"Politischer Schauprozess gegen die liberale Kunstszene"

25. Juni 2020. Einen Tag vor dem erwarteten Urteilsspruch im umstrittenen Gerichtsprozess gegen den russischen Regisseur und Theaterleiter Kirill Serebrennikov fordert der Deutsche Bühnenverein die Einstellung des Verfahrens. "Schon zu Beginn des seit 2017 laufenden Strafprozesses gegen den Regisseur hatte sich der Deutsche Bühnenverein öffentlich für eine faire Behandlung von Kirill Serebrennikov ausgesprochen, und die Vorwürfe und die Rechtsstaatlichkeit des Verfahrens gegen ihn angezweifelt", heißt es heute in der Pressemitteilung. Das Verfahren werde auch "international als politischer Schauprozess gegen die liberale Kunstszene in Russland kritisiert". Die Moskauer Staatsanwaltschaft wirft Serebrennikov und weiteren Mitarbeitern des Gogol-Zentrums Veruntreuung vor und fordert für den Regisseur eine Haftstrafe von sechs Jahren sowie eine Geldstrafe in Höhe von 800.000 Rubel. 

Kritische Kunst unerwünscht

Bühnenvereinspräsident Ulrich Khuon, der auch als Intendant des Deutschen Theaters Berlin enge Kontakte zu Serebrennikov pflegt, äußerte: "Der Deutsche Bühnenverein schätzt den künstlerischen Austausch zwischen den Kulturnationen Russland und Deutschland als hohes Gut. Ein Austausch bedeutet aber, dass Kunst sich in den jeweiligen Ländern frei entwickeln darf und gegenseitig befruchten kann. Unbequeme und kritische Kunst ist in Russland offenbar seit Längerem nicht mehr erwünscht. Wir sind bestürzt, dass dieses Verfahren, das viele Rechtsgrundsätze missachtet, derart unbarmherzig gegen Kirill Serebrennikov durchgefochten wird."

Eine Petition zur Freilassung Serebrennikovs hat in der Zwischenzeit rund 55.000 Unterzeichner*innen gefunden.

(Deutscher Bühnenverein / jeb)

 
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