In die Ohnmacht getrieben

21. August 2010. Die Schauspielerin Elisabeth Trissenaar, 1944 in Wien geboren, hat Irene Bazinger in der FAZ (21.8.2010) ein Interview gegeben. Sie spricht über ihre Frankfurter Zeit unter Peter Palitzsch: "Ich habe am Schauspiel Frankfurt fast zehn Jahre gespielt und gelernt, mich als mündiger, denkender Schauspieler zu begreifen." Von 1972 bis 1981 war Trissenaar in Frankfurt. Seit über 40 Jahren ist sie mit dem Regisseur Hans Neuenfels verheiratet: "Regisseursgattinnen werden mitunter ungern von anderen Regisseuren engagiert, das ist ein Fakt. Aber große Köpfe wie Rainer Werner Fassbinder, Einar Schleef oder Ruth Berghaus etwa, bei denen ich auch gespielt habe, hat es nicht gestört, mit wem ich privat zusammen war."

Haltet ein!

22./23./26. August 2010. Am Samstag, den 21. August, ist Christoph Schlingensief gestorben. Auf seiner offiziellen Web-Seite ist zu lesen: "Im Sinne von Christoph Schlingensief bitten wir statt Blumen und Kränze um eine Spende für das Operndorf Afrika."

Besinnung auf den Bremer Stil

19. August 2010. Bei seinen Gesprächspartnern verbreite seine pneumatische Interpunktion (ein "Hang zum Seufzen") ein Gefühl von Vertrauen, "und selbst Radiomoderatoren passen sich im Interview schnell der leisen und vorsichtigen Art des Theatermanns an, die einen zentralen Eindruck hinterlässt: Michael Börgerding ist ein Mann des Skrupels", schreibt Till Briegleb in der Süddeutschen Zeitung (19.8.2010) anlässlich der Ernennung von Michael Börgerding zum neuen Bremer Generalintendanten.

Himmel und Hölle des En-Suite-Systems

9. August 2010. Die Neue Zürcher Zeitung druckt heute eine Rede von Johan Simons ab, des künftigen Intendanten der Münchner Kammerspiele, die dieser im Mai zur Eröffnung der Fachtagung "Achtung Transit – Meet International Theatre Makers" der Berliner Festspiele gehalten hat. Simons entwickelt darin Gedanken zum Repertoiresystem deutscher Prägung und zum En-suite-Betrieb, wie er etwa in Simons' niederländischer Heimat gepflegt wird.

Die Deutschen zum Kämpfen bringen

6. August 2010. Der Regisseur Armin Petras, Intendant des Berliner Maxim Gorki Theaters und mit seinem Alter Ego Fritz Kater auch erfolgreicher Dramatiker, hat sich im Gespräch mit Ulrich Seidler von der Berliner Zeitung zu einer Utopie des "Wir" bekannt. Wobei Petras einschränkt: "Mir geht es um die These der Hirnforscher, die sagen, es gibt kein Ich. Das Ich ist eine Fiktion. Wenn ich von Wir spreche, werde ich natürlich sehr schnell missverstanden. Im Sinne von: Ich möchte die FDJ wiederhaben."

Eine echt uremotionale, nicht-aufgeklärte Sache

20. Juli 2010. An diesem Wochenende beginnen die Salzburger Festspiele, und in der Welt spricht die ehemalige Kulturstaatsministerin Christina Weiss mit Jürgen Flimm. Der fühlt sich im Moment "ziemlich gut aufgestellt". Auf die Frage, was ihn als Theatermann reizt, die Staatsoper in der schwierigen Phase der Auslagerung ins Schillertheater zu managen, sagt er: "Der Reiz hat mehrere Facetten. Die eine war der Anruf von André Schmitz, der sagte: 'Wir brauchen dich hier!' Das ist einfach ein guter Satz, der mir gefallen hat. Die zweite ist die langjährige Freundschaft, die mich mit Daniel Barenboim verbindet. Dazu kommt aber auch eine Salzburgmüdigkeit wegen der endlosen Auseinandersetzungen mit dem politisch besetzten Kuratorium der Festspiele."

Mit Patenschaften wider die Krise

Hamburg, 15. Juli 2010. Im Interview mit Martin Eich in der Zeitung Die Welt (15.7.2010) bringt Sewan Latchinian, Intendant der Neuen Bühne Senftenberg mit einem Jahresetat von nur 4,5 Millionen Euro, beim Nachdenken über die finanzielle Misere der Theater ein Patenmodell ins Gespräch: "Mittelfristig wäre nachzudenken, ob die großen Häuser nicht im Rahmen einer Patenschaft kleine unterstützen wollen." So asozial es sei, "wie wenig Geld viele Theater und Schauspieler bekommen, so ungerecht hoch wirken auch Etats mancher Häuser oder Gagen einiger Darsteller. Es ist bemerkenswert, was gerade an kleinen und mittleren Theatern immer wieder an innovativen, ästhetisch und dramaturgisch hochwertigen Produktionen entsteht. Und doch erfahren diese Inszenierungen oft nicht genügend Aufmerksamkeit, auch weil andere, finanziell besser gestellte Häuser prominente Namen einkaufen."