Gemeinsam Gegenwart verhandeln

17. April 2026. Theater und Journalismus gehen derzeit ein enges Bündnis ein. Ist das für beide Seiten ein Gewinn – oder nur eine neue Vertriebsstrategie zweier an Relevanz verlierender Medien? Ein Gespräch mit Natalie Baudy (Schauspiel Erlangen), Simon Strauß (FAZ) und Kay Voges (Schauspiel Köln).

Von Susanne Burkhardt und Elena Philipp

„Das Schweigen des Heiligen Vaters“ nach Recherchen von Correctiv am Schauspiel Köln © Birgit Hupfeld

17. April 2026. Von der EU bekommen das Schauspiel Köln und neun/acht weitere Theater in Europa 1 Million Euro im neuen Programm TRUST, das Kooperationen zwischen darstellender Kunst und Journalismus fördert. Investigativtheater hat Konjunktur. Was unterscheidet es vom Dokumentartheater? Und was ist der Mehrwert von Journalismus auf der Bühne?

Kay Voges hat am Schauspiel Köln eben "Das Schweigen des heiligen Vaters" herausgebracht, eine weitere Kooperation mit dem Recherchemedium Correctiv. 2024 führte der erst recherchierte und dann inszenierte Scoop "Geheimplan gegen Deutschland" über ein Treffen von Politiker*innen und Unternehmer*innen mit AfD-Vertreter*innen zu Demonstrationen.

Diesmal gab es für die Bühnenversion der Correctiv-Recherche einen scharfen Kommentar in der FAZ. Dessen Autor, Simon Strauß, erklärt im Theaterpodcast, warum er mit dem neuen Bündnis zwischen Theatern und Journalismus in der jetzigen Form nicht einverstanden ist.

Natalie Baudy hat am Schauspiel Erlangen gemeinsam mit dem Regisseur Matthias Köhler in "Brauner Schnee über Franken" den Doppelmord am jüdischen Verleger Shlomo Lewin und seiner Lebensgefährtin Frieda Poeschke aus dem Umfeld der rechtsextremen Wehrsportgruppe Hoffmann 1980 aufgegriffen. Als Autorin hat sie ein Theaterstück mit Figuren und Dialogen geschrieben. Ist das trotzdem Investigativtheater?

 

 

 In Kooperation mit Deutschlandfunk Kultur.

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Kommentare  
Theaterpodcast Investigativtheater: Aufklärung?
Die Bühnenpräsentation der Undercover-Recherche von Correctiv durch das Berliner Ensemble war aus vielen Gründen ein Desaster. Ohne jedes Maß und ohne Prüfung dessen, was da behauptet worden war, wurden die Schauspieler in eine intellektuelle und psychologische Bühnenstatik getrieben, die jede Distanz vermissen ließ und im Saal eine derartig negative hilflose Spannung erzeugt, die man eigentlich nur von ausweglosen Horrorfilmen zu kennen meint. Nein, das sollte im Theater nicht stattfinden, denn es wurde ja nicht gespielt, sondern Auf-Nazi-Komm-Raus pathetisch dilettiert. Also, wer da meint, im Sinne von Aufklärung zu wirken - dieses Publikum brauchte sowieso keinen Nachhilfeunterricht - irrt sich gewaltig.
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