Das Chaos herrscht

von Georg Kasch

Budapest, 22. Februar 2011. In Deutschland, Österreich und der Schweiz inszenieren sie an Stadt- und Staatstheatern. Sie werden zu Festivals eingeladen, gefeiert und intensiv diskutiert: Regisseure wie Viktor Bodó, Kornél Mundruczó, Béla Pintér und Árpád Schilling. In Ungarn hingegen, wo sie ihre Handschriften entwickelt haben, steht die Theaterszene zunehmend unter Druck.

Vor Ort ist die Lage unübersichtlich und klärt sich auch beim Festival "CrossSection" nicht völlig auf, das die Dramaturgin Anna Lengyel (PanoDrama) zum ersten Mal organisierte: Hier stellten sich die drei künstlerisch arbeitenden, nicht-kommerziellen großen Theater Budapests vor. "Derzeit herrscht ein großes Chaos", sagt Róbert Alföldi, Intendant des Nationaltheaters. "Es ist ein Wunder, dass ich noch hier bin". Zwischenzeitlich schien er schon abgesetzt, täglich gingen neue Gerüchte über potentielle Nachfolger durch die Kantinen. Zwar läuft sein Vertrag offiziell noch bis 2013. Aber weder der Regierung noch der rechtsradikalen Jobbik-Partei passt der Mittvierziger an der Spitze des repräsentativsten Theaters in Ungarn.

Der öffentliche Feind

Denn das lief vor Alföldis Dienstantritt 2008 im ruhigen Fahrwasser des ästhetischen Nirgendwo. Seit er aber mit zwei Übernahmen, Andrei Şerbans "Onkel Wanja" aus Klausenburg und Kornél Mundruczós Krétakör/Trafó-Produktion A jég – Ljod. Das Eis in die Intendanz startete, hat sich einiges geändert am Vorzeigehaus: Mit einem unzensierten, für alle Meinungen offenen Gästebuch und dem Abdruck aller ungekürzten Kritiken auf der Homepage eröffnet das Nationaltheater den Dialog. Mit jungen Regiehandschriften versucht es zudem, den Anschluss an die aktuelle Theaterästhetik zu finden. Und in dieser, der "ungarischen" Spielzeit, handelt es sich bei fünf der acht Premieren um Uraufführungen.

Kurz: Die jetzige Leitung versteht den Namen ihres Hauses nicht als Auftrag, Ort ungarischer Imagepflege zu sein. Sondern als Ort der Fragen, nicht der Antworten, wo man "mutig genug ist, auch über Schmerzvolles zu sprechen, zu provozieren, Stücke zu wählen, über die andere Regisseure zweimal nachdenken würden", wie es Alföldi formuliert. Klar, dass er sich damit keine Fans in der Regierung macht. Das ist insofern gefährlich, als dass das Nationaltheater-Budget direkt vom Kultusministerium gestellt wird, ohne dass es dafür ein Fach-Gremium gäbe.

Doch noch ist Alföldi da und wird seiner Rolle als – wie er nicht uneitel sagt – "Public Enemy" gerecht: Für Ende der Woche steht die Uraufführung von Péter Esterházys "Ich bin dein..." an, einem Text über das 1. Mosaische Gebot, der die klerikal geprägte Regierungspartei sicher nicht erfreuen wird.

Zwischen Politik und Ästhetik

Anders gesagt: Man kann in Ungarn gerade mit wenig Aufwand hohe Wellen schlagen lassen. Ein Stück wie Martin Sperrs "Jagdszenen in Niederbayern", das in Deutschland heute niemanden mehr hinterm Ofen hervorholt, taugt in Budapest offensichtlich noch zum Aufreger. Und das, obwohl Robert Alföldi die Geschichte höchst realistisch im Bayern der 60er Jahre belässt. Weil das Publikum auf Säcken mitten im Raum sitzt, während an allen vier Wänden verschiedene Stationen des Dorfes aufgebaut sind, kommen einem die aufwallenden Emotionen ziemlich nah. Beim Durchqueren des Raums werden die Zuschauer ignoriert, Dialoge über ihre Köpfe hinweg oder mitten unter ihnen geführt. Die perfide Läster-Verschwörung mündet im Blasmusik-Fest, wo den Zuschauern Bier und die zuvor live gebratenen Bouletten in die Hand gedrückt werden. Da sollte man sich schon verhalten. Andererseits kippt sich das Bier so leicht runter, weil's eben doch nur Theater ist (hier gibt's Bilder).

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"Iwanov" von Tamás Ascher © Lenke Szilágy

Ästhetisch wenig wegweisend auch Andrei Şerbans "Drei Schwestern". Der rumänische Regiestar inszeniert Tschechows Tragikomödie zunächst (und zuletzt) als reines Spiel vorm Samtvorhang, später als amüsantes Tollhaus und aufgekratzte Hölle. Ein elektrisch verstärkter Konzertflügel verkleistert alle Gefühlsregungen mit einem musikalischen Zitat. Wie unter einem Brennglas wirkt jede Geste, jede hochgezogene Augenbraue. Şerban treibt die Tragikomödie in die Camp-Klamotte und ironisiert mit ein paar alten Zöpfen auch gleich die Emotionen weg (Bilder und ein Video finden sich hier).

George Taboris "Mein Kampf" hingegen wird in der Inszenierung des jungen Schauspielers Roland Rába zum hinterfotzigen Muscial: Zwischen hingeschmiertem Postkartenidyll und grellen Masken, mitten in einer Schnauzbart-Inflation, liefern sich der jugendliche Selfmade-Superhero Lobkowitz und der alte Herzl perfekt getimte Wortgefechte. Blutjung und schön ist Hitler, vollkommen pathosfrei Frau Tod (die wunderbare Mari Töröcsik, einer von Ungarns größten Stars). Am Ende macht der Schnitzel-Song jeder Komik den Garaus (Bilder und Video hier).

Zwischen Hysterie und Befreiung

Ästhetisch ist das ebenso heutig wie politisch – laut einer Umfrage der New Yorker Anti-Defamation League in sieben EU-Staaten liegt Ungarn in Sachen Antisemitismus an der Spitze. Das ziemlich junge Publikum in der Nebenspielstätte des Nationaltheaters weiß die aktuellen Parallelen ebenso zu ziehen wie das etwas gemischtere im Örkeny Theater, wo Sándór Zsótérs "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" läuft. Eindrücklich ist, wie Éva Kerekes ihren Ui mit weiblichem Understatement spielt, vollkommen ruhig, das Publikum direkt agitiert und ihre Worte mit Tränen beglaubigt (der Rest ist Stehtheater auf, in und um einen riesigen Blumenkohl herum). Wenn bei Uis perfidem Angebot an Dogsborough "Lass mich dich retten" im Saal das Licht angeht (kein ganz neuer Trick, sicher), dann spürt man einen Ruck durchs Publikum gehen. Und wenn Ui einfordert: "Wer nicht für mich ist, ist gegen mich", dann hat man den Eindruck, dass gerade der aktuelle Wiedererkennungswert den Satz zum Lacher macht.

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Éva Kerekes als Ui in "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" im Örkeny Theater © Vera Éder

Das Örkeny ist das jüngste der drei Budapester Theater, die den ästhetischen und diskursiven Anschluss ans europäische Theater suchen. Das Problem: Eine offizielle Trennung zwischen kommerziellen und künstlerisch ausgerichteten Theatern gibt es nicht und jede verkaufte Karte schlägt sich in Subventionen nieder. Große Häuser mit schmissigem Programm sind deshalb klar im Vorteil.

Vielleicht liegt es daran, dass auch die anderen während des Festivals gezeigten Inszenierungen am Örkény für das westeuropäische Theaterauge eine Spur zu grell wirken. 2004 löste es sich von seiner Muttertruppe und zog ins heutige Theater mit 400 Plätzen. Das Ursprungspublikum des Hauses war unterhaltsame Shows gewohnt und sollte nun "mitgenommen" werden. In "Kasimir und Karoline" von László Bagossy fasziniert zunächst der Ansatz, uns die Oktoberfest-Geschichte in einer Jahrmarktbude zu zeigen. Nach einer Weile aber hat man das Prinzip kapiert, verliert sich der Ansatz gerade da im Dekorativen, wo die Jahrmarktsattraktionen wie die bärtige Frau vorgeführt werden. Wenn gegen Ende die Bühne demontiert wird, bleibt dieser Bruch ein Fremdkörper. Beeindruckend allerdings das kleine, junge, überzeugende Ensemble – einige von ihnen sind auch am National und am Katona József unterwegs.

Zwischen Überwachungsstaat und Operettenschmiere

Das Katona ist in Deutschland das bekannteste ungarische Theater. Seit es sich in den 80ern als eigenständige Bühne etablierte, tourt es mit seinen Gastspielhits um die halbe Welt. Zum Beispiel mit Tamás Aschers "Ivanow"-Inszenierung, die seit ihrer Premiere 2004 etwa in Rom, Dublin, Paris, Moskau und Sidney zu sehen war. Eine lachhafte Gesellschaft versammelt sich auf dem realsozialistisch heruntergekommenen Landgut, lauter vom Leben Erniedrigte und Beleidigte in 70er-Kostümen: Ivanow in der Kolchose, ein Schlafwandler, selbstmitleidig und genialisch, der mit seinen Rebellenposen klarmacht, dass man sich nicht einfach abfinden kann mit dem spießig-festgefahrenen Leben.

Äußerst präzise retardiert und beschleunigt Ascher den Abend und erfindet Momente Marthaler'scher Poesie. Etwa wenn hinten die Alten wortkarg, aber grimmig fröhlich die Karten kloppen, während vorne die Jugend sitzt, stumm und nach Geschlechtern getrennt, darauf wartend, das irgendetwas passiert. Und sei es die Ankunft von Ivanow (zum Film geht's hier).

Vollkommen anders "Zerhacktundverschwunden", Viktor Bodós grandios detailverliebtes Alptraumtheater von 2005. Frei nach Kafkas "Prozess" lässt er in einem expressionistisch verschachtelten Endlosgang eine Höllenmaschinerie der Unterhaltung los. Gefangen ist Josef K. hier in einer brutalen Fake-Welt zwischen Überwachungsstaat und Operettenschmiere, in die die Theaterrealität bricht: "Achtung, Improvisation!" Anders als in Bodós Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten kommt nie der Eindruck von Kunstgewerbe auf, weil aller Aufwand Kafka ins Mark trifft. Auch "Zerhacktundverschwunden" ist übrigens ein Tour-Erfolg, war in Frankfurt, Düsseldorf und Berlin zu sehen (mehr Fotos: hier).

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"Zerhacktundverschwunden" von Viktor Bódo © Imre Varga

Bodós autoritäres System lässt sich übrigens problemlos als Metapher auf die sozialistische Diktatur lesen wie auf die aktuelle Regierung. Seit die rechtskonservative Fidesz von Ministerpräsident Viktor Orban bei den Parlamentswahlen im April 2010 die absolute Mehrheit erreichten und die rechtsextreme Jobbik zweitstärkste Oppositionspartei wurde, stehen nicht nur die Medien auf der Agenda der Regierung. Auch die ungarische Kulturpolitik befindet sich im Umbruch: So sollen die verschiedenen Kultur-Etats um insgesamt etwa 41 Milliarden Forint (etwa 150 Mio. Euro) gekürzt werden. Die Begründung: Das Geld werde für einen neu zu schaffenden Stabilitätsfonds von 250 Milliarden Forint gebraucht. Aber Genaues weiß man nicht.

"Das gibt's nur in Ungarn"

Besonders schwer hat es dabei die freie Szene, die überhaupt erst Namen wie Bodó, Pinter und Mundruczó als Theaterregisseure hervorgebracht hat und damit ihrerseits stark auf das National-, das Katona József- und das Örkény-Theater einwirkt. Freie Gruppen müssen allerdings auch die größten Prozentsätze an Einspieleinnahmen zusammenbringen. Erst 2009 wurde nach langem Kampf ein Theatergesetz verabschiedet, dass den Off-Truppen eine staatliche Förderung von 10 Prozent ihres Budgets garantierte.

Seit dem Regierungswechsel wurde geradezu willkürlich gekürzt; viele Gruppen stehen vor dem Aus: "Drei, vier wichtige Ensembles gingen im letzten Jahr ein", sagt Pál Mácsai, der Leiter des Örkény. "Langfristig kann die Regierung die Künste nicht ruinieren, aber ihnen das Leben sehr erschweren." Immerhin: Wie er berichten mehrere Theaterleute, dass das Publikum gerade mehr denn je kritisches, zeitgenössisches Theater zu brauchen scheint; das zeigen die Umsätze. Dennoch bestehen in Ungarn derzeit seltsame Parallelwelten. Tamás Ascher etwa berichtet vom evangelikalen Theater, das durch die Lande zieht, und vom herkömmlichen ungarischen Rezitationstheater, das "den Menschen ein Beispiel gibt, wie sie leben sollen". Ja, es klinge "wie vom Mond, das gibt's nur in Ungarn".

 

Nationaltheater: www.nemzetiszinhaz.hu
Katona József Theater: www.katonajozsefszinhaz.hu
Örkény Theater: www.orkenyszinhaz.hu

 

Offenlegungstatbestand: Die Übernachtungskosten wurden vom Festival "CrossSection" übernommen.

Kommentare

Kommentare  
#1 Theaterbrief Ungarn: das ist kein EinzelfallDas Pferd kotzt 2011-03-08 14:50
In keinem anderen Land des ehemaligen Ostblocks wird die Finanzkrise, die tatsächlich den kleinen ungarischen Sparer hart getroffen hat, derzeit so vordergründig für das Ausschalten kritischer Stimmen im künstlerischen Bereich benutzt, wie in Ungarn. Und das gilt nicht nur für die Theaterszene. Neuestes Beispiel ist der Preisträger des Silbernen Bären der diesjährigen Berlinale, der Filmregisseur Bela Tarr (Das Turiner Pferd). Siehe dazu auch Meldungen des heutigen Tagesspiegels. Man ist in Ungarn wieder soweit, das Künstler mit politischen und die Existenz kostenden Repressionen bedroht und damit an den Rand der Selbstverleugnung getrieben werden. Was der real existierende Sozialismus in 40 Jahren nicht vollständig vollbracht hat, schafft diese reaktionäre Regierung im Handumdrehen. Die Gleichschaltung der politischen und kulturellen Meinungs- und Gestaltungsvielfalt. Ungarn hat derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne. Es wäre an der Zeit, dass die politischen Repräsentanten der westlichen Demokratien endlich massiver auf die ungarische Regierung einwirken, um die Einhaltung der Meinungsfreiheit in allen Bereichen der ungarischen Kultur und Gesellschaft anzumahnen. Man ist aber hierzulande eher darum bemüht sich kulturpolitisch mit fragwürdigen Entscheidungen zu profilieren. Leute mit Stimme in diesem Forum haben leider auch nichts Besseres zu tun, als genau in diesem kulturpolitischen Sumpf mit herum zu rühren. Es ist geradezu unerträglich. Solidarisiert euch mit den Kulturschaffenden Ungarns, denn Ungarn ist kein Einzelfall.
#2 Theaterbrief Ungarn: grauenhafte Ohnmacht123 2011-03-08 16:01
@ kotzendes Pferd.

Ja, das ist grauenhaft, was dort geschieht und ich beobachte dies schon seit geraumer Zeit und fühle mich zunächst völlig ohnmächtig.
#3 Theaterbrief Ungarn: Shakespeare als HilfeEin Königreich für ein Pferd 2011-03-08 20:10
In Ohnmacht unterlassen das Notwendige, heisst eine Vollmacht
zeichnen der Gefahr: Und heimlich fasst Gefahr uns wie ein Feuer,
selbst wenn wir müssig in der Sonne sitzen.
William Shakespeare aus Troilus und Cressida
#4 Theaterbrief Ungarn: sich selbst vor Ort begebenFunkedoreenchen 2011-03-08 23:55
liebes kotzendes pferd, du hast vollkommen recht.
die maßstäbe sind hierzulande schon bös verschoben, und das kommt (immerhin
dies !) gerade jetzt wieder verstärkt zum ausdruck, kann ich nur zustimmen.
andererseits komme ich, wenn ich nicht, wie heute noch einmal, gerade gerne mein tanzbein schwinge und eben auch haut zeige, 123 deutet es an (ohnmacht) !, schwer aus meiner
haut raus, und wenn ich mich zb. auf ungarn, serbien, weißrußland zubewege und einlasse, fallen mir wieder nur zunächst die (verkappten) ähnlichkeiten zu dem auf,
was auch hier die debatten durchdröhnt. ich will das nicht pauschal gleichsetzen, aber es ist auch in publikationsformen, die sich viel mehr zeit nehmen als hier in so einem kommentar, ein ungeheuer komplexer und komplizierter vorgang, nicht wieder nur die ähnlichkeiten zu sehen und anzugehen und sich darin zu verstricken.
am meisten aussicht, zu von der hiesigen öffentlichen meinung wahrgenommenen beiträgen zu kommen, scheint mir immernoch zu haben, sich selbst vor ort ein bild zu machen, ungarische kulturschaffende kennenzulernen, aus dem leben zu greifen bei dem aufgriff der probleme und der desaströsen folgen daraus: ich denke, es kann kein internetzeitalter ohne seinen gegenpol geben: daß sich menschen selbst vor ort begeben, immer wieder..
#5 Theaterbrief Ungarn: keine Lust mehr123 2011-03-09 01:28
@ 4

Das ist ja mein Problem, dass ich öfters in Budapest war, auch in Bezug auf das Theater, und nun einfach keine Lust mehr habe dort zu sein.
#6 Theaterbrief Ungarn: Druck von der EU muss herArkadij Zarthäuser als Hendrik Höfgen 2011-03-10 17:30
@ Pferd und 123

Immerhin ist anderswo die erwartete Stille ganz schnell eingetreten,
und ich werde das ganz sicher nicht vermissen, zumal der Reitsport dazu mitunter Bilder liefert von Equipes, bei denen es allerlei Streichergebnisse zu verzeichnen gibt; es wird in den Threads wieder über das Theater gesprochen, und auch ich sollte das zum Anlaß nehmen, wieder eines aufzusuchen.
Ungarn ! Ja, da wird überall nur noch über unsere Minister gesprochen, aber die Entwicklung in diversen Ländern: Asche !
Da muß Druck von der EU her, und da muß etwas Entscheidenes aus Deutschland dazu beigetragen werden, so eng sind Ungarn und Deutsche allemal geschichtlich miteinander "konfrontiert", daß der bisherige Stand politischer Stellungnahme beschämt: die deutsche Rolle beim Ungarnaufstand, die ungarische Rolle bei der Vereinigung, und viel ältere Zusammenhänge: ich postete als Gendrik
Göfgen eine Grußadresse an das Pferd, da mich angesichts von "Avatara" und diesem Thread "Der Tanz auf dem Vulkan" geradezu überfiel. Ich empfand es in diesem Zusammenhang als eine Art protodramatisches Ikon, dem Verfasser von "Avatara" hier in Worten
einen Bildkommentar zu "Avatara" zu senden, den auf youtube zu sehenden Zusammenschnitt der Versionen von "Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da" (Zensurthema und Ausgang von der Deutschen Geschichte hin zum Themenkomplex, der hier verhandelt wird pur !!),
der sehr gelungen ist, weil er mehr als nur den dazugehörigen Film mit dem Hauptdarsteller Gustav Gründgens geradezu transzendiert.
Zudem ergibt sich fast zwangsläufig der Blick auf Szabos Mephistoverfilmung von 1981 mit Burgschauspieler Brandauer: was passiert im heutigen Ungarn mit so einem Film ? Wo sind die Regisseure, die ich noch ein wenig kenne, wenn ich Filme wie "Hiobs Revolte", "Das Mädchen" oder eben Szabos Filme mir vor Augen rufe ?? Da gibt es doch Leute, die das von vor Ort kennen und helfen könnten, daß wir uns da zu orientieren beginnen, was auch eine Vorform politischer Aktivität sein kann.
Kann ich diese Filme nur noch mit größten Problemen, kann ich sie überhaupt noch sehen, oder spielt der eine oder andere sogar geschätzte Künstler eine zwiespältige Rolle ???
Solche Fragen wollte das Funkedoreenchen anstoßen, bin ich mir merkwürdig sicher !, und dann hat nachtkritik de. den Beitrag kassiert, weil ich wieder einmal irgendetwas nicht bedacht zu haben scheine: ich werde auf dieser Seite noch zum Tölpel, wenn es so weiter geht.
Oder ist es das Problem mit dem 1938er-Streifen ??
Wie wollen wir ohne solche "Härten" sinnvoll und engagiert an das Problem herankommen. Ich wagte einen kleinen Versuch, jetzt bin ich erst recht hilflos..
#7 Theaterbrief Ungarn: Tarr/SzaboDer behexte Stallknecht 2011-03-11 19:33
@ Pferd
Die "ZEIT" schreibt aktuell im übrigen zur jüngsten Entwicklung in
Ungarn ("Kunst in Zeiten der Zensur") ua. als Beispiel von der Filmpremiere des "Turin horse" von Bela Tarr, die für gestern angesetzt war, daß diese gecancelt wurde !
Ich selbst werde mir heute Abend "Süße Emma, liebe Böbe" von Szabo
ansehen, da mein Videorekorder wieder die Arbeit aufgenommen hat,
welches bei der Berlinale 1992 einen "Silbernen Bären" erhielt (just das Jahr meines einzigen einwöchigen Budapestbesuches)..
#8 Theaterbrief Ungarn: spätestens im November in CottbusPferdeapfel 2011-03-12 03:14
@ Der behexte Stallknecht
Dann lassen Sie sich mal von Emma und Böbe verzaubern, ein durchaus lohnender Film. Szabo ist ja Ehrenpräsident des Festivals des osteuropäischen Films in Cottbus. Leider habe ich noch nichts von ihm zur Situation in Ungarn gehört. Ich hoffe, dass das spätestens im November in Cottbus thematisiert wird.

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