Das Problem der deutschen Kaiser

von Dirk Pilz

Berlin, 18. Juni 2007. Braun gebrannt, hell karierter Anzug. Frank Castorf kommt gut gelaunt zum Interview in sein berühmtes Intendanten-Zimmer, wo noch immer das berüchtigte Stalin-Bild hängt. Eigentlich müsste er Weiß tragen. Denn Castorf, der 55-Jährige, ist "Teil einer Gemeinschaft", wie er sagt, Teil der Gemeinschaft der Santeria, jener auf Kuba praktizierten und mit dem brasilianischen Candomblé verwandten Religion.

Rückbindung an das Leben selbst

von Nina Peters

Montréal, Juni 2007. Es ist ein erstaunlicher Auftritt. Der frankokanadische Regisseur Robert Lepage kommt zu einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Festivals TransAmérique in Montréal auf die Bühne, und der Saal tobt. Viele junge Leute sitzen im Publikum, jubeln, lachen über die Witze Lepages, der gerne öffentlich spricht. Und sie stellen Fragen. Das Mikrofon macht die Runde, nach eineinhalb Stunden könnte es, scheint es, noch lange weitergehen.

Wir sind alle ein bisschen Elisabeth

von Alexander Schnackenburg

Bremen, 12. Juni 2007. Viel erkennen könne man auf dem kleinen, alten Monitor nicht, entschuldigt sich die Inspizientin – gerade so, als wolle sie jetzt einen Film vorführen. Die Kamera sei schlecht und daher erschienen die Gesichter auf dem Bildschirm fast permanent überblendet. Nichtsdestotrotz haben sich inzwischen, fünf Minuten vor Beginn der Vorstellung, drei Stuhlreihen hinter ihrem Arbeitsplatz gebildet.

Kunst macht gesund

von Esther Boldt

Frankfurt am Main, 10. Juni 2007. Wanda Golonkas Theater ist ein Parasit. Es wuchert in den Stadtraum. Es verleibt ihn sich ein und bricht ihn an Stellen auf, an denen man es nicht erwartet. Ein Stolperstein, ein Fehler im Bild, bemerkenswert, befremdlich, überraschend. Die Assoziationen, mit denen man Wanda Golonkas Projekt "Einladen" belegen kann, sind schier unerschöpflich.