weickmann.

Presseschau vom 25. August 2018 – Der Standard beschäftigt sich mit Lohndumping im Musiktheaterbetrieb

Organisierte Verhandlungsmacht

25. August 2018. In der Wiener Tageszeitung Der Standard berichtet Stefan Weiss ausführlich und mit mehreren Beispielen über Lohndumping im Musiktheaterbetrieb. Aufhänger sind die Tiroler Klassikfestspiele Erl, deren Intendant jüngst erst ankündigte sein Amt ruhen zu lassen. Alfons Puschej, zehn Jahre als Bratschist dort im Orchester, hat Weiss jetzt erzählt, dass er vor allem weißrussische Kollegen hatte, ein Kollege sei "jahrelang mit 150 Euro brutto pro Woche bezahlt worden". Dem Verein Artbutfair seien aus Erl "über 30 Berichte möglicherweise arbeits- und strafrechtlich relevanten Inhalts zugetragen" worden, so Weiss.

Presseschau vom 24. August 2018 – die britische Tageszeitung The Guardian berichtet über die Zerstörung eines Kulturzentrums und Theaters in Gaza Stadt

"Symbol palästinensischer Identität"

24. August 2018. Die britische Tageszeitung The Guardian bringt eine ausführliche Reportage über das am 10. August durch einen Luftangriff der israelischen Armee zerstörte Said al-Mishal Kulturzentrum in Gaza Stadt, das auch ein Theater beherbergt. Bei dem Angriff wurde das Gebäude vollständig zerstört, 18 Menschen wurden verletzt.

Presseschau vom 22. August 2018 – In der taz setzt sich Peter W. Marx mit den Vorwürfen der Kulturellen Aneignung gegen Robert Lepage auseinander

Was auf dem Spiel steht

22. September 2018. Der Kölner Professor für Theaterwissenschaft Peter W. Marx beschäftigt sich in der taz (22.8.2018) mit der Absage der beiden Produktionen "SLĀV" und "Kanata" des kanadischen Regisseurs Robert Lepage. Die Produktionen waren kritisiert worden, weil sie zwar von Sklaverei bzw. der Unterdrückung indigener Bevölkerung handelten, aber nur oder fast nur von Weißen gespielt würden, wodurch die Produktion die Marginalisierung der indigenen Künstler*innen fortsetze.

Presseschau vom 18. August 2018 – Die Welt spricht sich für Abschaffung der Ruhrtriennale aus

Abschaffen!

18. August 2018. Die Debatte um Stefanie Carps Ruhrtriennale reißt nicht ab. Nun fordert Manuel Brug in der Welt (17.8.2018) sogar die Abschaffung des Festivals. Allerdings nicht wegen Carp. Die Ruhrtriennale selbst sei "längst überflüssig".

Presseschau vom 7. August 2018 – Linken-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht + Dramaturg Bernd Stegemann über die von ihnen gegründete Sammlungsbewegung "Aufstehen"

Andere Mehrheiten

7. August 2018. Die Linken-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht hat unter der Überschrift "Aufstehen" eine Sammlungsbewegung für die aus ihrer Sicht zersplitterte Linke ins Leben gerufen. Vorsitzender des in Gründung begriffenen Trägervereins ist der Dramaturg Bernd Stegemann, Professor für Theatergeschichte an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch". Innerhalb von zwei Tagen hat die Bewegung Informationen von Zeit-Online zufolge bereits 36.000 Untrerstützer*innen gewinnen können. U.a. in der in Oldenburg erscheinenden Nord-West-Zeitung haben Wagenknecht und Stegemann nun ein kleines Manifest veröffentlicht.

Presseschau vom 23. Juli 2018 – Der Tagesspiegel resümiert die ersten zehn Jahre der Bayreuth-Intendantin Katharina Wagner

Mehr Aufreger!

23. Juli 2018. Im Tagesspiegel resümiert Christiane Peitz die ersten zehn Jahre von Katharina Wagner an der Spitze der Bayreuther Festspiele. Keine Revoluzzerin sei sie, sondern eine behutsame, auch trotzige Erneuerin, die viele Turbulenzen erlebt habe: 2012 habe der russische "Holländer" Jewgeni Nikitin wegen eines angeblichen Hakenkreuz-Tattoos kurz vor der Premiere ersetzt werden müssen, 2013 erhitzte Frank Castorfs trashiger Ring die Gemüter. Dann wurde Jonathan Meese gefeuert und stattdessen für den Parsifal 2016 Uwe-Eric Laufenberg engagiert.

Presseschau vom 6. Juli 2018 – Im Interview mit dem Zürcher Tages-Anzeiger spricht Nino Haratischwili über ihr Theaterverständnis

Kraft der Emotionen

6. Juli 2018. Im Interview mit Alexandra Kedves im Zürcher Tages-Anzeiger spricht Dramatikerin Nino Haratischwili über ihr Verständnis von Theater. Sie finde es "wichtig, dass Figuren zur Sprache kommen, die normalerweise in der Gesellschaft keine Stimme haben. Es ist ein wenig erschreckend, dass post­migrantisches Theater nicht automatisch als Teil der Theaterlandschaft verstanden wird.“

Presseschau vom 4. Juli 2018 – die kanadische National Post über Rassismus-Vorwürfe gegen eine Inszenierung von Robert Lepage beim Montreal International Jazz Festival

Blackfacing ohne Farbe

4. Juli 2018. Die kanadische Tageszeitung National Post berichtet von öffentlichem Streit um die Ende Juni im Rahmen des Montreal International Jazz Festival herausgekommene Inszenierung "SLĀV" des international bekannten kanadischen Theatermachers Robert Lepage. Das Musical basiert auf Sklavenliedern aus den US-amerikanischen Südstaaten, die von einem fast ausschließlich weißen Cast auf die Bühne gebracht werden.

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