BE-Prosa – Teil II

6. Februar 2009. Es fühlt sich an, als verginge kein Tag, an dem aus der Richtung von Claus Peymann und seinem Berliner Ensemble nichts vermeintlich Theaterweltbewegendes zu erfahren wäre. Nachdem das Pressebüro gestern die Flucht eines Huhns von der Bühne in den Zuschauerraum wortreich zu vermelden wusste (siehe hier), kündigt die Osnabrücker Zeitung für morgen nun ein Interview mit Peymann an. Was hat er darin kundzutun hat? Verheerendes natürlich! "Verheerend" nämlich findet er den Trend zu theaterfernen Geschäftsführern an den Spitzen der Theater. Er vertrete die Meinung, "dass Theater von der Bühne geleitet werden muss, von Regisseuren, von Schauspielern, von Dramatikern. Wenn die gelebte Phantasie und das Andersdenken keinen Platz mehr hat, geht die Gegenkraft, die Gegenwelt des Theaters verloren", zitiert die Zeitung den 71-Jährigen und verweist – huhu, spannungssteigernd! –  auf die morgige Samstagsausgabe. Peymann wittert Niedergang: mit den neuen Managern sei der Abbau der Künste wohl leicht zu bewerkstelligen, deshalb würden sie ja auch "so gerne anstelle von Künstlern als Intendanten genommen: Weil sie genauso kompromissbereit und phantasielos sind, wie die Herren, die sie geholt haben". Bleibt zu hoffen, dass das BE den Abbau der Kunst aufzuhalten vermöge, indem es sich – entgegen der momentanen Anzeichen – doch noch zu einem Hort der Phantasie, der Gegenkraft, des Andersdenkens entwickelt. So dass man von dort auch mal wieder über ästhetisch spannendere Dinge berichten kann als über Hühner, die die Vierte Wand durchbrechen.

(ape)


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