Brauch ich nimmer

von Dirk Pilz

13. März 2008. Josef Bierbichler sitzt in einem abgewetzten Sessel am Fenster. Die Kamera schaut ihm direkt ins Gesicht, auf die Stirnfalten und seine Hände, die immer den Mund umspielen, als müssten sie die Worte aus dem Innern mühsam heraufziehen. Er spricht von "Holzschlachten. Ein Stück Arbeit", seinem selbst inszenierten Solo-Abend an der Berliner Schaubühne im Juni 2006. Eine Inszenierung, in der er die Erinnerungen des KZ-Arztes Hans Münch mit einem Traumtext von Florian List verband.

Die Tragödie Sarkozy

von Simone Kaempf

8. März 2008. Namen, die immer wieder fallen: Henri, Laurent, Pierre, Élodie. Auf der Hälfte des Buchs blättert man im angehängten Personenregister, um Redenschreiber, Stabschef und Berater auseinander zu halten. Am Ende des Buchs rücken sie in den Hintergrund – wie jeder Hofstaat. "Kätzchen, die um ihn herum spielen", schreibt Yasmina Reza einmal über die Entourage auf dem Rückflug von einem Wahlkampftermin. Dazwischen: Sarkozy.

Die Banalität des Subjektiven

von Dirk Pilz

Februar 2008. Diskutiert wird ja gern und viel rund ums Theater und die einzelnen Inszenierungen. Eines scheint dabei stets unverbrüchlich zu gelten: Nichts ist objektiv in Sachen ästhetischer Urteilsbildung, alles bleibt letztlich ein Produkt der je eigenen Subjektivität. Objektivität in der Theaterkritik zum Beispiel? Gibt es nicht, kann es nicht geben, braucht es auch nicht.

Gesprächige Meister

von Hans Christoph Zimmermann

Januar 2008. "Nahaufnahme" nennt der Berliner Alexander Verlag eine neue Buchreihe, die einen möglichst "persönlichen Zugang zu Leben und Werk eines internationalen Künstler" ermöglichen soll. Alle bisher erschienen Bände zeigen auf dem Cover ein Foto des Porträtierten, der den Leser frontal anblickt. Doch nicht nur Nahaufnahme, sondern Zwiesprache ist das Grundprinzip der Reihe; dementsprechend dominiert das Buch füllend ausgedehnte Interview, das den Künstlern Raum zur Selbstdarstellung gibt.

Die Experten der Affirmation

von Dirk Pilz

23. Dezember 2007. Stellen wir eine einfache Frage: Warum gibt es dieses Buch? Im Vorwort merken die Herausgeber an, dass es zwar "ein bisschen früh für ein ausführliches Buch" sei, schließlich gebe es Rimini Protokoll gerade mal sieben Jahre. "Doch die Arbeit von Helgard Haug, Stefan Kaegi und Daniel Wetzel ist", wird uns erklärt, "nicht zufällig in so kurzer Zeit so erfolgreich geworden." Es gibt dieses Buch also, weil es am Erfolg seines Gegenstandes partizipieren möchte. So funktioniert der Markt und dies braucht nicht weiter bemäkelt zu werden – auch wenn es ein schwaches (und entlarvendes) Motiv ist.

Theater als Bildverarbeitungsmaschine

von Esther Boldt

23. Dezember 2007. Schon immer steht das Visuelle auf dem Theater unter Verdacht. Unter dem Verdacht des Populären, des Simplifizierenden, dessen, was der Herrschaft des Textes eins draufzusetzen versucht und in den Feuilletons noch immer gerne als "Regieeinfall" angeklagt wird. Dieser binären Entgegensetzung von Text und Bild zum Trotz sind Theater und Visuelles schon immer Verwandte.

Nicht mehr an die Kraft des Humanismus glauben

von Hans-Christoph Zimmermann

23. Dezember 2007. Klischees sind immer noch das gängigste Verkaufsargument. Das zeigt sich jetzt wieder an dem Sammelband "Peter Turrini. Schriftsteller". Der Klappenbroschureinband besitzt eine raue Griffigkeit. Auf dem Foto ist der Autor neben seiner Schreibmaschine zu sehen, deren Lettern auch für den Titel verwendet wurden.

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