"Bitte, wehrt Euch!"

27. September 2010. Im Hamburger Abendblatt (27.9.2010) protestieren alle sechs noch lebenden ehemaligen Intendanten des Schauspielhauses gegen die angekündigten Budget-Kürzungen.

Intendanten sind nicht so leicht auszutauschen wie Erste Bürgermeister, sagt Ivan Nagel (Intendant 1972 bis 1979). Mit der Idee, Schauspielhaus und Thalia unter einem Generalintendant zusammenzulegen, "haben sich kunstfremde und sparwütige Politiker oft beschäftigt". Ihre Verwirklichung würde Hamburg zur aussichtslosen Provinz machen.

Niels-Peter Rudolph (1980 bis 1985): "Die Beliebigkeit und kulturpolitische Inkompetenz, mit der jeden zweiten Tag ein neuer Zerstörungsplan gegen gewachsene Kultur in die Hamburger Welt gesetzt wird, ist gedankenlos gelebte Fahrlässigkeit. ... Wir wollen uns das nicht gefallen lassen! Sperrt den Senat ins Millionengrab Elbphilharmonie – bis sich die Gedanken wieder zur Kultur der Verhältnismäßigkeit geordnet haben!"

Michael Bogdanov (1989 bis 1991): "Hamburg hat eine lange Geschichte kulturell ungeschickter Politiker, die gern die gesamte Kultur privatisieren würden. Aber wenn man die Zuschüsse wegnimmt, würde Theater reduziert auf eine endlose Magerkost von Musicals und Dingen, die auf schnellen Gewinn aus sind."

Gerd Schlesselmann (1992 bis 1993): Eine Generalintendanz für Schauspielhaus und sei "völliger Blödsinn" und spare nicht mal viel ein. Die Theater seien "permanent bespart worden". Jetzt gefährde man Projekte wie das Junge Schauspielhaus, die richtig gut laufen - "also eine Erfolgsabteilung."

Frank Baumbauer (1993 bis 2000): Erfolge am Schauspielhaus seien oft "richtungweisende Triumphe, Niederlagen meist Katastrophen" gewesen. Dieses Hamburger Theater habe sich nie homogen in Strömungen eingeschmiegt. Es bedurfte immer des Besonderen! "Das Theater nun klein zu stutzen ist nicht der Wille der Hamburger. Diesen Auftrag hat die Politik nicht bekommen." Der Senat vernichte die Kultur. "Liebe Hamburger, bitte wehrt Euch, es ist Euer Schauspielhaus ... Bitte wehrt Euch. Bitte."

Tom Stromberg (2000 bis 2005): Die geplante Kürzung sei ein "beispielloser Vorgang in der Hamburger Kulturpolitik". Das lasse nur noch kalte Wut zu – Wut auf die Grünen, die sich einspannen ließen für die Katastrophe.


zum Artikel im Hamburger Abendblatt vom 27. September 2010

 

Hier finden Sie eine ausführliche Chronik zur Debatte um das Deutschen Schauspielhaus.

 

Kommentare

Kommentare  
#1 Intendanten protestieren: Stuths ÜberregionalitätArkadij Zarthäuser 2010-09-28 00:50
Bravo, Abendblatt !!

Jetzt stellt sie sich noch dringlicher, die Frage danach, welche "überregionalen
Intendanten" Herr Stuth so zu Rate gezogen haben will.

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