Wirklich tot 

Eisenach, 14. Juli 2007. Im Zensurstreit zwischen der Intendanz des Landestheaters Eisenach und dem Aufsichtsrat der Eisenacher Theater GmbH gibt es bislang keine Einigung. Hintergrund der Auseinandersetzungen ist die am 15. Juni diesen Jahres beschlossene Fusion der Theater von Meiningen und Eisenach unter dem Dach einer gemeinsamen Stiftung (hier eine Chronik der Ereignisse). De Facto bedeutet diese Entscheidung jedoch das Aus für das Eisenacher Landestheater, von dem nach Ende der nächsten Spielzeit nur noch Rudimente übrig sein werden.

In seinem Vorwort zum Spielzeitheft 2007/2008 hatte Intendant Michael W. Schlicht die problematische Situation thematisiert und die Eisenacher eingeladen, noch einmal verstärkt ihr Theater zu besuchen, da die kommende Spielzeit für viele Schauspieler und Musiker die letzte sei. Das Schauspielensemble wird bis auf fünf Schauspieler aufgelöst, die fortan Eisenachs und Meiningens Kinder- und Jugendtheater bestreiten sollen. Vom Orchester bleiben gerade noch 24 Musiker übrig.

Er habe in seinem Vorwort versucht, die problematische Lage auch unter Marketingaspekten zu betrachten, um noch einmal möglichst viele Zuschauer ins Theater zu holen, betonte Intendant Michael W. Schlicht gegenüber nachtkritik.de. Begonnen hatte er seinen Text mit den Worten: "Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt man, weiß man. Aber seit dem 15. Juni 2007 ist auch sie tot."

Dem Aufsichtratsvorsitzenden der Eisenacher Theater GmbH, Matthias Doht, der pikanterweise gleichzeitig Eisenachs Oberbürgermeister ist, war dies jedoch zu deutlich. Zuviel Akzent werde auf die negativen Aspekte der Fusionsentscheidung gelegt, befand er, und verlangte eine Überarbeitung. Ein Text des Vorsitzenden des Vereins der "Freunde und Förderer des Thür. Landestheaters Eisenach" Peter Harth, musste ganz aus dem Heft herausgenommen werden. Harth hatte darin in einem Rundumschlag die Kulturpolitik von Stadt und Land angegriffen, das Eisenacher Theater und seine Mitarbeiter, von denen über die Hälfte entlassen werden, nicht gegen die Sparpläne des thüringischen Kultusministers Jens Goebel verteidigt zu haben. Letzteren bezeichnete er als "Kultur-aus-Minister".

Inzwischen hat Schlicht aus seinem Text einen Halbsatz herausgetrichen. Er beginnt jetzt: "Die Hoffnung stirbt zuletzt." Man brauche schließlich nicht viel Fantasie, sagt Schlicht lakonisch, um zu begreifen, dass eine gestorbene Hoffnung wirklich tot sei. Ob das Spielzeitheft nun erscheinen kann, ist noch offen. 

Seinen Kunstsinn hatte der Eisenacher OB den Informationen der Berliner Zeitung zufolge bereits bewiesen, als er dem geschrumpften Orchester vor einiger Zeit empfahl, künftig dann eben "kleine Bach-Opern" zu spielen. Bloß hat der berühmte Eisenacher überhaupt keine Opern geschrieben. Nicht einmal ganz kleine.

(sle)

 

 

 
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