Hervorragende Leistungen

11. Februar 2010. Wie die Pressestelle des rheinland-pfälzischen Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur (hm?) uns heute mitgeteilt hat, erhält der 1952 in "Neustadt an der Weinstraße geborene Künstler Heiner Goebbels den Kunstpreis Rheinland-Pfalz für das Jahr 2010 von der Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Doris Ahnen, verliehen".

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis werde, so die Pressestelle des Ministeriums weiter, "zur Anerkennung hervorragender Leistungen auf dem Gebiet der bildenden Künste, der Literatur, der Musik, der Darstellenden Künste und des Films verliehen."

Mit Heiner Goebbels, so Ministerin Ahnen, erhalte ihn in diesem Jahr "ein Künstler, dessen international gewürdigte Leistungen auf all diesen Gebieten liegen. Als Grenzgänger zwischen den Sparten, als Künstler, der Ton, Text, Bild und Szene miteinander verknüpft, als Musiktheater-Erfinder und Musiktheater-Regisseur, den gesellschaftskritische wie ästhetisch-innovative Impulse vorantreiben, der ebenso experimentell wie komplex, ebenso universal ausgreifend wie handwerklich detailbesessen arbeitet, ist Heiner Goebbels eine herausragende Persönlichkeit nicht nur in der deutschen, auch in der internationalen Kunstszene."

Und weiter im Ministeriums-Lobpreis: "Heiner Goebbels, der in Frankfurt am Main lebt und an der Universität Gießen Professor für angewandte Theaterwissenschaften ist, gehört zu den bedeutendsten Experten der gegenwärtigen Musik- und Theaterszene. Seine multimedialen Konzepte sprengen sowohl den tradierten Rahmen der Konzertmusik als auch den des herkömmlichen Theaters. Er setzt Raum und Licht, Wort und Bewegung ebenso selbstverständlich und virtuos ein wie Instrumente und Stimmen, erfundenes oder gefundenes Material, um seine musiktheatralischen Konzepte zu realisieren.

Heiner Goebbels studierte in den 1970er Jahren in Frankfurt am Main Soziologie und schloss mit einer Diplomarbeit über den musikalischen Materialbegriff bei Hanns Eisler ab. Eisler und seine dialektische Haltung zu Musik und Politik werden für Goebbels zu einem Schlüsselerlebnis; er beginnt Musik zu studieren und gründet das sogenannte Linksradikale Blasorchester, eine legendäre Vereinigung aus professionellen und Laienmusikern, die sich lautstark und kreativ in die Auseinandersetzungen zwischen alternativer Szene und politischem und kulturellem Establishment einmischte. 1979 holt ihn der Brecht-Schüler Peter Palitzsch, der ein Gespür für experimentierfreudige Querdenker hat, ans Schauspiel Frankfurt, wo er als Musikalischer Leiter Theatererfahrung sammeln kann.

Heute füllt sein Werkverzeichnis mehrere Seiten: Szenische Konzerte und Musiktheater, Ballett- und Schauspielmusiken, Filmmusiken und Videoproduktionen, Installationen, Hörstücke, Ensemble- und Orchesterwerke, auch Stücke für kleine Besetzungen und Tonbandkompositionen. Mehrfach wurde er dafür mit internationalen Hörspielpreisen ausgezeichnet (Prix Italia 1986, 1992, 1996, Karl Sczuka Preis 1984, 1990, 1992, World Silvermedal of the New York Festival, Radio Ostankino Prize Moscow etc.). Zahlreiche Werke von Heiner Goebbels – nicht nur die Hörstücke – leben wesentlich von einem experimentellen Umgang mit Sprache. (...)  Entsprechend weit gespannt ist der Kreis der Autoren, deren Texte er – oft in der Originalsprache – verwendet: Gertrude Stein, Edgar Allan Poe, Elias Canetti, Allain Robbe-Grillet etwa, Bertolt Brecht und immer wieder Heiner Müller.

Goebbels war u.a. zweimal für einen Grammy nominiert. Im Jahr 2002 ehrte ihn die Stadt Frankfurt mit der Goetheplakette, das Land Hessen 1993 mit dem Hessischen Kulturpreis; 2009 wählte ihn die Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz zu ihrem Mitglied."

(Presseerklärung des rheinland-pfälzischen Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kulturvom 11. Februar 2010/ jnm)

 

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