Theater und Täterschaft

von Matthias Dell

9. Juli 2013. Der Theaterkenner sieht den "Tatort" mit anderen Augen. Die große Frage ist allerdings, was er dann sieht. So twitterte der Kritiker Matthias Heine Anfang Juni anlässlich einer Bremer Folge, in der die Mörderin von Annika Kuhl gespielt wurde: "Und wieder galt die Regel: Es war immer der/die bekannte TheaterschauspielerIN."

Kybernetiker im Glücksanzug

von Sascha Westphal

Dortmund, 10. Juni 2013. Vier Tage lang war das Dortmunder Schauspielhaus kaum wiederzuerkennen. Auf dem Vorplatz herrschte bei meist strahlendem Sonnenschein im Schatten einer kleinen DJ-Bühne Beach-Bar-Atmosphäre. Überall in der Eingangshalle standen bizarre Gebilde aus Metallstangen, Spiegeln, Glasplatten und -kolben, kleinen Glühbirnen und farbigen Leuchten herum, die nicht weniger seltsame Lichtgebilde an Wände und Decken warfen. Und das Rangfoyer hatte der Chaostreff Dortmund, eine – laut eigener Beschreibung – "bunt gemischte Gruppe aus computer-, technikbegeisterten und kreativen Menschen", in den Hackerspace verwandelt. An einem Tisch wurden hier mittels 3D-Drucker kleinere Gegenstände, etwa eine Box mit aufklappbarem Deckel, geschaffen, an einem anderen ein Quadrocopter, ein drohnenartiger Mini-Hubschrauber mit vier Propellern, gebaut.

Berlin, 7. Juni 2013. Bei den Autorentheatertagen des Deutschen Theaters Berlin wurde am Abend der Hermann-Sudermann-Preis an Felicia Zeller verliehen. Nach der Aufführung von Zellers X-Freunde, inszeniert von Bettina Bruinier am Schauspiel Frankfurt, hielt Gerhard Jörder die Laudatio auf die Trägerin der neu geschaffenen Auszeichnung. Wir geben das Redemanuskript in der Fassung des Autors. Der besseren Lesbarkeit halber, hat die Redaktion Zwischenüberschriften eingefügt.

Auslaufmodell Mensch?

von Falk Schreiber

Hamburg, 5. Juni 2013. 1896 wollte der Hamburger Tierhändler und Schausteller Carl Hagenbeck Tiere nicht länger in Käfigen zeigen, sondern sie dem Zuschauer wie in freier Wildbahn präsentieren. Hierfür revolutionierte Hagenbeck die Zooarchitektur: Die Tiere waren nicht durch Gitter vom Menschen getrennt, sondern durch Wassergräben, Erdhügel, kaum sichtbare Barrieren. Was natürlich nichts daran änderte, dass das Wild eingesperrt blieb, die "freie Wildbahn" war eine Illusion – und die Mittel für diese Illusion hatte sich Hagenbeck von der Illusionsmaschinerie per se abgeschaut, dem Bühnebild. Voilà: die Brücke zwischen Zoo und Theater.

... und ich bin Schauspieler

von Benjamin Wihstutz

Mai 2013. Das Theater ist ein Ort, der von einer grundlegenden Ambivalenz gekennzeichnet ist. Auf der einen Seite ist es ein Ort der Versammlung, ein sozialer Raum, dem von vornherein – das lateinische Wort Publikum verrät es – ein Anspruch des Öffentlichen eingeschrieben ist. Theater zu machen, heißt in dieser Hinsicht zu allererst, etwas einem Publikum zu präsentieren, etwas sichtbar und hörbar zu machen, sich ins Rampenlicht zu stellen.

Theater als Heimat von Politik und Illusion

von Friederike Felbeck

Hamburg, 11. Mai 2013. Austauschsemester in Schanghai und Peking, Aufenthalte in Russland und Georgien, geboren in Schweden oder Lettland – die Nachwuchsregisseure des diesjährigen Körber Studios Junge Regie sind international unterwegs. Wen wundert's, dass eine der zahlreichen Performances, die in diesem Jahr die klassisch inszenierenden Jungregisseure wie eine Horde wilder Indianer umzingelt hatten, das Making-of einer deutsch-afrikanischen Koproduktion in den Fokus nimmt.

Das Prinzip Arbeit

von Hermann Beil

Berlin, 5. Mai 2013. Stellen wir uns vor, ein Dramaturg fragt Jürgen Holtz: "IST DIE KUNST NÜTZLICH?"

Und Jürgen Holtz würde auf diese Frage ganz lakonisch mit einen trockenen "JA" antworten.

Und stellen wir uns vor, der Dramaturg fragt naturgemäß nach "WARUM?", so würde Holtz ganz gewiß mit einem hintersinnigen Lächeln ebenso lapidar sagen: "WEIL SIE KUNST IST!"