medienschau
Unsere auswahl ist subjektiv
Presseschau vom 21. Februar 2016 – Die Süddeutsche Zeitung verteidigt die Absage einer Handke-Aufführung am Residenztheater München
Scheitern erlaubt
21. Februar 2016. Das Münchner Residenztheater hat eine Premiere abgesagt, nämlich Peter Handkes "Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße" in der Regie von Philipp Preuss, geplant für den 10. März 2016. "Die künstlerischen Differenzen über Wege und Ziele waren zuletzt unüberbrückbar geworden", hieß es in der entsprechenden Pressemitteilung des Theaters. In der Süddeutschen Zeitung (20.2.2016) nimmt Christine Dössel nun die Beteiligten gegen etwaige Skandalrufer in Schutz: Zwar sei eine solche Absage "ein harter Schritt", aber "Inszenierungen sind künstlerische Prozesse, so komplex wie fragil. Dass da mal was schiefgeht, ist eher normal."
Presseschau vom 18. Februar 2016 – Anstehende Tariferhöhungen setzen das Theater Freiberg unter Druck
Die freien Tage sind gezählt
18. Februar 2016. Die anstehenden Lohnsteigerungen für das Jahr 2017 und 2018 setzen das sächsische Theater Freiberg unter Druck. Das berichtet Kai Kollenberg für die Sächsische Zeitung (18.2.2016), ebenfalls abgedruckt in der Freien Presse. "Rund 220.000 Euro pro Jahr macht die Gehaltserhöhung laut den Tarifverträgen für die Theater-Gesellschaft aus. Bisher hat sie dies mit freien Tagen kompensiert. Zehn Tage pro Jahr stehen den Mitarbeitern in Freiberg und Döbeln demnach bereits jetzt zu. 2017 und 2018 müsste diese Zahl aber weiter steigen, um die Lohnsteigerung ausgleichen zu können." Aber man könne "nicht immer weiter freie Tage gewähren", wird Theater-Geschäftsführer Hans-Peter Ickrath in dem Bericht zitiert.
Presseschau vom 17. Februar 2016 – In der TLZ spricht Erfurts OB über die Theaterstrukturreform in Thüringen
Kostenaufwüchse verringern
17. Februar 2016. In Thüringen geht die Debatte über eine Strukturreform der Theaterlandschaft weiter. "Wenn es zu keiner Zusammenarbeit mit Weimar kommt, dann werden wir es auch alleine schaffen", sagt Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein im Interview mit Wolfgang Hirsch von der Thüringen Landeszeitung über die Reform der Thüringischen Theaterandschaft. Er präferiert die Zusammenarbeit, ohne sich klar zu Fusionen zu äußern: "Irgendwann muss man ja mal anfangen zusammenzuarbeiten. Es gibt bereits gute Ansätze dazu. Beide Häuser liegen nur 25 Kilometer voneinander entfernt, da muss es einfach möglich sein, sowohl im künstlerischen Bereich als auch im Werkstätten- und technischen Bereich zusammenzuarbeiten."
Presseschau vom 11. Februar 2016 – Deutschlandradio Kultur über den Arbeitsalltag von Berliner Theatermacher*innen mit Migrationshintergrund
Deine Biographie zählt
Berlin, 11. Feburar 2016. In einem größeren Bericht für das Deutschlandradio Kultur (11.2.2016) wirft Cara Wuchold einen Blick auf die Arbeitsrealität von Berliner Theatermacherinnen und Theatermachern mit Migrationshintergrund. Das noch von Matthias Lilienthal am HAU initiierte und von Shermin Langhoff kuratierte "Beyond Belong"-Festival habe 2006 eine Szene von neuen Künstler*innen sichtbar gemacht und vernetzt, die später am Ballhaus Nanynstraße und jetzt am Gorki Theater in Berlin ihre Zentren fand. Mit einigen der Protagonist*innen dieser Aufbruchszeit und einem neuen Gesicht auf Berlins Bühnen spricht Cara Wuchhold.
Presseschau vom 21./23. Januar 2016 – Die Südwestpresse, Stuttgarter Zeitung und Deutschlandradio über ein Gipfeltreffen der deutschen Theater-Intendanten in Stuttgart
Theater als Anti-Radikalisierungs-Schule
21. Januar 2016. Unter dem Titel "Beharrungsvermögen vs. Verflüssigung" haben sich am 18. und 19. Januar 2016 etwa 60 Intendanten deutscher Theater und Orchester getroffen und über den Rollenwandel der Theater in der "Flüchtlingskrise" diskutiert. Außerdem berieten sie über ihren Umgang damit, dass Theaterhäuser immer wieder als Kulisse für Kundgebungen von rechten Kräften herhalten müssen (zum Beispiel montags in Dresden oder im vergangenen November in Mainz, wo die Beschäftigten des Theaters eine AfD-Demonstration mit Gesang übertönten und dafür eine Anzeige bekamen).
Presseschau vom 21. und 27. Januar 2016 – Rostocker Spardiskussion: Stefan Rosinski stellt ein alternatives Theatermodell für Rostock vor – und liest der Kulturpolitik in Stadt und Land die Leviten. Sewan Latchinian wehrt mit einem Positionspapier ab
Im Schatten der DDR-Kulturpolitik
21. Januar 2016. Stefan Rosinski, noch bis zum Sommer Geschäftsführer des Rostocker Volkstheaters, hat gestern in der in Rostock erscheinenden Ostsee Zeitung ein "Variantenmodell" (hier der Wortlaut des 30-seitigen Papiers) veröffentlichen lassen, mit dem er den von der Rostocker Politik auferlegten Verkleinerungsüberlegungen für das städtische Theater begegnen will. Kern von Rosinskis Überlegung ist die Erhaltung und der Ausbau des Musiktheaters sowie die Erhaltung und Stabilisierung der 73-köpfigen Norddeutschen Philharmonie als konzertierendes Orchester, das zugleich Musiktheateraufführungen begleitet. Tanztheater soll in Rostock fürderhin in die Hände einer zu bildenden Landestanzkompanie nach baden-württembergischen und südhessischem Vorbild gelegt werden. Das Schauspielensemble soll nach Rosinskis Dafürhalten abgewickelt, Schauspieltheater in Rostock per Gastspiel und Koproduktionen mit freien Gruppen angeboten werden. Nur ein kleines vierköpfiges Ensemble bliebe am Volkstheater bestehen, um Jugend- und Kindertheater in flexiblen Formen anzubieten.
Presseschau vom 20. Januar 2016 – Deutschlandradio Kultur untersucht das Phänomen des neuen politischen Theaters
Ungefiltert, direkt, authentisch
20. Januar 2016. Auf Deutschlandradio Kultur geht Thomas Klug in fünf Akten der These nach, dass das Theater wieder politisch wird. Zunächst resümiert er, wie das politische Theater früher ausgesehen hat, nennt Rolf Hochhuth, Peter Weiß, Christoph Schlingensief. "Es folgte Theater-Routine, die außerhalb des Theaters kaum Widerhall fand. Es schien, als würde das Theater die Welt um sich herum nur durch ironische Distanz wahrnehmen. Vielleicht war es ein Stilmittel, um sich gegen den Optimismus allenthalben zu wehren, um gegen Fantasien des immerwährenden Wachstums anzustinken. Und vielleicht konnte Ironie gegen diejenigen helfen, die glauben, jedes Detail eines Lebens noch effizienter gestalten zu müssen. Als würde jedes einzelne Leben an der Börse gehandelt und müsste dem Markt gerecht werden. Der Wahnsinn der Realität fordert die Ironie geradezu heraus. Doch egal ob Wahnsinn oder Ironie, beides kann Überdruss hervorrufen.“
Presseschau vom 5. Januar 2016 – In der Schweizer Sonntagszeitung kritisiert Doku-Theatermacher Milo Rau die europäische "Wohlfühl-Ethik"
Schluss mit den Bittschriften, raus auf die Straße!
5. Januar 2016. In der Schweizer Sonntagszeitung (27.12.2015) wettert der Recherche-Theatermacher Milo Rau gegen den von ihm so genannten "zynischen Humanismus" in Europa. Es ist ein Humanismus, der in unpolitischer Weise eine "Wohlfühl-Ethik" auslebt. Der zynische Humanist "kritisiert die unmenschliche Grenzpolitik der EU, setzt auf nachhaltigen Konsum und adoptiert Genozid-Opfer". Aber, so Rau, die "grossen Fragen bleiben ungestellt, die wirklichen Verantwortlichkeiten verschwinden hinter dem Instant-Ergebnis des Helfens". Was auf der Strecke bleibe, sei der "gesellschaftliche Wandel".
Presseschau vom 4. Januar 2016 – Bruno Ganz beklagt sich über das gegenwärtige Theater
Extrem eitel
4. Januar 2016. Und wieder singt einer der großen Alten den Abgesang aufs Theater. Diesmal Bruno Ganz, der im Interview mit Patricia Batlle auf ndr.de erzählt, dass er nicht mehr ins Theater geht: "Ich befinde mich in einer Art Dissens mit dem deutschsprachigen Theater. Ich finde es nicht so toll, was ich da sehe. Deswegen gucke ich es mir auch nicht mehr an."
Presseschau vom 4. Januar 2016 – Die NZZ berichtet wehmütig vom Sittenverfall beim Theaterpublikum
Unbeschwerte Kino-Mentalität
4. Januar 2016. Nichts ist, wie es mal war, seufzt Bernd Noack in der Neuen Zürcher Zeitung. Er beobachtet seit einiger Zeit als Entwicklung im Theater: "Der Respekt des Zuschauers gegenüber der Institution Theater lässt nach. Es geht um das ganz normale Benehmen im öffentlichen Raum, und es geht um die Beziehung zwischen Zuschauer und Akteur, um diesen ungeschriebenen Vertrag, der seitens des Publikums immer häufiger und hemmungsloser aufgekündigt wird."
Presseschau vom 3. Januar 2016 – Der Freitag empfiehlt dem Theater, sich zwecks Rettung an Fernsehserien zu orientieren
Urinierende Schauspieler
3. Januar 2016. "Die Bühnen stecken seit Jahren in einem fürchterlichen Dilemma", konstatiert Axel Brüggemann in der Zeitung Der Freitag. "Ihr Prinzip der Inszenierung ist ihnen von den Protagonisten unserer Wirklichkeit geraubt worden: Politiker, Sportler oder Gewerkschaftsbosse beherrschen den Mechanismus der eigenen Inszenierung inzwischen besser als so mancher Regisseur. Sie brauchen keine Bühne mehr, um die Wirklichkeit zum Theater zu verwandeln".
Presseschau von 2. Januar 2016 – Die Schriftstellerin Sibylle Berg über den Terroranschlag am Neujahrstag in Tel Aviv, den sie als Augenzeugin erlebte
Wir alle, die nicht morden, sind betroffen
2. Januar 2016. "Es ist Freitag der erste Januar, ich sitze in der Wohnung, versuche ein Drehbuch zu schreiben, es ist Nachmittag, ich habe keine Lust auf den Familienbesuch, auf noch mehr Essen, und draußen gehen Böller los," schreibt Sibylle Berg in der Tageszeitung Die Welt. Sie hält sich zur Zeit in Tel Aviv auf, wo am Neujahrstag in einem Restaurant ein Mann zwei Menschen erschoß und mehrere schwer verletzte. Gestern twitterte sie bereits darüber.
Presseschau vom 31. Dezember 2015 – Claus Peymann im Interview mit der Zeit zur Lage des Theaters
Mehr als nur vier Dixi-Klos
31. Dezember 2015. "Das Theater ist verstummt. Es steht nicht mehr in der Mitte der Zeit", sagt Claus Peymann, Intendant des Berliner Ensembles im Gespräch mit Peter Kümmel von der Wochenzeitung Die Zeit. "Mit brülllenden Nazis und authentischen Flüchtlingen auf der Bühne zeigen wir nur die Hilflosigkeit unserer Kunst".
Presseschau vom 26. Dezember 2015 – Der Schauspieler Ulrich Tukur sagt der DPA, was er über das Theater denkt
Laut, hohl und blöd
26. Dezember 2015. "Ich bin damals ausgestiegen, als die Regisseure anfingen, sich über die dramatische Literatur zu erheben und in Ermangelung neuer oder eigener Stücke fragmentierten und zerstörten, was mir wertvoll war", sagt der Schauspieler Ulrich Tukur in einem Weihnachtsinterview, das er der Deutschen Presseagentur gegeben hat (und das u.a. das Magazin Focus verwertet). "Und mir gingen die ständigen Anleihen bei Film und Video auf die Nerven."
Presseschau vom 24. Dezember 2015 – In der taz spricht Schauspieler über Dan Thy Nguyen über Rassimus in Deutschland und am Theater
Brust raus!
24. Dezember 2015. In einem Interview mit Petra Schellen in der tageszeitung spricht Schauspieler und Performer Dan Thy Nguyen über Rassimus in Deutschland und am Theater. Auf die Frage, ob er sich im Theaterbetrieb integriert fühle, sagt er: "Nicht in den offiziellen Theaterbetrieb. Da hat man mir schon auf der Schauspielschule gesagt, dass man meine Gesten, meine Codes nicht versteht. Um Stärke zu zeigen, müsse man den Fuß abrollen, kräftig auftreten und die Brust rausdrücken. Das ist unter Vietnamesen nicht üblich. Da geht man einfach normal geradeaus." Als seine Schauspiellehrer das nicht akzeptierten, wurde ihm klar, wie eurozentristisch der deutsche Theaterbetrieb ist.
Presseschau vom 23. Dezember 2015 – Tim Renner im Magazin Das Netz über das Digitale und den Kulturbetrieb
Das Digitale ist emotional nicht begriffen
23. Dezember 2015. Schon vor knapp zwei Wochen hat Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner im Magazin Das Netz einen Text veröffentlicht, in dem er sich den Berührungsängsten der Kulturpolitik und des Kulturbetriebs mit der Welt des Digitalen widmet.
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